Tod von Anthoine Hubert überschattet Belgien-GP

Charles Leclerc gewinnt in Trauerflor sein erstes Formel-1-Rennen

03. September 2019 - 16:07 Uhr

Leclerc widmet Sieg Freund Hubert

Es war ein Sieg für seinen guten Freund Anthoine Hubert: Ferrari-Youngster Charles Leclerc rast beim Formel-1-Klassiker in Spa-Francorchamps zu seinem ersten Sieg in der Königsklasse. Wirklich freuen konnte sich der 21-Jährige darüber nicht - angesichts des Todes von Hubert beim Hauptrennen der Formel 2 keine 24 Stunden zuvor. "Es ist schwer, so ein Wochenende zu genießen. Trotzdem wird ein Traum wahr", sagte Leclerc und widmete den Erfolg Hubert: "Dieser Sieg ist für Anthoine."

Sebastian Vettel verpasst das Podium

Leclerc verwies mit einer fehlerfreien Leistung WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton und dessen Mercedes-Stallgefährten Valtteri Bottas auf die weiteren Plätze und erlöste damit zugleich sein Ferrari-Team: Die Roten durften sich über den ersten Saisonsieg freuen.

Für Leclercs hochdekorierten deutschen Teamkollegen Vettel begann die zweite Saisonhälfte dagegen mit einer weiteren schweren Enttäuschung. Von Startplatz 2 war für den 32-Jährigen am Ende nicht mehr als Rang 4 drin. Mit der schnellsten Rennrunde sicherte er sich zumindest noch einen Extrapunkt.

Nico Hülkenberg sammelte als Achter noch vier WM-Punkte für das Renault-Team, das ihn am Ende der Saison vor die Tür setzen wird. Sein Stallgefährte Daniel Ricciardo ging als 14. dagegen leer aus.

Charles Leclerc über seine Gefühle nach dem Sieg in Spa

Gedenken an Anthoine Hubert

Ein normales Rennen war ein Tag nach dem Tod Huberts nicht möglich: Vor dem Start gedachten Fahrer, Teams und alle rund um die Strecke mit einer Schweigeminute dem verunglückten 22-Jährigen. Fast alle Piloten trugen eine schwarze Armbinde. Die Boliden zierte ein Logo in den Nationalfarben Frankreichs mit der Aufschrift "Racing for Anthoine", daneben war ein Stern sowie eine 19, die Startnummer Huberts, zu sehen.

Die Verantwortlichen der Formel 1 sahen sich verpflichtet, die Durchführung des Belgien-GP zu rechtfertigen: "Heute fahren wir ein Rennen. Wir machen das mit schweren Herzen und tragen die Erinnerung an Anthoine in uns. Genau wie für Anthoine, ist Racing unsere Passion und unser Traum. Es definiert uns. Also fahren wir heute für Anthoine. Heute und für immer werden wir ihn ehren", hieß es wenige Stunden vor dem Start auf dem offiziellen Twitter-Account.

Die Highlights des Rennens

​Rund 1/Start: Während Pole-Mann Leclerc souverän die Führung verteidigt, kommt Vettel von Startposition 2 nicht in die Gänge und wird noch vor der ersten Kurve von Hamilton ausbeschleunigt.

Dahinter kracht es zwischen Räikkönen und Verstappen, der beim Start fast stehengeblieben ist und in Kurve 1 etwas zu übermotiviert zu Werke geht: Der Holländer fährt seitlich in den Alfa Romeo von Räikkönen und ruiniert sich dabei die linke Vorderradaufhängung – die bricht einige hundert Meter weiter in der berüchtigten Kurve Eau Rouge. Verstappens Rennen endet, ehe es begonnen hat, in der Streckenbegrenzung.

Auf der langen Geraden hinauf nach Le Combes nutzt Vettel die höhere Spitzengeschwindigkeit seines Ferrari und den Windschatten von Hamilton, um sich Platz 2 zurückzuholen. Kurz darauf schickt die Rennleitung wegen des Verstappen-Unfalls das Safety-Car auf die Strecke.

Runde 2: Räikkönen muss sich an der Box eine neue Nase holen und fällt auf den letzten Platz zurück.

Runde 3: Carlos Sainz rollt mit seinem McLaren aus – das Safety-Car, das eigentlich nach dieser Runde das Rennen wieder freigeben sollte, bleibt einen weiteren Umlauf auf der Strecke.

Die Tops und Flops des Belgien-GP

Vettel gerät schnell in Not

Runde 5: Beim fliegenden Neustart verbremst sich Vettel vor der ersten Kurve nach Start-/Ziel – die Folge: Statt auf der langen Geraden hinter Eau Rouge einen Angriff auf seinen führenden Teamkollegen Leclerc reiten zu können, muss er seine Position gegen Hamilton verteidigen. Vettel bleibt Zweiter.

