Bei Ersttätern: Richter stellte Angeklagte vor die Wahl – Gefängnis oder Alternativstrafe

03. Juni 2015 - 16:15 Uhr

Auge um Auge, Zahn um Zahn

'Wie du mir, so ich dir', so ähnlich urteilt ein amerikanischer Richter aus Ohio. Für eine Pfefferspray-Attacke gegen einen Restaurant-Mitarbeiter darf die Täterin vor Gericht zwischen zwei Strafmöglichkeiten wählen: entweder sie geht für 30 Tage ins Gefängnis oder sie lässt im Gegenzug eine Pfefferspray-Attacke des Opfers über sich ergehen. Die Frau wählt die zweite Lösung, ohne dabei zu wissen, dass das Opfer sie nicht mit richtigem Pfefferspray, sondern mit einer harmlosen Wasser-Salzlösung ansprühen wird.

Michael Cicconetti
Der umstrittene US-Anwalt Michael Cicconetti. Laut Medienberichten sollen auch andere Richter in Amerika sein Strafverfahren übernommen haben.
© picture alliance / ASSOCIATED PR, TONY DEJAK

Richter Michael Cicconetti hatte schon immer kreative Ideen, um 'seine' Täter vor Gericht abzuschrecken und in gewisser Weise auch zu demütigen, indem sie ihre Tat am eigenen Leib spüren müssen, wenn sie denn wollen. Kein Täter ist gezwungen diese besondere Art der Strafe anzunehmen sondern kann auch den formal-juristischen Weg wählen und in die Zelle wandern.

Eine andere Täterin, die eine Taxirechnung geprellt hatte, konnte zwischen 60 Tagen Gefängnis oder einem Fußmarsch von knapp 50 Kilometern (30 Meilen) wählen, genau die Kilometeranzahl, die sie ohne Bezahlung mit dem Taxi gefahren war. Sie wählte den Fußmarsch, für den sie, ausgestattet mit einem GPS-Sender, zwei Tage Zeit hatte. Zudem musste sie dem Taxifahrer 100 Euro zahlen und ist vier Monate auf Bewährung. Ein Jugendlicher, der wegen zu lauter Musik angeklagt wurde, saß seine Strafe ganz alleine im stillen Wald ab. Ein betrunkener Autofahrer war zur Abschreckung zu Besuch in einer Leichenhalle, um sich dort Opfer von Autounfällen anzuschauen.

Pranger-System in Deutschland undenkbar

In Deutschland ist solch ein Pranger-System seit dem Mittelalter abgeschafft. "Ich kann natürlich sagen, der Sinn und Zweck ist, jedwede weitere Straftat zu verhindern, dann müsste man aber folgerichtig jedem Kaufhausdieb die Hände abhacken, oder wenn er mit Prothesen arbeitet, die ganzen Arme. […] Das ist undenkbar in Deutschland", sagt Rechtsanwalt Uwe H. Krechel.

Auch andere deutsche Bürger stehen diesen Alternativstrafen eher kritisch gegenüber. Die Strafen seien "unverhältnismäßig" und Ordnung müsse sein. Andere sagen hingegen, sie könnten sich gut vorstellen, dass diese Art der Strafe die Täter zum Nachdenken anrege. Und tatsächlich gibt der umstrittene Richter an, dass 90 Prozent seiner verurteilten Täter, die die Alternativstrafe angenommen hatten, nicht rückfällig geworden wären. Rückfällig würden laut Zahlen eher diejenigen, die ihre Strafe im Gefängnis absitzen.

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