Berlin: Neuer Mordprozess gegen Ku'damm-Raser geplatzt

Die Angeklagten müssen sich in einem neuen Prozess vor Gericht verantworten.
Die Angeklagten müssen sich in einem neuen Prozess vor Gericht verantworten.
© dpa, Paul Zinken, pdz

28. August 2018 - 15:19 Uhr

Befangenheitsantrag der Verteidigung war erfolgreich

Es war das erste Mordurteil in einem Raser-Fall: In Berlin wurden zwei Autofahrer zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch der Bundesgerichtshof hob die spektakuläre Entscheidung auf. Und jetzt ist der neue Prozess geplatzt.

Die Raser halten die Richter für voreingenommen

Die Neuauflage des Mordprozesses gegen Marvin N. (26) und Hamdi H. (29) kommt erst mal nicht zustande. Grund ist eine "Besorgnis der Befangenheit" gegen die drei zuständigen Richter. Die Angeklagten lieferten sich im Februar 2016 ein illegales Autorennen in Berlin, dabei starb ein 69-Jähriger.

Was war passiert? Die beiden Angeklagten Marvin N. (26) und Hamdi H. (29) wurden bereits im Februar 2017 vom Landesgericht Berlin zu lebenslanger Haft und einer Führerscheinsperre auf Lebenszeit verurteilt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil wieder auf. Am 14. August 2018 startete der Mordprozess mit neuen Richtern von vorn.

Jetzt wurden die Richter von den Angeklagten erfolgreich abgelehnt – die beiden halten sie für voreingenommen und befürchten, dass das Urteil vor Prozessbeginn bereits feststehe. Einer der Männer wollte nämlich frühzeitig aus der Haft entlassen werden, nachdem das erste Mordurteil aufgehoben wurde. Die Richter lehnten das aber im März 2018 ab. Mit der Begründung, dass die Haft "nach wie vor verhältnismäßig" sei. Es bestehe weiter "dringender Tatverdacht wegen Mordes", das würde sich bei der neuen Hauptverhandlung bestätigen. Das halten die Verteidiger für eine Vorverurteilung ihrer Mandanten.

Der Prozess muss von neuen Richtern geführt werden

Die zwei Männer lieferten sich im Februar 2016 nachts mit einem Audi A6 und einem Mercedes Benz AMG ein illegales Autorennen auf dem Berliner Kurfürstendamm – über 2,5 Kilometer. Dabei missachteten sie mindestens zehn rote Ampeln.

Dann die Katastrophe: Auf der Nürnberger Straße überquerte ein 69-jähriger Rentner in einem Jeep bei grün eine Kreuzung. Hamdi H. raste in seinem Audi mit circa 170 km/h in den Jeep und schleuderte ihn 70 Meter weit. Der Senior war auf der Stelle tot. Jetzt muss der Mordprozess von einer anderen Strafkammer erneut aufgerollt werden.