Berlin: Sexualstraftäter kommt aus Sicherheitsverwahrung frei und missbraucht Achtjährige

© dpa, Will Oliver

9. Oktober 2018 - 10:41 Uhr

Bernd R. wurde nach der Entlassung wieder rückfällig

Wenn Bernd R. weiter in Sicherungsverwahrung geblieben wäre, hätte einem achtjährigen Mädchen aus Berlin viel Leid erspart werden können. Denn eigentlich saß der als gefährlich eingestufte Sexualstraftäter bereits hinter Schloss und Riegel. Doch im Juni 2015 kam R. wieder auf freien Fuß. Es dauerte nicht lange und er wurde rückfällig.

Bernd R. verging sich an seinem eigenen Sohn

Laut "Tagesspiegel" hat sich Bernd R. im Laufe seines Lebens bereits einiges zuschulden kommen lassen. 1992 erstach er betrunken eine Bekannte und musste für dreieinhalb Jahre in Haft. Kaum war er entlassen, setzte er die Wohnung einer Ex-Freundin in Brand, berichtet die Zeitung. 2003 wurde er schließlich zu rund sechs Jahren Haft verurteilt, weil er seinen damals 15 Jahre alten Sohn mehrfach sexuell missbraucht hatte.

Nachdem er die Strafe abgesessen hatte, kam R. in Sicherheitsverwahrung. Diese Justizmaßnahme ist für Täter gedacht, die so gefährlich sind, dass die Öffentlichkeit weiter vor ihnen geschützt werden muss. Ein Gutachter prüft jedes Jahr, ob von dem Insassen noch Gefahr ausgeht. Wenn ja, muss derjenige in Sicherheitsverwahrung bleiben, wenn nein, wird er entlassen. Im Prinzip kann ein Straftäter also auch den Rest seines Lebens in einer Sicherheitszelle verbringen.

Gutachter hielt Bernd R. nicht mehr für gefährlich

Bei R. sollte ein Gericht 2015 wieder entscheiden, ob der Mann auf freien Fuß kommen soll oder nicht. Das Gutachten kam zu dem Schluss, dass von dem Mann, der sich mehrfach an seinem eigenen Sohn vergangen hatte, keine Gefahr mehr ausging. Dann passierten am zuständigen Gericht in Berlin auch noch mehrere Pannen, zum Beispiel wurden wichtige Dokumente falsch abgeheftet und Anträge ignoriert. Am Ende kam Bernd R. frei.

Er zog mit seinem Lebensgefährten zusammen und suchte sich einen Job als Staplerfahrer. Und dann nahm das Unglück seinen Lauf. R. lernte eine Berliner Familie aus schwierigen Verhältnissen kennen. Die Eltern waren froh, wenn R. sich um die Achtjährige kümmerte. Während dieser Zeit soll sich der Mann mehrfach an dem Kind vergriffen haben. Im August 2018 wurde der 57-Jährige wieder festgenommen und wartet jetzt auf den nächsten Prozess, bei dem er sich wohl wegen Kindesmissbrauchs verantworten muss.