Um Rassismus-Vorwürfe zu verhindern

München und Berlin schaffen das Wort "Schwarzfahren" ab

Einen gültigen Fahrschein? Sollte man in der Regel dabei haben.
Einen gültigen Fahrschein? Sollte man in der Regel dabei haben.
© SolStock Ltd, JAY DAVISON

09. Juli 2021 - 16:54 Uhr

Kein "Schwarzfahren" mehr in München und Berlin

Damit es erst gar nicht zu Rassismus-Vorwürfen kommen kann, haben zwei deutsche Städte das Wort "Schwarzfahren" aus ihrem Sprachgebrauch gestrichen – allen voran die Stadt München. Ab jetzt fahren Sie also "ohne gültigen Fahrschein". Aber kann das Wort "Schwarzfahren" überhaupt rassistisch sein?

Ab sofort heißt es "Fahren ohne gültigen Fahrschein"

Die Stadt München macht es vor: Sämtliche Plakate, auf denen das Wort "Schwarzfahren" zu lesen ist, wurden systematisch von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ausgetauscht, wie "Bild" berichtet. Zuvor sah man sowohl in Bussen als auch in U-Bahnen und Trams Aufkleber mit dem Slogan: "Schwarzfahren kostet 60 Euro!" Das wurde jetzt umgeändert in die Aufschrift: "Ehrlich fährt am längsten." Wie die MVG das begründet? Laut "Bild" handele es sich dabei um eine Vorsichtsmaßnahme. Zudem wolle man sich der "zeitgemäßeren Kommunikation" anpassen.

Die süddeutsche Stadt bleibt damit kein Einzelfall: Auch in unserer Hauptstadt haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) "Schwarzfahren" schon aus ihrer internen und externen Kommunikation verbannt. Nachdem der rot-grüne Senat schon im vergangenen September ein neues, sogenanntes "Diversity-Programm" vorgestellt und beschlossen hatte, wollte man sichergehen, nicht in Rassismus-Verdacht zu geraten. Ab sofort spreche man stattdessen von "Fahren ohne gültigen Fahrschein", wie die BVG der "Bild"-Zeitung wohl schon bestätigte.

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Mit Rassismus hat der Begriff "Schwarzfahren" gar nichts zutun

Eric Fuß, Sprachwissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum, teilte der Münchner Abendzeitung mit, dass das Wort aus dem Jiddischen kommt und von "shvarts" abgeleitet wird, das wiederum in "Armut" übersetzt werden kann. Anstatt auf Dunkelhäutige bezieht sich der Begriff also auf all die Menschen, die arm sind und sich schlichtweg kein Ticket zum Bus- und Bahnfahren leisten können.

Wie die neue Wortgebung bei den Fahrgästen ankommen wird, wird sich zeigen. Egal ob "Schwarzfahren" oder "Fahren ohne gültigen Führerschein": Ein Ticket sollten Sie im besten Fall sowieso vor Antritt der Reise im Gepäck haben. (vdü)