Benkö-Blog: Ärger um Glauch-Reisen

12. Februar 2016 - 15:54 Uhr

Chaos am Urlaubsort

Ich habe ja schon viel erlebt, aber das...? Zum Teil kommen Urlauber gerade ohne Vorwarnung am Zielort an und müssen feststellen, dass sie kein Hotel haben. Dabei hatten sie bei Glauch-Reisen doch alles pauschal gebucht und bezahlt. Auf der Hotline kommen sie nicht durch. Ein Reiseleiter zeigt sich nicht. Bisher liegen uns 20 Fälle vor. Mir hat Glauch in der Zwischenzeit eine allgemeine Information zugeschickt. Technische Gründe seien schuld an all dem. Warum berichten Urlauber dann davon, Hotels hätten erklärt, Rechnungen seien nicht bezahlt worden?

Benkö-Blog: Ihr Recht als Tourist
Von wegen Traumurlaub: Darina Nientied hatte nach ihrer Ankunft auf den Kapverdischen Inseln erstmal kein Hotel.

Ivonne und Marcel Mangold haben vor kurzem geheiratet und sind mit Bruder und Freunden zur Hochzeitsreise in die Türkei gestartet. Doch schon kurz nach der Ankunft in Side platzt die Traumreise jäh. "Kein Zimmer", signalisiert das Hotel. Glauch bietet ihnen aber auch keinen Ersatz an. Sie stehen auf der Straße, rufen bei uns an. Es wird dunkel. Sie müssen auf eigene Faust ein Ersatzhotel suchen und aus eigener Tasche bezahlen.

Nachdem ich Glauch das Ganze noch einmal näher bringe, verspricht der Veranstalter aus Viersen, sie suchten nun Zimmer für die Mangolds. Doch auch am Folgetag passiert dann erst einmal nichts. Ivonne und Marcel müssen erneut selbst ein neues Hotel suchen und bezahlen. Zur Erinnerung: Sie hatten bei Glauch eine Pauschalreise gebucht! Erst am zweiten Abend meldet sich Glauch mit einem Hotelvorschlag. Erst am dritten bekommt das Paar jetzt hoffentlich vom Veranstalter ein Hotel.

Ortswechsel - Kapverdische Inseln. Hier ist gerade Darina Nientied gestrandet. Sie hat Ähnliches erlebt: kein Hotel nach der Ankunft. Doch sie hat kaum Bargeld dabei, keine Kreditkarte. Und bei ihr hat Glauch bisher noch keine erkennbare Anstalten gemacht, helfen zu wollen. Darina Nienteid: "Ich habe keinen Glauch-Reiseleiter finden können, Glauch hat sich nicht bei mir gemeldet, ich konnte dort auch keinen erreichen". Darinas Vater hat ihr jetzt Geld auf die Insel überwiesen. Ein anderer unbeteiligter Veranstalter unterstützte sie bei der Hotelsuche.

Das sollten betroffene Urlauber jetzt beachten

Beim nächsten Fall gab es eine Vorwarnung, allerdings eine der besonderen Art. Antonia Lebrato aus Hennef bekam am Spätnachmittag vor Ihrer nächtlichen Abreise von einem Online-Reisebüro die Info: Einen Flug nach Mallorca hätte Glauch für sie, aber kein Hotel. Wenn sie zuzahlten, könne man ihnen eines vermitteln... zuzahlen? Auch sie hatten pauschal bei Glauch gebucht. Sie haben mir eine Videobotschaft gesendet. Doch bevor ich etwas unternehmen konnte, hatten sie schon selbst für rund 2.200 Euro ein Ersatzhotel gebucht. Die ganze Glauch-Pauschalreise hatte nur rund 2.350 Euro gekostet. Ich hoffe, dass sie ihre Mehrkosten jetzt erstattet bekommen. Sie wollten den gebuchten Urlaub eben unter keinen Umständen verlieren.

Was ist hier los? Auf unsere Fragen an Glauch-Reisen nach den genauen Gründen für das Chaos und nach den nun ergriffenen Maßnahmen bekamen wir bisher keine zufriedenstellende Antwort. Telefonisch war keiner zu erreichen. Ich verstehe nicht, was es für einen Sinn macht, diese Informationen zurück zu halten. Es gibt bisher nur ein allgemeines Statement des Geschäftsführers Stefan Glauch per Mail, in dem er auf technische Gründe verweist und das Stornieren gewisser Reisen ankündigt, weil Buchungen nicht übermittelt worden seien. Die Insolvenzversicherung des Veranstalters hat schon mehrere Anfragen bekommen, sie wisse derzeit aber auch nicht mehr, erklärte die Presseabteilung.

