Bericht wird alle sechs Jahre veröffentlicht

Zur Lage der Natur: Schmetterlingen geht es schlecht - die Kegelrobbe erholt sich wieder

Nabu fordert schärfere Gesetze für den Artenschutz
© dpa, Julian Stratenschulte, jst skm jai

20. Mai 2020 - 9:51 Uhr

Schlechte Zeiten für bedrohte Tierarten

Der Natur in Deutschland geht es nicht gut genug. Insbesondere der Zustand der Agrarlandschaft sei überwiegend schlecht. Das ergibt der Bericht zur Lage der Natur, den Bundesumweltministerin Svenja Schulze vorstellte.

"Auf vielen Wiesen und Weiden wird so viel gedüngt und so oft gemäht, dass sie für die Natur immer wertloser werden. Hier ist eine Trendwende dringend nötig", sagte die SPD-Politikerin. Rund ein Drittel der untersuchten Arten sind in einem unzureichenden Zustand, ein weiteres Drittel in einem schlechten Zustand. Das betrifft vor allem Schmetterlinge, Libellen und Käfer.

Ursachen: Tourismus, Pestizide, Entwässerung

Schmetterlinge und andere Insektenarten sind auf blühende Wiesen und Weiden angewiesen. Doch diese Ökosysteme gibt es immer seltener. Auch einige Landwirte sehen darin ein Problem. "Wir Landwirte müssen sehen, dass wir tatsächlich auch an und um unsere Flächen Rückzugsmöglichkeiten anlegen", erklärt Dr. Holger Hennies, Vizepräsident des niedersächsischen Landvolk Landesverbandes. Insekten bräuchten Möglichkeiten zur Vermehrung und ausreichend Futterflächen. Vogelarten in der Agrarlandschaft leiden ebenfalls darunter, dass ihre Lebensräume starkt bewirtschaftet werden. So gibt es heute nur noch etwa ein Zehntel der Rebhühner und Kiebitze, die noch vor 25 Jahren in Deutschland lebten.

Folgende Ursache sehen die Autoren der Studie:

  • Hoher Einsatz von Pestiziden
  • Stärkere Flächennutzung
  • Entwässerung und Grundwasserentnahme
  • Verlorene Flächen durch den Ausbau der Infrastruktur, im Verkehr, in Siedlungs- und Gewerbegebieten, aber auch im Sport, Tourismus und in Freizeitaktivitäten.
  • Auch der Ausbau von erneuerbaren Energien wie Biogasanalgen, Windkraftanlagen und Wasserkraftanlagen tragen zu den negativen Entwicklungen für den Schutz der Biodervisität in Deutschland bei.

Investitionen in Naturschutz zeigen Erfolge

Positive Entwicklungen konnten allerdings bei der Renaturierung von Flüssen und Auen festgestellt werden. 25 Prozent der untersuchten Arten erholen sich bereits wieder, darunter der Seehund und die Kegelrobbe in der Nordsee oder der Steinbock in den Alpen. Die Erfolge seien vor allem dort zu sehen, wo in den Naturschutz investiert wird. 

Umweltministerin will Insektenschutzgesetz vorbereiten

Bundesumweltministerin Svenja Schulze sieht erste Schritte für eine Verbesserung im neuen Düngerecht und dem Aktionsprogramm "Insektenschutz". Im nächsten Schritt will sie ein Insektenschutzgesetz auf den Weg zu bringen, das artenreiches Grünland und Streuobstwiesen besser schützen soll.

Schulze mahnte die Landwirtschaft an, das verschärfte Düngerecht nun konsequent umzusetzen. Der Bauernverband bezweifelt den Befund zwar nicht, wehrte sich aber gegen die Schuldzuweisungen. "Viele Landwirte sind bereit, mehr im Vertragsnaturschutz zu tun, aber es bestehen bürokratische Hemmnisse und mangelnde Anreize. Die Landwirte bleiben viel zu oft auf den Kosten des Naturschutzes sitzen, das muss sich ändern", sagte der stellvertretende Generalsekretär Udo Hemmerling der dpa.

Ehrenamtliche Naturschützer erfassen Studiendaten

Der Bericht zur Lage der Natur wird alle sechs Jahre vorgestellt. Bund und Länder nehmen dabei eine Bewertung des Zustands der Natur in Deutschland vor. Die Berichte werden durch die Bundesregierung an die EU-Kommission übermittelt. Grundlage der Untersuchung sind Daten, die ehrenamtliche Naturschützer und Behören bundesweit zusammentragen.

In rund 14.000 Stichproben haben sie im Zeitraum von 2013 bis 2018 den Zustand von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen erfasst, die über die europäischen FFH- und Vogelschutzrichtlinien geschützt sind.