Islamist soll Sohn von Drogenboss entführt haben

Junge (13) nach 42 Tagen wieder frei - 6 Festnahmen in Belgien

Fußball Nationalteam Belgien Polizei sichert das Training in Brüssel BRUSSELS BELGIUM Illustr
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© imago/Belga, imago sportfotodienst

02. Juni 2020 - 16:24 Uhr

Sechs Festnahmen nach Entführung in Belgien

Ein 13-jähriger Junge ist in Belgien von schwer bewaffneten Kriminellen aus seinem Elternhaus entführt und erst nach 42 Tagen Geiselhaft wieder freigelassen worden. Die belgische Bundespolizei machte den Fall am Montag bekannt. Nun wurden sechs Personen festgenommen. 

Entführer sollen 5 Millionen Euro Lösegeld gefordert haben

Das Kind sei am Sonntagabend freigekommen und wohlauf, teilte die Polizei mit. Bei Razzien an mehreren Orten seien dann sechs Verdächtige festgenommen worden. Ein siebter wurde unter Auflagen freigelassen, wie die Nachrichtenagentur Belga am frühen Dienstagmorgen meldete. Was hinter dem Fall steckt, ist immer noch nebulös. Belgische Medien spekulierten über eine Tat im Drogenmilieu. Die Entführer sollen fünf Millionen Euro Lösegeld gefordert haben.

Der Vater und der Onkel des 13-jährigen seien wegen internationalen Drogenhandels zu sechs beziehungsweise 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden, meldete Belga. Im Laufe des Prozesses sei bekannt geworden, dass die mit der Familie in Verbindung gebrachte Verbrecherorganisation 30 Millionen Euro Gewinne eingestrichen habe. Das soll die Entführer zu ihrer Lösegeldforderung angestachelt haben.

Kind wurde unversehrt freigelassen

Offiziell schilderte die Bundespolizei den Fall so: In der Nacht vom 20. auf den 21. April seien schwer bewaffnete und maskierte Gewalttäter in das Zuhause der Familie im ostbelgischen Genk eingedrungen und hätten den 13-Jährigen verschleppt. Während der 42 Tage der Geiselnahme habe es immer wieder Kontakte zwischen den Entführern und der Familie gegeben. Es sei Lösegeld gefordert worden. Zwei Mal hätten die Entführer Lebenszeichen des Kindes geschickt.

Nach intensiven Ermittlungen seien mehrere Verdächtige identifiziert worden, teilte die Polizei weiter mit. Das Kind sei schließlich in der Nacht zum 1. Juni unversehrt freigelassen worden. Acht Durchsuchungen hätten in der Provinz Limburg und vier weitere in Antwerpen stattgefunden.

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Entführer soll bekannter Islamist sein

Nach Informationen des Senders VRT und der Zeitung "Het Belang van Limburg" soll unter den Festgenommenen Khalid B. sein, ein islamistischer Extremist und verurteilter Syrien-Kämpfer. Der 45-jährige ist einer der am strengsten beobachteten Islamisten Belgiens. Er hat bereits eine Verurteilung wegen der Rekrutierung von Kämpfern für die Terrororganisation Islamischer Staat in Syrien.

Polizeichef Eric Snoeck lobte den Ermittlungserfolg seiner Behörde mitten in der Corona-Krise. Die Beamten hätten unter oft sehr schwierigen Umständen aktiv und diskret ermittelt. Er sei stolz auf den täglichen Kampf seiner Mitarbeiter gegen das organisierte Verbrechen und den Terrorismus. In dem Fall arbeiteten die Ermittler nach offiziellen Angaben auch mit Polizei und Justiz in den Niederlanden, Frankreich und den Vereinigten Staaten zusammen.