Runde 9: Leclerc verbremst sich bei der Anfahrt auf die Schikane vor Start-/Ziel und fährt geradeaus über die Wiese auf die Strecke zurück. Die Rennleitung meldet einige Runden später, dass sie diesen Vorfall untersucht.

Runde 11: Während sich Leclerc an der Spitze Runde um Runde absetzt, bekommt Vettel Reifenprobleme. Hamilton kämpft sich ins DRS-Fenster des Deutschen – der kann seinen Platz aber auch gegen einen Mercedes mit geöffnetem DRS-Flügel verteidigen.

Verstappen analysiert seinen Kurzauftritt

Vettel überholt Leclerc per Undercut

Runde 16: Überraschend kommt Vettel - und nicht Teamkollege Leclerc als Führender - als erster des Spitzentrios zum Boxenstopp. Der Ferrari-Mann wechselt von Softreifen auf Mediumpneus und sortiert sich auf Position 4 wieder ins Feld ein.

Runde 19: Gänsehautmoment. Zum Gedenken an Victor Hubert stehen alle Zuschauer rund um die Strecke auf und zollen dem tödlich verunglückten Nachwuchspiloten Tribut – Hubert war in der Formel 2 mit der Nummer 19 gestartet.

Runde 22: Leclerc biegt zum Reifenservice in die Boxengasse ab, bekommt nach Soft- nun ebenfalls Mediumgummis montiert. Doch durch den im Vergleich zu Vettel späten Stopp fällt der Monegasse hinter seinen Teamkollegen zurück – das was ein klassischer Undercut von Vettel.

Berührende Aktion für Anthoine Hubert

Vettel muss Leclerc kampflos vorbeiwinken

Runde 23: Hamilton holt sich ebenfalls neue Schlappen, auf Medium kehrt her hinter Vettel und Leclerc auf die Strecke zurück. Einen Umlauf später wechselt auch der zweite Mercedes-Mann,  Bottas, von den weichen auf die mittelharten Reifen.

Runde 24: In Riesenschritten kommt Leclerc auf seinen neuen Reifen Teamkollege Vettel näher.

Runde 27: Nach Aufforderung der Ferrari-Kommandobox lässt Vettel Leclerc auf der Start- und Zielgeraden passieren – damit liegt der Monegasse wieder in Front.

Vettel : "Habe mich schwergetan"

Hamilton schnappt sich Vettel

Runde 29: Vettels Reifen lassen schon wieder nach, der Ferrari-Pilot beginnt zu rutschen – von hinten nähert sich unaufhaltsam Hamilton. Ein Fehler des Briten vor der letzten Schikane beschert Vettel wieder ein klein wenig Luft.

Runde 31: Hamilton ist zurück im DRS-Fenster von Vettel – aber auf der langen Gerade hinauf nach Les Combes reicht es noch nicht. Auch den nächsten Angriff des Briten vor der letzten Schikane kann Vettel abwehren.

Runde 32: Vettel kann sich in der DRS-Zone nicht mehr wehren und muss Hamilton Platz 2 überlassen – Leclerc hat zu diesem Zeitpunkt knapp 7 Sekunden Vorsprung vor dem Mercedes-Mann.

Die Mercedes-Piloten am RTL-Mikrofon

Vettel muss noch einmal stoppen

Runde 33: Bottas taucht im Rückspiegel von Vettel auf und macht Druck auf den Ferrari-Piloten.

Runde 34: Ferrari erlöst Vettel: Der 32-Jährige darf noch einmal an die Box ansteuern und wird mit frischen, schnellen Softreifen auf die letzten zehn Runden geschickt. Als Vierter hat Vettel knapp 20 Sekunden Rückstand auf einen Podestplatz.

Runde 36: Vettel fährt die schnellste Rennrunde (1:46,409 Minute) - aber im Vergleich zu Bottas ist er nur 7 Zehntel schneller.

Hülkenberg: Richtige Strategie

Heftiger Abflug von Giovinazzi in der letzten Runde

Runde 39: Fünf Umläufe vor Schluss hat Vettel noch immer einen Rückstand von mehr als 16 Sekunden auf Platz 3. Leclercs Vorsprung auf Hamilton ist knapp 4 Sekunden eingeschmolzen.

Runde 44: Zum Schluss wird es nocheinmal hektisch: Im Abstand von nur 1,2 Sekunden nehmen Leclerc und Hamilton die letzte Runde unter die Räder. Hamilton wittert seine Chance und macht mächtig Druck. Doch ein heftiger Abflug von Alfa-Pilot Antonio Giovinazzi kommt dem Briten dazwischen. Leclerc retten seinen Vorsprung und damit seinen ersten Sieg in der Königsklasse über die Ziellinie - auf der zeitgleich Landon Norris mit seinem McLaren stehen bleibt. Der Brite rutscht damit noch aus den Punkterängen.

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