Beim Pressetraining: Tyson Fury trällert Wladimir Klitschko ein Ständchen

26. November 2015 - 13:02 Uhr

Öffentliches Training in der Abflughalle C des International Airports Düsseldorf. Um Punkt 12 Uhr betritt zunächst Herausforderer Tyson Fury gemeinsam mit seinem Onkel und Trainer Peter Fury den Ring. Der Oberkörper verbirgt sich unter einem T-Shirt - keine Chance also, genauer hinzuschauen, wie durchtrainiert Fury tatsächlich ist.

Tyson Fury, Wladimir Klitschko
Tyson Fury hat Wladimir Klitschko beim Pressetraining ein Ständchen geträllert.
© imago/Moritz Müller, imago sportfotodienst

Aber auch so ist offensichtlich: Der Brite hat in den letzten Monaten deutlich an Gewicht verloren, angeblich 32 Kilo seit Juli, als er sich bei der 1. Pressekonferenz in Düsseldorf noch recht füllig präsentierte. Auffällig: die weiß-gelben Boxschuhe, die schon ein wenig gebraucht aussehen. Tatsächlich, so erklärt er später, habe er diese 2010 von Klitschkos damaligem Trainer Emanuel Steward bekommen. Er fühle sich besonders schnell und beweglich darin und habe noch kein einziges Mal damit verloren.

Auch beim Pratzentraining lässt er sich nicht in die Karten schauen, eher uninspiriert fliegen ab und an die Fäuste, immer wieder unterbrochen durch kleine Tanzeinlagen. Doch als die müde Trainings-Session beendet ist, blüht Fury plötzlich auf. Mit fester Stimme bringt er seinem Gegner Klitschko, der unten am Ring zuschaut, ein Ständchen, das er eigens am Morgen für ihn, seinen Trainer Johnathon Banks und seinen Manager Bernd Bönte komponiert hat:

Es muss kalt in meinen Schatten gewesen sein,

niemals Sonnenlicht auf deinem Gesicht zu haben.

Ein schönes Gesicht ohne ein Lächeln, seit langem,

ein schönes Gesicht, um den Schmerz zu verstecken.

Du bist also derjenige mit all dem Ruhm,

ich bin derjenige mit all der Stärke.

Du bist seit langem der Wind unter meinen Flügeln,

denn ich bin derjenige mit all dem neuen Ruhm.

Und ich werde derjenige mit all den Gürteln sein.

Kltschko: Fury ist "sehr spannend, sehr interessant"

"Eigentlich war mein Gesang schrecklich", sagt Fury im RTL-Interview, "aber ich habe das heute Morgen komponiert. Am Samstag, wenn ich vor all diesen Leuten einlaufe, weiß ich, dass 99,9 Prozent erwarten, dass ich gegen den großen Wladimir 'Steelhammer' verlieren werde. Ich weiß, dass Wladimir sich Sorgen macht vor diesem Kampf. Und wenn ich mir den Blick seines Trainers ansehe, ist er auch besorgt. Wladimir ist der leichteste Gegner, den ich mir vorstellen kann. Samstagnacht werden die Düsseldorfer, die Deutschen und die ganze Welt mit mir feiern, weil Tyson Fury seine Ziele erreichen und der unumstrittene Champion werden wird."

Anschließend absolviert Wladimir Klitschko sein öffentliches Training - gewohnt fokussiert, gewohnt intensiv: 4 Runden Pratzentraining, sehr beweglich, sehr bedacht auf flinke Beine. Nach getaner Arbeit ist es ihm ein Anliegen, für den Standort Hamburg bei den Olympischen Spielen 2024 zu werben. Mit seiner Goldmedaille von den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta um den Hals, fordert er die Hamburger Bürger auf, beim Referendum am Sonntag für eine entsprechende Bewerbung der Hansestadt zu stimmen.

Im RTL-Interview geht er dann noch einmal auf die Gesangseinlage seines Herausforderers ein: "Ich bin eigentlich sehr froh, so einen Gegner wie Tyson Fury zu haben. Er ist sehr unterhaltsam, sehr spannend, sehr interessant. Und ich habe auch noch nie einen selbstbewussteren Boxer als ihn gesehen. Doch er singt besser, als er boxt. Es geht nicht nur darum, viel zu reden, sondern am Ende des Tages zählt die Leistung im Ring."

Und zur körperlichen Fitness seines Gegners merkt er noch an: "Er hat unglaublich abgenommen, ist sehr flexibel und locker, was für einen Boxer ganz gut ist. Aber ich glaube, dass er hinter seiner Fassade mittlerweile genau weiß, dass es am Samstag im Ring ganz ernst für ihn werden wird. Ich habe beim Training in seiner Mine genau gesehen, dass ihn die Realität langsam einholt."