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Schulbusunglück in Thüringen: So werden Busfahrer auf kritische Situationen vorbereitet

24. Januar 2020 - 15:06 Uhr

Wie kam es zu dem Busunglück in Berka?

Die Trauer und Bestürzung nach dem Schulbusunfall in Berka vor dem Hainich (Thüringen) ist groß. Nach ersten Erkenntnissen verlor der Fahrer auf eisglatter Fahrbahn die Kontrolle über das Fahrzeug. Der Bus rutsche einen Hang hinunter und überschlug sich. Zwei Kinder starben, die anderen wurden verletzt. Wie konnte es zu dem schweren Unfall kommen?

Busfahrer werden gründlich ausgebildet

Grundsätzlich müssen alle, die in Deutschland am Steuer eines Busses sitzen wollen, gründlich dafür ausgebildet werden. Im Video erklärt Harry Bittner vom Verkehrsinstitut Altenburg, wie Busfahrer in ihrer Ausbildung auf solche Situationen vorbereitet werden.

Die Ursachenforschung ist in vollem Gange. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei gibt es aber keine Hinweise auf einen technischen Defekt oder ein Fehlverhalten des Fahrers. Der Bus soll nun technisch untersucht werden. "Im Allgemeinen ist der Bus ein absolut sicheres Verkehrsmittel", erklärt Bittner, der sich mit der Ausbildung von Busfahrern auskennt. Trotzdem wurden ein Junge und ein Mädchen – beide erst acht Jahre alt – aus dem Leben gerissen.

Im Schulbus gilt keine Anschnallpflicht

Schulbusunfall in Thüringen
Bei dem Schulbusunfall in Thüringen starben zwei acht Jahre alte Kinder - 21 Mitschüler wurden verletzt.
© dpa, Swen Pförtner, spf tba

Dass so viele Kinder Verletzungen erlitten, als der Bus verunglückte, könnte daran liegen, dass viele vermutlich nicht angeschnallt waren. Die Ermittler wollten dazu zwar nichts sagen, aber eine gesetzliche Gurtpflicht gibt es im Schülerverkehr nicht, erklärte Bittner. "Der Busfahrer kann natürlich sehr wohl darauf hinweisen, dass die Schüler den Beckengurt benutzen sollen. Aber der Busfahrer hat keinerlei Kontrollpflicht", erklärte Bittner im RTL-Interview.

Ein weiteres Problem laut Bittner: Für Busse über 3,5 Tonnen gilt im Moment noch keine Winterreifenpflicht für die Lenkachse (die gilt erst ab Juli 2020). Solange der Bus mit Winterreifen auf der Antriebsachse ausgestattet ist, erfüllt er die gesetzlichen Bestimmungen. Mit welchen Reifen der Bus in Thüringen ausgestattet war, als er auf dem Weg zur Grundschule ins Schlittern kam, ist allerdings noch nicht geklärt.

Busstrecke wurde aus Sicherheitsgründen so gewählt

Der Bus war nur noch wenige Minuten vom Ziel entfernt, als der Unfall passierte. Der städtische Bus hätte offenbar auch einen anderen Weg fahren können. Die Strecke sei aber aus Sicherheitsgründen so gewählt worden. Die zuständigen Behörden wollten dadurch vermeiden, dass die Grundschüler eine Straße überqueren müssen, wurde in einer Pressekonferenz erklärt.

Was genau den Unfall ausgelöst hat, müssen nun Unfallgutachter klären. Innenminister Maier betonte, es sei kein Tag zum Spekulieren. Die Polizei müsse den Unfall sauber analysieren und gemeinsam mit den Sachverständigen herausfinden, wie es zu dem Unglück kam.

Wie die betroffenen Kinder das traumatische Erlebnis verarbeiten können, erklärt hier eine Kinderpsychotherapeutin.