Beginn der Schicksalsrennen für Räikkönen

Wie steht es um die Motivation von Kimi Räikkönen?
Wie steht es um die Motivation von Kimi Räikkönen?
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11. Mai 2014 - 16:54 Uhr

Aus Barcelona berichtet Steffen Schmidt

Es sollte der Zweikampf der Superstars werden, das Duell der Ex-Weltmeister, die dem lahmenden Pferd wieder das Springen beibringen sollten. Doch nach den ersten Saisonrennen ist aus dem vielversprechenden Zweikampf bei Ferrari eine einsame Veranstaltung geworden: Während Fernando Alonso bei der Scuderia das Tempo vorgibt, liefert Kimi Räikkönen ein trauriges Bild ab - so auch in Barcelona, wo er sich gewohnt wortkarg gibt.

Mit vielen Vorschusslorbeeren war der Finne nach seinen tollen Vorstellungen im Lotus nach Maranello zurückgekehrt. Die Verpflichtung Räikkönens werde dem Team "einen richtigen Schub bringen", mutmaßte Niki Lauda. "Er wird Alonso stehen lassen und sein eigenes Rennen fahren", glaubte gar Sebastian Vettel.

Eingetreten ist nichts von dem. Ferrari fährt auch in dieser Saison der Musik hinterher, in der Konstrukteurswertung liegt das Team auf Platz 4. Noch hinter Force India - und selbst das ist lediglich Alonso zu verdanken, immerhin betrieb der Spanier mit 41 WM-Punkten Schadensbegrenzung. Dem stehen gerade einmal 11 Zähler von Räikkönen entgegen. Auch im Qualifying fuhr Alonso den (Neu)zugang in dieser Saison bislang an die Wand.

Dabei scheinen Räikkönen ähnliche Probleme zu plagen, wie sie derzeit auch ein Vettel bei Red Bull durchlebt. Er kommt mit der 2014er-Generation der Autos nicht zurecht, ihm fehlt das Gefühl für das neue, elektronisch gesteuerte Bremssystem. Zudem bringt er die härteren Reifenmischungen einfach nicht auf Temperatur.

Zwar sind dies sind Punkte, die bei solch einschneidenden Veränderungen wie in dieser Saison durchaus vorkommen können. Dumm ist es dann nur, wenn der eigene Teamkollege beweist, dass das Auto gar nicht so schlecht ist. Mit einer beeindruckenden Vorstellung steuerte Alonso den Ferrari in Shanghai aufs Podium. Und Räikkönen? Der wurde abgeschlagener Achter, 50 Sekunden hinter seinem Teamkollegen.

Angesichts der sportlichen Tristesse wirkt auch die Außendarstellung des 'Iceman' plötzlich längst nicht mehr so cool und lässig wie zu besten Zeiten, sondern vielmehr desinteressiert und lethargisch - etwas, das ihm schon bei seinem ersten Ferrari-Engagement (2007-2009) zum Verhängnis wurde. Mit gewohnt missmutigem Gesichtsausdruck schlurft er auch hier in Barcelona durchs Fahrerlager. Ausführliche Fragen beantwortet er gerne einmal mit einem knappen "No" und dreht sich anschließend um. Es gebe "einige Aspekte", warum er langsamer als Alonso sei, sagte er zu RTL und bezeichnete diese als "unglückliche Dinge".

Räikkönen: Probleme mit der Einstellung?

In Formel-1-Kreisen wird mal wieder über die angeblich mangelnde Einstellung des 34-Jährigen getuschelt wird. Es ist kein Geheimnis, dass Räikkönen Trainingsmöglichkeiten wie den Simulator in Maranello meidet wie der Teufel das Weihwasser. "Kimi arbeitet sehr gut mit dem Team zusammen", betonte dagegen der Technische Direktor James Allison. "Er unterstürzt uns dabei, die Schwachstellen zu finden und den Wagen stärker zu machen."

"Über Kimis Talent brauchen wir hier nicht zu diskutieren, aber wenn die Dinge nicht so gut laufen, dann lässt er sich selber im Stich, dann erkenne ich einfach nicht die gleiche Arbeitseinstellung wie bei Piloten vom Schlage Alonsos", urteilte Räikkönens ehemaliger McLaren-Teamkollege David Coulthard nach dem China-GP. Der Schotte redet bereits das baldige Karriereende des Finnen herbei: "In der heutigen Form sieht mir Räikkönen nicht wie ein Fahrer aus, der auf Jahre hinaus im Ferrari sitzt."

Räikkönens Vertrag bei Ferrari läuft noch bis 2015. Doch dass sich die Scuderia nicht zwingend an laufende Arbeitspapiere hält, bewies sie ja schon mit dessen Rauswurf 2009. Luca di Montezemolo betonte in Barcelona mehrfach, dass er mit der derzeitigen Verfassung alles andere als happy ist. Alles werde auf den Prüfstand gestellt, betonte er. Lange wird er sich Vorstellungen, wie sie Räikkönen derzeit abliefert, sicherlich nicht mehr anschauen. Immerhin würde ihm in diesem Fall wieder eine saftige Abfindung winken. Kennt er ja schon, das Spiel. Und Rallyefahren kann ja schließlich auch Spaß machen.