Berlin will bis zu 100 geflüchtete Kinder aufnehmen

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD). Foto: Paul Zinken/dpa/Archivbild
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10. März 2020 - 12:00 Uhr

Berlin will nach Angaben von Innensenator Andreas Geisel zwischen 80 und 100 schutzbedürftige Kinder aus griechischen Flüchtlingslagern aufnehmen. Wann die Kinder nach Berlin kommen, sei aber noch unklar, erklärte Geisel am Dienstag im RTL/n-tv-"Frühstart". "Das hängt jetzt davon ab, wie schnell die Bundesregierung diese Entscheidung umsetzt. Ich denke, eher heute als morgen."

Der Koalitionsausschuss der Bundesregierung hatte am Montag beschlossen, 1000 bis 1500 Kinder aus griechischen Lagern nach Deutschland zu holen. Dabei handelt es sich den Angaben zufolge um Kinder, die schwer erkrankt oder unbegleitet und jünger als 14 Jahre sind. Viele Details sind allerdings noch nicht geklärt.

Der Beschluss habe eine Weile auf sich warten lassen, aber er sei stolz auf die Bundesregierung, dass sie jetzt diese humanitäre Entscheidung getroffen habe, erklärte Geisel. Berlin macht sich gemeinsam mit anderen Kommunen wie Potsdam seit längerem dafür stark, Kinder aus griechischen Flüchtlingslagern aufzunehmen.

Unabhängig davon bereitet sich der Senat für den Fall vor, dass wieder mehr Flüchtlinge nach Deutschland und damit auch nach Berlin kommen. So wurde der Abbau des eigentlich 2019 stillgelegten Containerdorfes auf dem Tempelhofer Feld gestoppt.

"Derzeit prüfen wir, was getan werden muss, um die Unterkunft wieder bewohnbar zu machen", sagte ein Sprecher von Integrationssenatorin Elke Breitenbach (Linke) am Dienstag, nachdem "Berliner Morgenpost" und RBB berichtet hatten. Noch sei aber unklar, ob die Reaktivierung überhaupt nötig sei.

An der türkisch-griechischen Grenze hatte sich die Lage jüngst verschärft, nachdem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan entschieden hatte, Flüchtlinge und Migranten nicht mehr von der Einreise in die Europäische Union abzuhalten. Daraufhin kamen Tausende an die Grenze. Griechenland versucht jedoch mit allen Mitteln, Grenzübertritte zu verhindern.

Vor diesem Hintergrund hatte Breitenbach in der Vorwoche erklärt, dass Berlin in bestehenden Unterkünften bis zu 2000 Flüchtlinge unterbringen könne. Als Reserve steht laut Integrationsverwaltung kurzfristig eine Unterkunft in der Buchholzer Straße in Pankow mit etwa 400 Plätzen zur Verfügung.

Berlin hatte ab 2016 wegen des damals starken Flüchtlingsandrangs 17 sogenannte Tempohomes mit 4100 Plätzen aus Containern errichtet, um die Menschen kurzfristig unterzubringen. Diese sollen ebenso wie sieben weitere, seit 2014 aufgebaute Containerstandorte mit rund 2300 Plätzen schrittweise zurückgebaut werden.

Inzwischen setzt der Senat zur Unterbringung von geflüchteten Menschen auf modulare Unterkünfte (MUF). Diese sehen wie normale Mehrfamilienhäuser aus und umfassen Wohnungen, sind jahrzehntelang nutzbar und könnten auch Studenten oder Familien beherbergen. Gleichzeitig bringen Bezirke weiterhin minderjährige Flüchtlinge in Hostels und Pensionen unter.

Zuletzt war die Zahl in Berlin ankommender Flüchtlinge rückläufig. 2019 wurden laut Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten 6316 Neuankömmlinge für die Dauer der Bearbeitung ihres Asylantrags in der Hauptstadt untergebracht. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres kamen 1008 Migranten dazu.

Quelle: DPA