Berlin: Millionärsfamilien-Entführer festgenommen?

12. Juni 2015 - 19:21 Uhr

Täter lebte in Wäldern rund um Berlin

Zwei der spektakulärsten und rätselhaftesten Kriminalfälle in Berlin-Brandenburg stehen vor der Aufklärung: Die Polizei nahm am Abend im Bezirk Treptow-Köpenick einen Mann (46) fest, der für einen Überfall auf die Unternehmerfamilie Pepper und die Entführung eines Investmentbankers verantwortlich sein soll. Inzwischen wurde gegen den Mann Haftbefehl vom Amtsgericht Frankfurt/Oder wegen dreifachen versuchen Totschlags und erpresserischen Menschenraubs erlassen.

Berlin: Maskenmann gefasst
Eine Schlüsselrolle habe auch eine auffällig geblümte Decke im Entführungsfall Storkow gespielt. Diese konnte bis in ein Gewerbegebiet in Berlin verfolgt werden, wo keine 600 Meter entfernt der Mann zeitweise gelebt habe.
© dpa, Bernd Settnik

"Er ist für alle drei Delikte dringend tatverdächtig", sagte der Leiter der Sonderkommission, Siegbert Klapsch, bei einer Pressekonferenz. Der Berliner habe jahrelang in Wäldern rund um die Hauptstadt gelebt, seine blutigen Attacken akribisch vorbereitet und als Einzeltäter gehandelt. Er hat nach Angaben der Ermittler keine persönliche Beziehung zu seinen Opfern. Er habe sich so vermutlich Geld beschaffen wollen.

Brandenburgs Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) bezeichnete die Festnahme als großen Erfolg der Polizei. "Die beharrliche Arbeit der Ermittler in den vergangenen zwei Jahren hat sich ausgezahlt. Jeder, der kriminelle Taten begeht, muss sich im Klaren sein, dass er früher oder später gefasst wird", sagte er.

Der dringende Tatverdacht gegen den Berliner gründe sich auf eine lange Kette von Indizien, was die Ermittlungen schwierig mache, sagte Klapsch. Ausschlaggebend sei gewesen, dass in beiden Fällen dieselbe Waffe - eine Ceska 75 oder 85 oder der chinesische Nachbau Norinco - verwendet worden sei. Eine Waffe solchen Typs habe der Tatverdächtige auch als vorübergehender Gast in einem Berliner Schützenverein benutzt. Eine Schlüsselrolle habe auch eine auffällig geblümte Decke im Entführungsfall Storkow gespielt. Diese konnte bis in ein Gewerbegebiet in Berlin verfolgt werden, wo keine 600 Meter entfernt der Mann zeitweise gelebt habe.

Sonderkommission 'Imker' ermittelte zwei Jahre

Ein bewaffneter Kidnapper hatte am 5. Oktober 2012 einen damals 51 Jahre alten Geschäftsmann aus seiner Villa in Storkow verschleppt und im Schilf am Großen Storkower See festgehalten. Der Täter wollte eine Millionensumme erpressen. Zwei Tage nach der Entführung konnte sich das Opfer selbst befreien. Zwei Jahre lang ermittelte die Sonderkommission 'Imker' - benannt nach der auffälligen Maske des Täters – mit rund 60 Beamten in den beiden Fällen.

Der maskierte Mann drang seinerzeit in das Haus des Geschäftsmannes ein und schoss mit einer Pistole in die Decke. Er zwang die Frau, vor den Augen ihres Kindes den Mann zu fesseln und ihm Augen und Mund zu verkleben. Der bewaffnete Täter zerrte den Mann aus dem Haus und warf ihn in den See. In einem Kajak zog er sein Opfer zu der Schilfinsel.

Die Polizei ging davon aus, dass der bislang rätselhafte Unbekannte mit einem weiteren Verbrechen gegen die Unternehmerfamilie Pepper im Zusammenhang steht. Im Herbst 2011 wurde auf deren Tochter in Bad Saarow geschossen, die auf einer Koppel mit ihrem Pferd beschäftigt war. Der Kurort liegt etwa 15 Kilometer von Storkow entfernt. Bei dem Angriff blieb die junge Frau unversehrt. Ein Wachmann schützte die junge Frau mit seinem Körper. Er erlitt eine Querschnittslähmung. Wochen zuvor war die Frau des Unternehmers niedergeknüppelt worden.

Bei der Soko 'Imker' gingen bis zum Frühjahr 432 Hinweise aus der Bevölkerung ein. Die Polizei war via Fernsehen an die Öffentlichkeit gegangen.