Verbraucherschützer warnen vor Betrügern

Deshalb sollten Sie die Jahreszahl 2020 niemals abkürzen

Die Jahreszahl 2020 sollte in offiziellen Dokumenten nie abgekürzt werden - sicher ist sicher.
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10. Januar 2020 - 16:14 Uhr

US-Behörden empfehlen: Jahreszahl immer ausschreiben

Die 10er-Jahre sind Geschichte, und jetzt brauchen wir gefühlt wieder mindestens drei Monate, um in unseren Notizen und offiziellen Dokumenten nicht mehr die Jahreszahl 2019 einzutragen, sondern 2020. Wenn wir die richtigen Ziffern dann verinnerlicht haben, sollten wir aber nicht schreibfaul werden: Mehrere Verbraucherbehörden und die Polizei warnen in den USA bereits davor, 2020 mit "20" abzukürzen – denn dann haben Betrüger leichtes Spiel.

Zwei weitere Ziffern können leicht hinzugefügt werden

Dieses Jahrtausend geht noch ziemlich lange, und genau aus diesem Grund sollten wir die aktuelle Jahreszahl immer ausschreiben. Denn aus einer abgekürzten 20 kann leicht ein völlig anderes Jahr gemacht werden.

Ein Beispiel: Aus dem 05.01.20 kann man durch Hinzufügen von zwei Ziffern das Jahr 2001, 2019, 2021, 2050 machen – und so weiter.

Wenn man denselben Stift und eine ähnliche Handschrift benutzt, fällt das kaum auf und auch auf elektronischen oder computergeschriebenen Dokumenten braucht man keine Retuschier-Fähigkeiten, um ein Datum so zu ändern. Aber warum ist das so schlimm?

Fristen könnten verkürzt oder verlängert werden

Warum das für rechtlichen Ärger sorgen könnte, erklärt Ira Rheingold, Geschäftsführerin des Verbands der Verbraucherrechtsanwälte in den USA: "Sagen wir, Sie haben einer Zahlung ab dem 15.1.20 zugestimmt. Der Übeltäter könnte es theoretisch so drehen, dass Sie seit dem 15.1.2019 dazu verpflichtet sind und versuchen, das zusätzliche Geld einzutreiben", erklärt sie in "USA Today".

Zwei zusätzliche Ziffern können viel Ärger ersparen

Auch mit Schecks könnte Schindluder getrieben werden: Ist die Frist verstrichen, um ihn einzulösen, könnte die Jahreszahl "20" schnell zu "2021" gemacht werden – und schon wäre er wieder gültig. Gleiches gelte laut Rheingold für bereits verjährte Schulden.

Mietverträge, Quittungen, Gutscheine – mit ein bisschen Kreativität gäbe es jede Menge Einsatzorte, um mit diesem Datums-Trick Ärger zu verursachen und sich einen Vorteil zu verschaffen.

Wie sieht es mit der Gefahr in Deutschland aus?

Noch wurden in den USA keine konkreten Betrugsfälle dieser Art gemeldet – aber auch die Polizei rät dort vielerorts, sich das Ausschreiben von "2020" anzugewöhnen. Wir haben mal beim Deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität e. V. (DSW) nachgefragt. "Diese Fälle sind bei uns nicht aufgeschlagen", erklärt ein Sprecher gegenüber RTL. Der Ansatz, den die US-Kollegen als mögliche Betrugsmasche identifizieren, finde man jedoch interessant. Doch erst, wenn sich so etwas häufe, sehe man dort die Notwendigkeit, wirklich vom Abkürzen des Datums abzuraten. 

Dennoch: Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich direkt angewöhnen, die 2020 immer auszuschreiben. Schließlich ist Vorsicht besser als Nachsicht, es kostet uns nur Sekundenbruchteile mehr – und umgewöhnen müssen wir uns am Anfang des Jahres sowieso!

Auch, wenn Sie regelmäßig Pakete für Ihre Nachbarn annehmen, können Sie Opfer einer Betrugsmasche werden. Wie diese funktioniert, verraten wir hier.