Polizei ermittelt

Bei RTL-Recherche im Clan-Milieu! Attacke auf Reporter

Symbolfoto
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© dpa, Carsten Rehder, reh fdt ve kno

09. Juli 2020 - 21:25 Uhr

Im Visier der kriminellen Großfamilie

Es sollten Recherchen zu einem kriminellen Clan werden, der ältere Menschen abzockte. Dann wurden die Reporter selbst zur Zielscheibe der Großfamilie.

"Beide Angreifer sind bereits bei der Polizei bekannt "

"Razzia am Mittwoch. So operierte die kriminelle Großfamilie von Köln aus", titelte der Stadtanzeiger am Mittwoch, den 24. Juni, und berichtete über Durchsuchungen in 16 Immobilien. Sechs Clan-Mitglieder wurden verhaftet, fünf Immobilien im Wert von 2,4 Millionen Euro beschlagnahmt, dazu Luxusautos, Uhren, Bargeld.

Ein RTL-Team nahm daraufhin Recherchen zu dem kriminellen Clan auf, der nach Erkenntnissen der Ermittler überwiegend ältere Menschen durch Wohnungseinbrüche um ihre Ersparnisse gebracht hat und Sozialleistungen abgezockt hat.

Am Dienstag, den 7. Juli, filmte das RTL-Team auf der Rastatter Straße im Kölner Stadtteil Ostheim. Plötzlich blockierte ein Mercedes gegen 14 Uhr die Ausfahrt der Straße und hinderte die Reporter daran, wegzufahren. Das RTL-Team verständigte die Polizei, die sofort einschritt.

"Eine 28 Jahre alte Frau sowie eine 25 Jahre alter Mann sollen ausgestiegen sein und das Fahrzeug des Senders mit Schlägen und Tritten beschädigt haben", erklärt ein Polizeisprecher. "Die genauen Hintergründe des Angriffs sind Gegenstand noch laufender Ermittlungen der Polizei Köln. Beide Angreifer sind bereits bei der Polizei bekannt und dem persönlichen Umfeld der Personen zuzurechnen, die am 24. Juni Adressaten der Durchsuchungen waren."

Statement zum Video: Angriff auf das Fahrzeug eines RTL-Teams

Im Internet kursiert zurzeit ein Video, das ein RTL-Team beim Dreh im Zusammenhang mit kriminellen Aktivitäten von Mitgliedern einer Großfamilie zeigt. Ein quergestellter Wagen hindert das Team an der Weiterfahrt, gleichzeitig attackieren Personen das im Auto sitzende Team verbal. Schließlich greifen sie auch das Fahrzeug selber an. (Der Vorgang war Gegenstand einer Pressemitteilung der Polizei Köln vom 8. Juli, es wird u.a. wegen Nötigung im Straßenverkehr und Sachbeschädigung ermittelt.)

Ein Szene-Aussteiger, der für die Filmaufnahmen ebenfalls im Auto des Drehteams sitzt, ist dabei zu hören, wie er pauschal herabwürdigende Aussagen gegenüber der Minderheit der Sinti und Roma macht. Diese Äußerungen sind inakzeptabel, die Redaktion distanziert sich aufs Schärfste davon und drückt ihr tiefes Bedauern aus.

Zu einem späteren Zeitpunkt ist ein Mitglied des RTL-Teams zu hören, das einen despektierlichen Ausdruck in Bezug auf Polizeibeamte verwendet. Dieser Ausdruck fällt in der aufgeladenen Situation, in der ein Mann gerade den linken Seitenspiegel des Fahrzeugs abgetreten hat, zwei Notrufe abgesetzt wurden und immer mehr Personen aus dem Umfeld des Clans auf das Auto zugehen. Selbst dies rechtfertigt jedoch nicht das verwendete Vokabular, weswegen die Redaktion und das Team selber die Polizei ausdrücklich um Entschuldigung bitten.