Berlin-Attentäter reiste vermutlich über NRW unbemerkt nach Frankreich und dann nach Mailand

Anis Amri in Sesto San Giovanni bei Mailand bei Schusswechsel mit Polizei getötet
Anis Amri wurde in Sesto San Giovanni bei Mailand bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet.
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Bei normaler Kontrolle ins Netz gegangen

Der nach dem Berliner Terroranschlag europaweit gesuchte Tunesier Anis Amri ist tot. Das bestätigte der Generalbundesanwalt Peter Frank. Amri sei bei einem Schusswechsel mit der Polizei in Mailand getötet worden. Der Tunesier ging der Polizei bei einer normalen Kontrolle ins Netz. Die ermittler vermuten, dass der Terrorverdächtige über Nordrhein-Westfalen unbemerkt nach Chambéry in Südfrankreich reiste und von dort aus nach Mailand weiterfuhr. Wann und auf welcher Strecke genau der Mann unterwegs war, muss jetzt geklärt werden.

Er beschimpfte die Polizisten noch als "Bastarde"

Laut Italiens Innenminster Marco Minitti zog er bei der Ausweiskontrolle gegen vier Uhr nachts sofort seine Waffe und schoss. Die Beamten, von denen zwei verletzt wurden, hätten das Feuer erwidert und ihn getötet. Amri sei zu Fuß unterwegs gewesen.

"Dank Personen wie diesen Polizisten können die Italiener frohe Weihnachten feiern", sagte der Italiener, der mehrfach betonte, dass Italien stolz auf diese Polizisten sein könne. Laut Italien-Korrespondent Udo Gümpel war es ein Polizist auf Probe, der seinen angeschossenen Kollegen rettete und den Terroristen zur Strecke brachte.

Nach italienischen Angaben war Amri alleine unterwegs, als er auf die Polizisten traf. Auf ihn seien zwei Schüsse abgegeben worden, einer habe den Brustkorb getroffen und sei tödlich gewesen, sagte der Mailänder Polizeipräsident Antonio de Iesu bei einer Pressekonferenz. Anis Amri sei "höchst gefährlich" gewesen und hätte vermutlich erneut zugeschlagen. Die beiden jungen Polizisten hätten sich vorbildlich verhalten und seien mutig gewesen. Amri habe die Polizisten als "Bastarde" beschimpft.

Laut n-tv-Italien-Korrespondent Michael Kadereit kam Amri in einem Mailänder Bahnhof im Norden der Stadt an und wurde dort kontrolliert, weil er den Polizisten verdächtig vorkam. Er sei aus Chambéry in Frankreich nach Turin gekommen, berichtete der Mailänder Anti-Terror-Chef Alberto Nobili. Von Turin in der italienischen Region Piemont sei er wiederum mit dem Zug nach Mailand gefahren, wo er gegen 1.00 Uhr in der Nacht zum Freitag angekommen sei. Gegen 4.00 Uhr am Morgen sei er den beiden Polizisten begegnet, die ihn bei einem Schusswechsel töteten.

Die Bundesregierung dankte den italienischen Behörden. Es habe einen sehr engen und vertrauensvollen Informationstausch am Vormittag gegeben, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Der Tunesier hatte jahrelang in Italien gelebt, zeitweise in Haft. Seine Fingerabdrücke wurden mehrfach an dem Lkw sichergestellt, der in den Weihnachtsmarkt gerast war.

Unterdessen zeichnet sich ab, dass Amri in direktem Kontakt mit der Terrorormiliz Islamischer Staat (IS) stand. Das IS-Sprachrohr Amak veröffentlichte ein Video, das den 24-Jährigen in Berlin Moabit zeigt. Auf der knapp dreiminütigen Aufnahme schwört er dem Anführer des IS, Abu Bakr al-Bagdadi, die Treue.

Nach dem Amri war seit Donnerstag auch mit Haftbefehl gefahndet worden. Es bestanden zuletzt kaum noch Zweifel, dass er für den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt mit mindestens zwölf Toten verantwortlich ist. Seine Fingerabdrücke wurden mehrfach an dem Lkw sichergestellt, der am Montagabend in die Budengasse nahe der Gedächtniskirche gerast war.

Auf Amris Spur waren die Ermittler gekommen, als sie im Lastwagen seine Duldungspapiere fanden. Das geschah aber erst am Dienstag, weil die Fahrerkabine zunächst versiegelt worden war. Amri, der 2015 über Freiburg nach Deutschland einreiste, war Medienberichten zufolge in Italien und Tunesien bereits zu langen Haftstrafen verurteilt worden.