Befristungen und Teilzeitarbeit: Immer weniger Arbeitnehmer haben reguläre Jobs

Jeder vierte Arbeitnehmer in Deutschland arbeitet in Teilzeit.
Jeder vierte Arbeitnehmer in Deutschland arbeitet in Teilzeit.
© dpa, Jens Büttner

29. Juni 2018 - 17:35 Uhr

Anteil klassischer Arbeitsverhältnisse sinkt

Mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland arbeiten nicht in regulären Berufen: Sie sind befristet, geringfügig beschäftigt oder arbeiten in Teilzeit. Die Zahl der Betroffenen ist binnen 20 Jahren um mehr als 70 Prozent angestiegen. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Fraktion der Linken hervor.

Während 1993 insgesamt 4,4 Millionen Arbeitnehmer atypisch beschäftigt waren, waren es 2013 bereits 7,6 Millionen. Demgegenüber ist der Anteil der Normalarbeitnehmer an den Erwerbstätigen in dem Zeitraum von 76,8 auf 67,5 Prozent gesunken. So waren es 1993 noch 25,9 Millionen Arbeitnehmer in Vollzeit oder Teilzeit mit einer Wochenarbeitszeit von mindestens 21 Stunden, einem unbefristeten Job sowie einer vollen sozialen Absicherung. Die Zahl sank bis 2005 auf 22,1 Millionen. In dem Jahr trat die Hartz-IV-Reform in Kraft.

Bis 2013 stieg die Zahl der Normalarbeitnehmer wieder auf 24,06 Millionen - binnen 20 Jahren ist das aber immer noch ein Rückgang um 7,2 Prozent. Der Anteil der atypisch Beschäftigten stieg in der Zeit den Angaben zufolge von 13,1 auf 21,4 Prozent. Der Anteil der Normalarbeitnehmer sank von 76,8 auf 67,5 Prozent.

Jeder Vierte arbeitet in Teilzeit

Dass es insgesamt mehr abhängig Beschäftigte gibt, ist vor allem auf die immer weitere Verbreitung von Teilzeitjobs zurückzuführen. 2013 arbeitete demnach fast jeder Vierte in Teilzeit. Die Linke-Arbeitsmarktexpertin Jutta Krellmann, die die Anfrage gestellt hatte, sagte "Nun ist es amtlich: 20 Jahre Reformen am Arbeitsmarkt haben für mehr Beschäftigung gar nichts gebracht." Es gebe heute genau so viel Arbeit wie 1994. "Nur mehr Menschen teilen sich den gleichen Umfang - aber zu deutlich schlechteren Bedingungen."

Heute litten Beschäftigte unter erzwungener Teilzeit, Minijobs, Befristungen und Leiharbeit. "Reguläre Vollzeit-Jobs kennen junge Leute nur noch aus Erzählungen." Arbeit müsse wieder sicher werden, tariflich bezahlt, und sie müsse Mitgestaltung bieten, forderte die Politikerin.

Bundesweit am stärksten verbreitet ist atypische Beschäftigung nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung mit 58,8 und 57,2 Prozent in Delmenhorst und Landshut, also im Westen der Republik. Dort sei atypische Beschäftigung bei Frauen vor allem im ländlichen Raum sehr weit verbreitet, so der Arbeitsmarktexperte Toralf Pusch. Am niedrigsten ist der Anteil atypischer Beschäftigung in Thüringen, wo allerdings immer noch knapp zwei Fünftel der Arbeitsverhältnisse betroffen sind.