Sie rannten in den Bensheimer Wald – und kamen nicht wieder zurück

Jäger erschießt zwei freilaufende Hunde im Wald

Ein Jäger mit Gewehr steht am Waldrand (Symbolbild)
Ein Jäger mit Gewehr steht am Waldrand (Symbolbild)
© dpa, Felix Kästle

03. Dezember 2020 - 10:53 Uhr

Zwei Frauen lassen ihre Hunde vor einem Bensheimer Wald laufen – dann fallen Schüsse

Ein Albtraum für alle Hunderhalter: Man lässt seinen Vierbeiner ohne Leine laufen, sieht ihn davon flitzen – doch er kommt nicht wieder. Genau das ist Ingrid Allissat aus dem südhessischen Bensheim und einer Freundin passiert: Während eines Spaziergangs rannten ihre beiden Hunde in den Wald und kamen nicht, wie sonst üblich, zu ihren Frauchen zurück. Knapp zehn Minuten später fallen zwei Schüsse.

Stundenlange Suche – und dann die traurige Gewissheit

"Wir haben die Schüsse zwar gehört, aber uns keine Sorgen gemacht", berichtet Ingrid Allissat gegenüber "Echo Online". Erst nach und nach werden die beiden Freundinnen unruhig. Bis in den späten Abend suchen sie nach ihren Tieren, bitten Passanten um Hilfe und verständigen auch die Polizei. Für den Fall, dass der Windhundmischling und der Terrier am Wald auf sie warten, legen die Frauen für die Nacht Futter und Decken auf eine Bank in der Nähe ab.

Tote Hunde im Gebüsch aufgefunden

Auf Nachfrage bei der Polizei dann die schreckliche Gewissheit: "Einige Minuten später informierte uns die Polizei, der Pächter habe zugegeben, beide Hunde erschossen zu haben", erzählt Ingrid Allissat. Laut "Echo Online" habe der Jäger die Tiere dann "ins Gebüsch geschmissen". Nach diesem Hinweis finden die Freundinnen ihre toten Hunde und bringen sie in eine Tierklinik. "Wir sind entsetzt über die Brutalität und unendlich traurig über den Verlust unserer geliebten Tiere", sagen die beiden Frauen. Sie seien Familienmitglieder gewesen und aus ihrer Mitte herausgerissen worden.

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Haben die Hunde ein Reh gejagt?

Doch wieso mussten die beiden Hunde sterben? Prinzipiell erlaubt das hessische Jagdgesetz, wildernde Hunde und Katzen unter bestimmten Bedingungen zu erschießen. Laut Rolf Stadler, Pressespreche des Jagdklubs "Hubertus Bergstraße" komme es äußerst selten vor, dass Hunde erschossen würden. Es sei das letzte Mittel. Im Interview mit "Echo Online" verweist Stadler aber auch auf die Gefahr für den Menschen, wenn beispielsweise gehetztes Wild auf die Bundesstraße laufe. Dass Wild beteiligt war, davon geht auch die Untere Jagdbehörde aus: "Es sprechen aktuell starke Indizien dafür, dass die beiden Hunde zuvor ein Reh gerissen hatten und bereits dabei waren, einem weiteren Reh nachzustellen", so der Sprecher.

Erschossene Hunde in Bensheim: Polizei ermittelt

Ingrid Allissat hat inzwischen Anzeige erstattet. Die Polizei untersucht den Fall. Dass ihr Hund ein Reh gejagt haben soll, könne sie nicht bestätigen, aber auch nicht ausschließen. "Ich weiß es nicht", sagt sie. Die tierärztliche Untersuchung der Kadaver hätte jedenfalls ergeben, dass es keinen Kontakt zu einem Reh gegeben habe, so die Halterin.

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