Sie soll in einem Kleinlaster von maskierten Männern weggefahren worden sein

Belarussische Oppositionspolitikerin Kolesnikowa von Unbekannten verschleppt

Oppositionelle Kolesnikowa gründet in Minsk neue Partei
© dpa, Ulf Mauder, sab pat

07. September 2020 - 15:26 Uhr

In der Innenstadt von Minsk

Die belarussische Oppositionsführerin Maria Kolesnikowa ist laut einer Medienplattform von Unbekannten verschleppt worden. Sie sei im Zentrum von Minsk von maskierten Männern in einem Kleinlaster weggefahren worden, berichtete die Website Tut.By am Montag unter Berufung auf eine Augenzeugin. Der Nachrichtenagentur Interfax zufolge wies die Polizei eine Beteiligung zurück. Kolesnikowa hielt sich als letzte von drei Oppositionsführerinnen, die sich zur Präsidentenwahl zusammengeschlossen hatten, noch in Belarus auf.

Bei landesweiten Portesten wurden über 600 Menschen festgenommen

Verbündete von Kolesnikowa kündigten an, den Bericht über ihre Entführung zu prüfen. Auch einige ihrer Mitarbeiter seien nicht zu erreichen. Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja sprach von einem Versuch, die Opposition einzuschüchtern. Kolesnikowa spielt eine Schlüsselrolle bei den jüngsten Protesten gegen den Ausgang der Wahl vom 9. August. Ihre beiden Mitstreiterinnen haben das Land verlassen: Mitte August reiste Tichanowskaja nach Litauen, ihre Vertraute Olga Kowalkowa Anfang September nach Polen. Die Ausreisen fanden vor dem Hintergrund des Vorgehens der Polizei gegen die Demonstranten statt. So gab das Innenministerium 633 weitere Festnahmen am Sonntag bekannt, als Tausende gegen die Regierung auf die Straße gegangen waren.

Unser Reporter Peter Leontjew ist in Minsk und hat Maria Kolesnikowa auch schon persönlich getroffen. Seine Einschätzung zur Situation im Video.

Özdemir fordert härteren Umgang der Bundesregierung mit Lukaschenko

Grünen-Politiker Cem Özdemir forderte eine härtere Gangart gegen die Regierung in Belarus. "Es ist höchste Zeit für einen härteren Umgang der Bundesregierung mit Diktatoren wie Lukaschenko und seinem Schutzpatron Putin", sagte Özdemir der 'Bild'-Zeitung. Staatschef Alexander Lukaschenko gehe "den typischen Weg eines Diktators, der einfach nicht begreift, dass seine Zeit abgelaufen ist."

Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenrechte und humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Brand sagte: "Maria Kolesnikowas Verschwinden ist besorgniserregend. Augenzeugen berichten von einer Entführung auf offener Straße. Wir verlangen daher ihre sofortige Freilassung. Die belarussische Regierung sowie die Sicherheitsbehörden des Landes sind nachdrücklich aufgefordert, den Aufenthaltsort der Oppositionspolitikerin umgehend auszumachen und dafür zu sorgen, dass sie unversehrt freigelassen wird."

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