Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan

Bergkarabach: Fünffach-Mutter muss kurz vor Geburt ihres Kindes aus der Region fliehen

07. Oktober 2020 - 11:23 Uhr

Im Video: RTL-Reporterin Kavita Sharma berichtet vor Ort

Es sind die schlimmsten Kämpfe in der Region Bergkarabach seit Jahren. Die Hauptstadt Stepanakert steht unter Beschuss, die Menschen haben große Angst. RTL-Reporterin Kavita Sharma ist ins von Armenien und Aserbaidschan umkämpfte Krisengebiet gereist, um von dort zu berichten. Sie hat viele Menschen getroffen, deren Häuser bereits zerstört wurden – einige sind sogar schon aus der Region geflohen. Arevik Shumanyan, deren Haus bombardiert wurde, erzählt ihre Geschichte im Video.

„Ich mache mir vor allem Sorgen um meine Kinder"

Auch Anna Stepanyan kommt aus Stepanekert – sie floh kurz vor der Geburt ihres fünften Kindes aus einem Krankenhaus in dem Gebiet. Ihre Tochter Mariam ist erst drei Tage alt und schon auf der Flucht. "Ich mache mir vor allem Sorgen um meine Kinder, dass sie in Sicherheit sind", erzählt die fünffache Mutter im Interview. Sie zeigt Fotos von ihrem Haus mit großem Garten in Bergkarabach – sie zeigen eine heile Welt, die sie längst hinter sich gelassen haben. "Wir schafften es noch nicht mal, unsere Sachen zu holen. Ich nahm nur mit, was ich im Krankenhaus dabeihatte."

Fünffach-Mutter Anna Stepanyan floh kurz vor der Geburt ihrer Tochter aus der Region
Fünffach-Mutter Anna Stepanyan floh kurz vor der Geburt ihrer Tochter aus der Region.
© RTL

Armenien und Aserbaidschan geben sich gegenseitig die Schuld an der Eskalation

In der umkämpften Region Bergkarabach leben rund 145.000 Menschen. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Sowohl Aserbaidschan als auch Armenien erheben einen Anspruch auf das Gebiet. Seit 1994 gilt eine brüchige Waffenruhe. Vor einigen Tagen eskalierte die Situation dann. Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld daran. Die Türkei steht auf der Seite Aserbaidschans. Armenien sieht dagegen Russland als Schutzmacht.

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Bereits Hunderte Tote im neuen Konflikt

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Armenien vom Montag wurden innerhalb eines Tages mehr als 20 eigene Soldaten getötet. Zudem seien 20 Zivilisten ums Leben gekommen. Damit stieg die Zahl der Getöteten auf armenischer Seite auf 250. Aserbaidschan sprach von mehr als 24 getöteten Zivilisten seit Beginn der neuen Kämpfe vor gut einer Woche. Angaben zu Verlusten in der Armee wurden nicht gemacht.