Wurde so Schlimmeres verhindert?

Bei Attentat auf Synagoge verletzter Rabbi: "Die Waffe des Täters klemmte"

29. April 2019 - 9:18 Uhr

Rabbi Israel Goldstein verlor zwei Finger bei dem Attentat in Poway

An einem der für Juden heiligsten Tage des Jahres, dem letzten Tag des Pessach-Festes, gab es eine tödliche Attacke auf eine Synagoge in Poway in der Nähe von San Diego in den USA. Und das auf den Tag genau sechs Monate nach dem Attentat auf ein jüdisches Gotteshaus in Pittsburgh. Eine Frau wurde getötet, drei weitere Menschen verletzt. Darunter ein achtjähriges Kind. Rabbi Israel Goldstein verlor bei dem Angriff zwei seiner Finger. In einem Interview erzählt er, dass die Tatwaffe wohl klemmte – und der Attentäter deshalb flüchtete. Vermutlich wurde so Schlimmeres verhindert. Wie der Rabbi das Attentat erlebte, schildert er im Video.

Mutmaßlicher Täter John Earnest soll vorher Hass-Brief im Internet veröffentlicht haben

Der mutmaßliche Täter John T. Earnest (19) soll aus Hass gehandelt haben.
© privat

Der mutmaßliche Täter, der 19-jährige Student John T. Earnest, soll seine Tat vorher im Internet angekündigt haben. Laut CNN wurde auf dem Portal 8chan im Namen des Studenten ein antisemitischer und rassistischer Hass-Brief veröffentlicht. Im Brief wird auch Bezug auf die Attacke auf Moscheen in Christchurch und auf das Attentat auf die Synagoge in Pittsburgh genommen. Außerdem bekennt sich der Verfasser des Briefs auch zu einer Brandstiftung in einer Moschee vor einigen Wochen.

Auch der Attentäter von Christchurch, Brenton Tarrant, postete einen sehr ähnlichen Brief auf dem Portal 8chan. Die Behörden überprüfen derzeit die Echtheit des Briefes von San Diego. John T. Earnest wurde kurz nach dem Angriff festgenommen und sitzt wegen des Verdachts des Mordes und des dreifachen versuchten Mordes in Untersuchungshaft.

Getötete Frau soll sich zwischen den Täter und den Rabbi geworfen haben

Rabbi: "Waffe des Täters klemmte"
© privat, Audrey Jacobs

Lori Gilbert-Kaye (60), die getötete Frau, war in der Synagoge, um ihrer vor Kurzem verstorbenen Mutter Respekt zu zollen. Laut Rabbi Israel Goldstein starb sie, weil sie sich zwischen ihn und den Attentäter warf. "Nach meiner Interpretation starb Lori für uns alle. Sie hat uns beschützt", sagte der Rabbi bei einer Pressekonferenz.

Die Gläubigen in der Synagoge hatten außerdem wohl Glück im Unglück. Laut Rabbi Goldstein klemmte die Waffe des Täters nach einigen Schüssen - woraufhin er aus dem jüdischen Gotteshaus flüchtete. Womöglich wurde so Schlimmeres verhindert.

Familie des verletzten Mädchens floh erst vor wenigen Jahren aus Israel vor Raketen

Noya Dahan (8) wurde bei dem Attentat im Gesicht und am Bein verletzt.
© privat, Aharon Peretz,

Die beiden anderen Opfer, Noya Dahan (8) und ihr Onkel Almog Peretz, kamen mit leichten Verletzungen davon. Erst vor ein paar Jahren war die Familie des Mädchens aus Israel nach San Diego gezogen – um der Gewalt und den Raketen am Rande des Gaza-Streifens zu entkommen. Ob sich die Familie auch weiterhin sicher fühlt in den USA, ist fraglich. "Warum bleiben wir hier?" habe eins seiner Kinder ihn nach dem Attentat gefragt, so der Vater des verletzten Mädchens.