Befragung unter hessischen Beamten

Fast jeder Polizist bereits im Dienst beleidigt

Ein hessischer Polizist im Dienst.
© dpa, Boris Roessler, brx wst fie

16. Oktober 2020 - 9:15 Uhr

70 Prozent berichten von Angriffen

Nahezu jeder hessische Polizist ist schon einmal im Dienst beleidigt worden. Das geht aus Antworten von Innenminister Peter Beuth (CDU) auf eine parlamentarische Anfrage der AfD hervor. In einer Befragung hätten 97 Prozent von Beleidigungen berichtet.

4.200 Polizisten wurden Ende 2019 befragt

Zudem seien mehr als 70 Prozent der Beamten nach eigenen Angaben bereits angegriffen worden, die Hälfte sogar mehr als zweimal. Laut Innenminister sind das die Ergebnisse einer Studie, bei der im November und Dezember 2019 mehr als 4.200 hessische Beamten zu ihrem Polizei-Alltag befragt wurden.

Motive: Alkohol, niedrige Hemmschwelle, psychische Ausnahmesituationen

Aus den bisherigen Erkenntnissen lassen sich Beuth zufolge fünf Motive eines Angriffs gegen Polizisten erkennen: Viele Täter seien betrunken und hätten eine niedrigere Hemmschwelle, ein anderes Rechtsverständnis oder eine mangelnde Werteorientierung. Außerdem führten psychische Ausnahmesituationen oder ein Imponiergehabe aus einer Gruppe heraus oft zu Angriffen auf Polizeibeamte.

Beuth fordert sechs Monate Haft für Angriffe auf Einsatzkräfte

"Die zunehmende Gewalt gegen Einsatzkräfte von Polizei, aber auch von Rettungsdiensten und Feuerwehrleuten und sonstigen Amtsträgern ist nicht akzeptabel", erklärte Beuth. Der Minister hatte sich wiederholt für härtere Strafen eingesetzt. So sollten seiner Ansicht nach mindestens sechs Monate Haft für Angriffe auf Einsatzkräfte verhängt werden. Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2018 gilt etwa auch der Widerstand gegen Polizisten als Angriffshandlung.

Quelle: dpa/RTL.de