Berlin: Sanitäter reanimieren Mann, Passanten steigen rücksichtslos drüber

Notarzt (Archivbild)
Notarzt (Archivbild)
© dpa, Stephan Jansen, sja

09. Juli 2018 - 14:35 Uhr

Keine Zeit für Rücksicht

Die Zeiten sind schnell, eine Entschleunigung ist nicht in Sicht. Nachrichten erreichen uns fast in Echtzeit, es ist schwer Schritt zu halten. Offenbar so schwierig, dass viele nicht einmal mehr die Zeit haben, Rücksicht zu nehmen. Dieser Eindruck drängt sich jedenfalls bei Berichten über einen Rettungseinsatz in Berlin-Lichtenberg auf. Ein 45-jähriger Mann war an der S-Bahnhaltestelle Frankfurter Allee mit Atemnot zusammengebrochen, ein Notarzt und Sanitäter kämpften um sein Leben.

Notfall? Hindernis!

Für die meisten Passanten schien der am Boden liegende Mann jedoch kein Notfall zu sein, sondern ein Hindernis oder gar Ärgernis: Der Mann lag ihnen im Weg. Statt jedoch einen Bogen um die Notfallstelle zu machen oder die gegenüberliegende Seite zu benutzen, stiegen die Menschen gedanken- und rücksichtslos mit großen Schritten über die Helfer und den am Boden liegenden Mann hinweg.

Die Einsatzkräfte, denen verstörende Vorfälle mit Gaffern, Störenfrieden und Pöblern nicht fremd sind, waren schockiert von der Ignoranz der Vorbeilaufenden. "Die 20 Meter Umweg über den gegenüberliegenden Bahnsteig waren den Leuten wohl zu viel", zitiert die Berliner Zeitung einen Feuerwehrmann. Der "Fehler", der den Rettern unterlaufen war: Aufgrund der Eile und der Dringlichkeit der Situation konnten sie wohl die Haltestelle nicht absperren.

Trotz des unrühmlichen Verhaltens vieler Passanten konnten die Einsatzkräfte das Leben des Mannes retten. Doch es bleibt ein bitterer Nachgeschmack.