Ab Montag, den 9.9.2013, soll laut Glauch der Normalbetrieb wieder starten. Die Frage dürfte nur sein, ob das klappt und wie viel Vertrauen durch dieses Chaos bereits verloren gegangen ist. Allen Glauch-Urlaubern, die in den kommenden Tagen/Wochen eine Reise gebucht haben, würde ich raten, den Veranstalter um eine schriftliche Bestätigung der Reise zu bitten. Mein Tipp: Lassen Sie sich vor Abreise nicht unter Druck setzen, zu hohen Preisen Ersatzhotels zu buchen und die Reisen auf eigene Faust zu "reparieren", nur weil Sie verbleibende Flüge nutzen müssten.

Denn dann wäre fraglich, ob Sie die gesamten Mehrkosten später auch erstattet bekommen. In der Regel wäre im Falle einer Insolvenz nur der Reisepreis versichert. Mehrkosten übernehmen Versicherer dann erfahrungsgemäß nur in Ausnahmefällen. Und klar ist eines: eine Pauschalreise mit ausgefallener Hotelleistung muss niemand antreten. In diesem Fall hat man nach gängiger Rechtsprechung ein sofortiges Kündigungsrecht, wegen fehlender Leistungsbereitschaft. Sogar Schadenersatz könnte man vom Veranstalter verlangen.

UPDATE FREITAG, 6.9.13:

Der Glauch-Reisen-Chef appelliert in einem Offenen Brief an die Reisebranche ihm zu helfen. Sonst könnten 20.000 Urlauber betroffen sein. Wenn keine Rettung komme, müsse er am nächsten Montag, 9.9., "den schweren Weg zum Insolvenzverwalter" gehen. Schuld sei aus seiner Sicht eine Agentur aus den Urlaubsgebieten, die ihnen nach einer "verzögerten Vorauszahlung" gleich alle Reisenden seit Montag storniert hätte..

UPDATE DIENSTAG, 10.9.13:

Diese Zeilen des Glauch-Geschäftsführers erreichten mich heute:

"Hallo Herr Benkö, wir stehen immer noch in Gesprächen bzw. Verhandlungen Glauch zu retten.

Die R+V Versicherung hat für die nächsten 4 Tage (heute bis Freitag) die Kosten für die Hotels, Transfers bei allen Reisen übernommen und die Zielgebietsagenturen gestern Nachmittag informiert. Mehr konnten wir von unserer Seite im Moment nicht tun."

Auf unsere Nachfrage hat die R&V Versicherung (der Insolvenzversicherer) die Kostenübernahme allerdings nicht bestätigt. Auch seltsam: heute sind wieder Hilferufe von Urlaubern ohne Hotel und Transfer eingegangen. Wie lange soll das Drama noch weitergehen?, frage ich mich. Der Chef der beschuldigten Agentur hat die Vorwürfe des Glauch-Geschäftsführers übrigens zurückgewiesen und rechtliche Schritte angekündigt. Meiner Meinung nach wird die ganze Angelegenheit mittlerweile wirklich ein Fall für den Richter.

UPDATE DONNERSTAG, 12.9.13:

Nach Aussage der Sprecherin des Amtsgerichts Mönchengladbach hat Glauch-Reisen heute früh Insolvenzantrag gestellt. Das macht es für Urlauber jetzt möglich, Forderungen an den Insolvenzversicherer R&V zu stellen. Die Versicherung hat uns gerade durchgegeben:

"R+V steht als Insolvenzversicherer von Glauch Reisen bereit und wird die betroffenen Kunden, die Pauschalreisen bei Glauch gebucht haben, bestmöglich unterstützen. Wie viele Buchungen bzw. Kunden insgesamt betroffen sind, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Schwerpunktmäßig sind aber Buchungen in die Länder Türkei, Griechenland, Bulgarien und Marokko betroffen. Laut Glauch sind jedoch alle gebuchten Flüge bezahlt, so dass eine Rückreise nach Deutschland in diesen Fällen wie geplant möglich ist.

Reisenden, die in ihrem gebuchten Hotel vor Ort aufgrund der Insolvenz kein Zimmer erhalten, raten wir, den Betrag für das Zimmer vorzustrecken. Falls dies nicht möglich ist, sollte der Reisende versuchen, ein Zimmer in einem anderen Hotel vor Ort zu buchen. Nach der Rückkehr können die Reisenden die entsprechenden Hotelkosten bei R+V einreichen.

Für betroffene Glauch-Kunden haben wir eine Information vorbereitet, die auf der Glauch-Homepage veröffentlicht werden soll (siehe Anhang). Darin sind auch Tipps, wie sich Kunden verhalten sollen, die die Reise noch nicht angetreten haben. Zudem können sich betroffene Glauch-Kunden beim R+V-Kundenservice über die Rufnummer 0611 / 533-5859 melden."