Leid "nicht wieder gut zu machen": Straßenkinder jahrelang zu Pädophilen geschickt

Berliner Jugend-Senatorin verspricht Kentler-Opfern Entschädigung

Senatorin für Bildung, Jugend und Familie: Sandra Scheeres
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15. Juni 2020 - 17:47 Uhr

Finanzielle Entschädigung versprochen

Die Berliner Senatsverwaltung hat für das Kentler-Projekt bei den Opfern um Entschuldigung gebeten. Hierbei wurden über Jahrzehnte Findelkinder bewusst in die Pflege von Pädophilen abgegeben. Jetzt verspricht die Berliner Senatorin Sandra Scheeres eine finanzielle Entschädigung für die Opfer.

Sandra Scheeres bittet um Entschuldigung

Nachdem ein am Montag vorgestellter Abschlussbericht zum sogenannten Kentler-"Experiment" keine Zweifel mehr daran ließ, dass die Berliner Jugendämter und Senatsverwaltung über Jahrzehnte die Gefährdung von Kindern durch pädophile Pflegeväter mitzuverantworten haben, hat sich die Berliner Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Sandra Scheeres, bei den Opfern um Entschuldigung gebeten:

"Dass was den Kindern angetan wurde, ist nicht wieder gut zumachen. Deshalb möchte ich nochmal sagen, dass es mir wahnsinnig leid tut, was da passiert ist und ihnen angetan wurde", sagte Scheeres bei einer Pressekonferenz.

Kentler-Projekt im Video: Jugendamt hat weggeschaut

"Eklatantes Behördenversagen"

Mindestens 30 Jahre lang hatte ein System basierend dem Wirken des umstritten Sexualforschers Helmut Kentler die Unterbringung von Kindern bei pädophilen Männern zugelassen. Der unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Missbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, hatte diese Praxis im RTL-Interview scharf kritisiert:

"Im Fall des Kentler-Projekts haben wir es mit einem eklatanten Behördenversagen zu tun, das muss natürlich umfassend aufgeklärt werden und mir ist es auch wichtig, dass die Opfer umfassend entschädigt werden, denn die die Betroffenen sind in ihrer weiteren Lebensplanung stark beeinträchtigt."

Betroffene berichten, dass sie bis heute unter den Folgen des Missbrauchs leiden. Das Gutachten der Universität Hildesheim hatte festgestellt, dass dafür ein Netzwerk von 50 Menschen aus Jugendämtern, Senatsverwaltung, Wissenschaftlern und Pädagogen mitverantwortlich war. Dazu bekannte sich in der Folge aber niemand. Stattdessen sprach Sandra Scheeres im Namen des Landes zu den Opfern.

"Das Land Berlin wird hier Verantwortung übernehmen, das heißt konkret, dass wir den Betroffenen eine finanzielle Entschädigung anbieten", sagte Scheeres. Wie hoch diese Entschädigung sein soll, wollte sie nicht beantworten.