Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks: Deutschland eines der Hauptziele von Flüchtlingen

27. September 2014 - 12:41 Uhr

Höchste Flüchtlingszahl seit zwei Jahrzehnten

Die Zahl von Asylsuchenden besonders in den Industrienationen steigt weiter rasant an. Wenn dieser Trend anhalte, werde in diesen Staaten 2014 die höchste Flüchtlingszahl seit zwei Jahrzehnten erreicht, berichtet das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR).

UN-Flüchtlingshilfswerk: Zahl der Flüchtlinge in Industrienationen steigt weiter.
Ein kleines Schiff mit rund 300 Migranten an Bord hatte am Donnerstag ein Notsignal rund 50 Seemeilen südwestlich der Mittelmeerinsel Zypern gesendet.
© dpa, Handou

Deutschland gehöre dabei zu den Hauptzielen der Flüchtlinge. Die UN-Organisation erfasste die Zahlen von 44 Regierungen in Europa, Nordamerika und Teilen des asiatisch-pazifischen Raums. In diesen Ländern ersuchten demnach in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 330.700 Menschen um Anerkennung als Flüchtlinge. Das sei ein Anstieg um 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

In dem Bericht warnt das Flüchtlingshilfswerk davor, dass die Gesamtzahl der Asylsuchenden - vor allem getrieben von den Konflikten im Irak und in Syrien - auf 700.000 steigen könne. Dies wäre ein Niveau, das es in Industrienationen zuletzt während der Balkankriege in den 1990er Jahren gegeben habe. "Wir sind in einer Ära wachsender Konflikte", sagte UN-Hochkommissar António Guterres. "Die internationale Gemeinschaft muss ihre Bevölkerungen darauf vorbereiten, dass in den kommenden Monaten mehr und mehr Menschen kommen werden, die Zuflucht und Hilfe brauchen."

Zyprische Polizei zwingt syrische Bootsflüchtlinge an Land

Erst am Donnerstag hatte ein Kutter mit rund 300 Migranten an Bord rund 50 Seemeilen südwestlich der Mittelmeerinsel Zypern ein Notsignal gesendet. Nach der Ankunft in Limassol weigerte sich jedoch die Mehrheit der Flüchtlinge, an Land zu gehen. Sie forderten, nach Italien gebracht zu werden. "Das ist das Dankeschön. Wir haben sie gerettet, gefüttert und jetzt wollen sie das Schiff nicht verlassen. Wir werden ruiniert", ärgerte sich ein Sprecher des Kreuzfahrtschiffs 'Salamis Filoxenia', das die Flüchtlinge an Bord genommen hatte.

Die Migranten stammen fast alle aus Syrien. Laut den Behörden hätten sie pro Kopf 6.000 Euro an eine Schleuserbande gezahlt, die sie nach Italien bringen sollte. Der Kapitän und die Besatzung hätten aber heimlich den Kutter verlassen und die Menschen ihrem Schicksal überlassen. Unter ihnen sind viele Familien, mehr als 50 Kinder sind dabei. Die Flüchtlinge wurden mittlerweile in kleineren Gruppen in ein Flüchtlingslager westlich der Inselhauptstadt Nikosia gebracht

Im Mittelmeer sind in den vergangenen Monaten Tausende Flüchtlinge ums Leben gekommen. Die Behörden in Zypern, Griechenland und Italien rechnen mit einer noch größeren Flüchtlingswelle. Allein entlang der türkischen Ägäis-Küste warten nach Angaben des griechischen Ministers für Handelsschifffahrt mehr als 100.000 Menschen aus dem Nahen Osten auf eine Gelegenheit, nach Griechenland zu kommen.