Benkö-Blog: Ersatzhotel? Nein, danke!

12. Februar 2016 - 16:06 Uhr

Geldwerte Tipps im Benkö-Blog

Vertrocknete Palmen, Pools grün vor Algen, Gebäudeteile ausgebrannt - so sieht ein Hotel aus, in das Urlauber nicht einziehen können. Warum erfahren Urlauber von diesen Zuständen aber erst nach der Landung am Urlaubsort, obwohl sie seit Wochen immer schlimmer wurden und das Hotelpersonal seit längerem streikt? Auf die Antwort des Reiseveranstalters war ich sehr gespannt, als ich im Fall 'Stella Canaris' auf Fuerteventura die Vertreter des Unternehmens traf.

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Das Ganze habe sie sehr überrascht, sagte der Chef-Reiseleiter. Sie hätten auf Zusagen der Hoteldirektion vertraut. Für diesen Optimismus müssen jetzt die Urlauber herhalten und in ein Ersatzhotel einziehen?

Stopp! Ab hier können eben auch Urlauber ein Wörtchen mitreden: Grundsätzlich haben Touristen einen Anspruch auf das Hotel, das sie gebucht haben. Eine Unterbringung in einem Ersatzhotel berechtigt zur Kündigung. So urteilte im November 2012 das Landgericht Frankfurt, als ein Ägypten-Urlauber nach vergeblichem Protest vor Ort seinen Reisevertrag kündigte und abreiste, weil sein eigentliches Hotel angeblich "überbucht" sei. Der Veranstalter musste den Kunden dafür finanziell entschädigen. Sollte sich zudem herausstellen, dass der Reiseveranstalter nicht früh genug über die Probleme informiert hat, dann bitten ihn Gerichte höchstwahrscheinlich noch stärker zur Kasse.

Natürlich hofft man als Urlauber auf eine Lösung - darauf, dass der Urlaub vielleicht doch noch gerettet werden kann. Doch was, wenn das Ersatzhotel wirkt, als hätte man es mit Möbeln vom Sperrmüll ausgestattet - wie im Fuerteventura-Fall? Was, wenn man statt gebuchter fünf Sterne plötzlich nur noch drei bekommen soll und in sieben Tagen wegen "Zimmer-Knappheit" zwei oder sogar dreimal umziehen muss, wie gerade von Urlaubern aus Nordzypern gemeldet? Dann kommt irgendwann der Punkt, wo man meiner Meinung nach als Urlauber die Reißleine ziehen sollte.

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Wichtig ist in jedem Fall, vorher unter Zeugen das gebuchte Hotel oder eine vergleichbare Unterkunft eingefordert zu haben. Im Zweifel darf sie auch höherwertig sein und einen Stern mehr haben, bevor Urlauber auf Leistung verzichten müssen.

Oft fordern Reiseleiter für einen Umzug dann einen Aufpreis, weil das Ersatzhotel teurer sei. Stopp! Warum soll ich als Urlauber für einen Fehler des Hoteliers oder des Veranstalters auch noch zur Kasse gebeten werden? Hier wäre meine Empfehlung, dem Reiseleiter gegenüber klar zu stellen, dass man so etwas nicht mit sich machen lässt. Ist das Angebot des Reiseveranstalters unzumutbar, darf man zur Not, nachdem man eine Frist zur Abhilfe gesetzt hatte, auch zur Selbsthilfe greifen und vor Ort auf eigene Faust ein akzeptables Hotel suchen. Doch Vorsicht! Gerichte erkennen meistens nur Kosten für selbst organisierte Ersatzleistungen an, wenn das Ganze angemessen war.

Für die Tatsache, ein anderes als das gebuchte Hotel zu bekommen, kann man innerhalb eines Monats nach Rückkehr aus dem Urlaub Geld zurückfordern, eine sogenannte Reisepreis-Minderung. Sie liegt in vielen solchen Fällen zwischen zehn und 25 Prozent. Bei extremen Abweichungen des Ersatzhotels kann die Rückforderung des Reisepreises auch 40, 60 oder gar 100 Prozent betragen, meistens dann, wenn mit der vom Veranstalter gebotenen Ersatzleistung der eigentliche Urlaubszweck nicht mehr erfüllt werden konnte. Beispiel: das Ersatzhotel für ein gebuchtes Strandhotel liegt weit im Hinterland und hat keinen Pool.

Wenn sich Urlauber entschiedener gegen solche Umbuchungen vor Ort wehren, dann warnen Veranstalter künftig vielleicht früher. Und wer noch zu Hause erfährt, dass er sein gebuchtes Hotel nicht erhält, dem fällt es sicher leichter, sofort umzubuchen. So könnte sich der Urlauber eine Menge Stress ersparen und der Veranstalter eine Menge Fragen zu seiner Glaubwürdigkeit.