Benkö-Blog: Reise-Wertkonten der Firma 'Deutsche Reise' in der Kritik

30. Juni 2016 - 8:11 Uhr

Ich schöpfe persönlich immer Verdacht, wenn Reise-Unternehmen ankündigen: Bei uns bekommen Sie etwas umsonst. Gut, hier wird es als Rendite verkauft. Zusätzliche Werte von sieben bis acht Prozent oder mehr soll man bekommen, wenn man bei der Firma 'Deutsche Reise' regelmäßig Geld einzahlt. So sollen Kunden für ihre nächste Urlaubsreise ansparen können.

Was danach jedoch passieren kann, das hat uns Beatrice Buchholz aus Rügen berichtet: "1.200 Euro unseres eingezahlten Geldes sollen nun nach drei Jahren verfallen." Das habe sie sogar schriftlich mitgeteilt bekommen. Als sie eine Reise buchen wollte, habe ihr die 'Deutsche Reise' mitgeteilt, das Geld dafür bekäme sie zur Buchung aber erst einmal nicht ausgezahlt.

"Wie bitte?", habe ich mich da gefragt. Dass der von mir befürchtete "Haken" so klar folgt, hätte ich nicht erwartet. Zusammen mit Frau Buchholz bin ich zur Zentrale der Firma nach Dortmund gefahren, unangemeldet, damit wir keinem die Gelegenheit geben, diesem Gespräch auszuweichen. Denn über die Hotline der Firma war Beatrice Buchholz nicht weiter gekommen. Inzwischen hat mir auch die Verbraucherzentrale berichtet, bei ihnen ginge alleine in Düsseldorf pro Woche eine Beschwerde über diese Firma und die Reisewertkonten ein.

Als wir dann mit einem Vertreter der Deutschen Reise und des sogenannten Reiseclubs sprechen können, ist er aus meiner Sicht überraschend offen: Ja, man lasse Reisewerte nach drei Jahren verfallen, weil das Urteil dagegen noch nicht rechtskräftig sei. Ja, man zahle bei etwa drei von vier Fällen die Reisewerte erst gegen Reiseantritt aus, auch wenn Urlauber das Geld in der Regel früher brauchen und so vielleicht einen zusätzlichen Kredit über die Reisesumme aufnehmen müssten. So wolle die Firma sicherstellen, dass die Urlauber die Reise nicht doch noch stornieren.

Denn dann würde die Deutsche Reise vom jeweiligen Reiseveranstalter für den von den Kunden gebuchten Trip keine Provision bekommen. Ja, und auch wenn Kunden kündigen würden, bekämen sie ihr eingezahltes Geld nicht rückerstattet. Aber sie könnten die Reisewerte dann ja noch für Reisen einlösen... so sei eben ihr Geschäftsprinzip. Das war unserer Urlauberin aus Rügen im Detail vorher aber nicht klar. Sie habe die Klauseln im Vertrag dazu nicht verstanden.

Für Beatrice Buchholz macht der Firmenvertreter dann aber doch ein Angebot: Für sie und ihre gewünschte Thailand-Reise könne man die Bezahlung jetzt doch direkt regeln. OK, die Firma hat der verzweifelten Urlauberin nun geholfen, die "Karten" auf den Tisch gelegt und Stellung bezogen. Dennoch: für die nächsten Monate ist zu erwarten, dass die Gerichtsurteile gegen den Verfall eingezahlter Gelder rechtskräftig werden. Meine persönliche Meinung: Finger weg von solchen Geschäftsmodellen! Frau Buchholz bringt es auf den Punkt: "Ich kündige und buche künftig wieder über normale Veranstalter." Sie wird den Ausstieg aus dem 'Reiseclub D' der 'Deutsche Reise' nun hoffentlich ohne Verlust eingezahlter Gelder schaffen.