RTL-Korrespondent schätzt die Nominierung ein

Neuer US-Botschafter für Berlin: Trump will Ex-General Macgregor nach Deutschland senden

29. Juli 2020 - 13:16 Uhr

Ein Kommentar von US-Korrespondent Peter Kleim

Ex-Offizier, Deutschland-Kritiker und regelmäßiger Gast beim US-Sender Fox News: Donald Trump hat einen neuen Kandidaten für den Posten des US-Botschafters in Berlin auserkoren. Oberst a.D. Douglas Macgregor soll als Nachfolger von Richard Grenell als US-Botschafter nach Berlin kommen. Der Ex-Offizier muss dafür aber erst noch bestätigt werden. Denn: Vorschläge für einen Botschafterposten müssen vom US-Senat genehmigt werden – und das ist diesem Fall noch völlig offen.

Stimmt der Senat überhaupt ab? Ungewiss!

Erst einmal hat der Senat Wichtigeres zu tun. Das nächste Corona-Hilfspaket muss raus. Millionen werden bald ihr Arbeitslosengeld verlieren oder aus ihren Wohnungen geworfen. Und dann haben viele Senatoren zu Hause für sie persönlich noch Wichtigeres zu tun: Wahlkampf, um wiedergewählt zu werden. Ob der Senat über Donald Trumps Vorschlag für den nächsten US-Botschafter in Berlin in absehbarer Zeit überhaupt abstimmen wird, erscheint höchst ungewiss.

Macgregor: Häufiger Gast bei Fox News

Wenn Douglas Macgregor wirklich bestätigt werden sollte, dann dürfte er - zumindest nach den momentanen Umfragen für Donald Trump zu schließen - nicht allzu lang in der US-Botschaft am Pariser Platz verweilen. Was vielleicht auch ganz gut wäre. Denn Deutschland würde, zumindest auf den ersten Blick zu urteilen, sicherlich einen besseren US-Vertreter verdienen, als einen Ex-Offizier, der es nie zum General gebracht hat und sich bei Donald Trumps Haussender, Fox News, als Kommentator verdingt.

Zwar hatte das Pentagon Macgegor vor mehr als 25 Jahren mal kurz in Richard Holbrookes Team bei den Verhandlungen für das Dayton-Abkommen, das den Bosnien-Krieg beendete, entsandt - über wirkliche diplomatische Erfahrungen verfügt er aber nicht. Immerhin - Macgregor spricht deutsch und hat einige Zeit in Deutschland verbracht.

Macgregor folgt auf polarisierenden Richard Grenell

Aber die, die ihn kennen, sagen dem pensionierten Oberst eine ähnlich polarisierende Art nach, wie seinem -  sollte er es werden - Vorgänger Richard Grenell. Kaum jemand in Berlin weint Grenell eine Träne nach. Ex-SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte über ihn einmal gesagt, dass er sich mehr wie ein "rechtsextremer Kolonialoffizier" benehmen würde, als wie ein Diplomat.

Das gestörte Verhältnis zwischen Deutschland und Donald Trumps Amerika würde wohl auch unter Douglas Macgregor kaum besser werden. Sein wichtigster Auftrag: den im Pentagon und im Kongress kaum unterstützten US-Truppenabzug aus Deutschland zu vertreten.

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