Hunderte Bestellungen am Tag

Berliner Polizei nimmt "Koks-Taxis" ins Visier

© dpa, Frank Leonhardt, leo sja tba soe cul

22. Oktober 2019 - 10:32 Uhr

Kokain-Taxis in Berlin: 35 Ermittlungen gegen Drogen-Lieferdienste

Die Bestellungen laufen rund um die Uhr ein – und es sind Hunderte am Tag. Sogenannte "Kokain-Taxen" halten die Berliner Polizei zunehmend auf Trab. Sie liefern harte Drogen ganz bequem bis an die Wohnungstür. Die Beamten wollen die Drogenkuriere jetzt stärker ins Visier nehmen: Seit Mai erfasst die Behörde die Fälle erstmals systematisch – seitdem laufen bereits 35 Ermittlungsverfahren gegen solche Drogen-Lieferdienste. Das berichtet der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Die Koks-Taxis beschäftigen derzeit ein ganzes Kommissariat.

Bei Anruf Koks: Drogen-Taxis liefern Stoff bis an die Wohnungstür

Das Prinzip: Ein kurzer Anruf oder eine kurze SMS genügt, und schon kommt das "Koks-Taxi" an einer gewünschten Adresse vorbei und liefert den Stoff. Koks per Knopfdruck, sozusagen – Drogen auf Rädern, frei Haus. Gesteuert werden die Deals aus "Kokain-Callcentern" – professionell organisiert. Die Wartezeiten liegen für Kunden häufig bei gerade einmal 15 bis 30 Minuten.

Übergeben wird die Ware meist im Auto: Einsteigen, bezahlen, schnell wieder aussteigen. Solche illegalen Lieferdienste sind der vielleicht leichteste Weg, schnell an harte Drogen zu kommen.

Polizei Berlin warnt: Koks-Taxis werden immer beliebter

Und sie werden immer beliebter: Nach Polizeiangaben laufen bei einzelnen Telefonnummern täglich Hunderte Bestellungen ein. Seit zwei bis drei Jahren schon spielt Kokain in der Berliner Drogenszene eine maßgebliche Rolle. Allein in diesem Jahr sind in Berlin bis einschließlich Juli schon 25 Menschen an den Folgen übermäßigen Koks-Konsums gestorben. Das geht aus Zahlen der Polizei hervor, die dem RBB vorliegen. Nur Heroin sei für noch mehr Drogentote verantwortlich.