Berliner Polizei soll falschen Verdächtigen festgenommen haben - Täter noch auf freiem Fuß?

Nach dem Anschlag auf einem Berliner Weihnachtsmarkt ist eine Schneise der Verwüstung auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz  sehen.
Nach dem Anschlag auf einem Berliner Weihnachtsmarkt ist eine Schneise der Verwüstung auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz sehen.
© dpa, Bernd von Jutrczenka, bvj kno

21. Dezember 2016 - 12:24 Uhr

"Der wahre Täter ist noch bewaffnet auf freiem Fuß und kann neuen Schaden anrichten"

Die Berliner Polizei hat nach dem Attentat auf dem Weihnachtsmarkt nach einem 'Welt'-Bericht einen falschen Tatverdächtigen gefasst. "Wir haben den falschen Mann", zitierte die Zeitung eine Quelle aus der Berliner Polizei.

Damit ergebe sich eine neue Lage. "Denn der wahre Täter ist noch bewaffnet auf freiem Fuß und kann neuen Schaden anrichten", habe es aus der Polizei geheißen. "Es ist in der Tat unsicher, dass es der Fahrer war", sagte Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt bei einer Pressekonferenz. "Wir werden jetzt mit allen Kräften klären, inwieweit sich der Tatverdacht erhärtet." Falls sich herausstelle, dass der Verdächtige nicht der Täter sei, werde natürlich weiter ermittelt.

Hat die Polizei den Falschen festgenommen?

Die Polizei hatte den 23 Jahre alten Naved B. festgenommen. Er ist am 31. Dezember 2015 in einer Gruppe von etwa 15 Flüchtlingen nach Deutschland eingereist. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wurden die Personalien des Mannes von der Bundespolizei im bayerischen Passau aufgenommen. Am 19. Februar habe er in Berlin einen Asylantrag gestellt. Im Asylverfahren sei er als renitent aufgefallen, er sei zu Anhörungen nicht erschienen und habe erklärt, er verstehe die deutsche Sprache nicht.

Naved B. wurde am Morgen verhört, doch er leugnet die Tat und streitet bisher alles ab. Der 'Tagesspiegel' habe ebenfalls aus Sicherheitskreisen erfahren, dass der Mann in der Vergangenheit wegen krimineller Delikte aufgefallen war. Der für den Staatsschutz zuständige Generalbundesanwalt in Karlsruhe übernahm die Ermittlungen.

Er soll in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft gelebt haben. Spezialeinsatzkräfte (SEK) der Polizei haben nach Medienberichten Hangars auf dem früheren Flughafen Tempelhof durchsucht. Dort befindet sich Berlins größte Flüchtlingsunterkunft. Naved B. habe zwei Alias-Namen geführt, die seinem Namen sehr ähnlich seien, daher habe sich die genaue Identifizierung schwierig gestaltet. 

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Polnischer Beifahrer wurde erschossen

Der dunkle Lastwagen mit polnischem Kennzeichen fuhr laut Polizei gegen 20:00 Uhr auf einer Strecke von 50 bis 80 Metern über den Markt und zerstörte dabei mehrere Buden. Dabei starben zwölf Menschen und mindestens 50 wurden verletzt, teilweise schwer. Ein weiterer Mann, der auf dem Beifahrersitz saß und nach ersten Ermittlungsergebnissen den Laster nicht gefahren hatte, starb laut Polizei vor Ort, er wurde erschossen. Er war Pole.

Der Lastwagen gehörte einer polnischen Spedition, wie deren Eigentümer Ariel Zurawski in einem Telefonat dem polnischen Sender TVN 24 sagte. Der Fahrer sei seit etwa 16 Uhr nicht mehr zu erreichen gewesen. Es handele sich um seinen Cousin, er könne seine Hand für ihn ins Feuer legen, dass er kein Attentäter sei. "Ihm muss etwas angetan worden sein", mutmaßte Zurakawski. "Ich stehe so unter Schock." Der Besitzer musste seinen toten Cousin identifizieren. Er sagte, dass man anhand der Verletzungen des 37-Jährigen erkennen konnte, dass er sich gewehrt und gekämpft hat: "Die Polizei hat es mir auch bestätigt". Die Bilder waren so heftig, dass man sie seiner Frau nicht zeigen konnte. Und dass er erschossen wurde.

Ein leitender Mitarbeiter der Spedition sagte dem Internetportal 'money.pl', dass jemand am Montag mehrfach den Laster gestartet habe. "Es ist, als hätte jemand geübt, ihn zu fahren", sagte Lukasz Wasik. Er habe die GPS-Daten des Lkw überprüft und dabei festgestellt, dass der Motor um 15:44 Uhr, um 16:52 Uhr und um 17:32 Uhr gestartet wurde. Der Lastwagen sei aber erst um 19:34 Uhr losgefahren und erreichte gegen 20:00 Uhr den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche.

Der Lastwagen hatte Stahlkonstruktionen aus Italien nach Berlin transportiert, berichtete Zurawski. Wegen einer Verzögerung habe der Fahrer bis zum Dienstag warten müssen und den Lastwagen in Berlin geparkt. Die Berliner Polizei teilte dagegen mit, es bestehe der Verdacht, dass der Sattelschlepper in Polen von einer Baustelle gestohlen worden sei.