Befallene Kastanien: So können wir unserem Lieblingsbaum helfen
Schädlinge und Bakterien
Sie ist einer der Klassiker unter den in Deutschland heimischen Bäumen und ist aus kaum einem Park oder Biergarten wegzudenken: die Rosskastanie. Doch nicht nur der Klimawandel mit hohen Temperaturen setzt ihr und anderen heimischen Pflanzenarten zu. Auch Schädlinge können großen Schaden anrichten. Was für die Fichte der berühmt-berüchtigte Borkenkäfer ist, ist für die Rosskastanie die weit weniger bekannte Miniermotte.
Die Motte bzw. ihre Larven schwächen das Immunsystem der Kastanie, wodurch Keime oder Bakterien leichtes Spiel haben. Das Ergebnis sind viel zu früh verwelkte und braune Blätter, aber auch "dunkle, fast blutend aussehende Stellen oder auch Risse im Stamm", wie Christoph Rullmann, Bundesgeschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e.V. (SDW), im Interview erklärt. Um die Kastanie zu retten, hilft ein erstaunlich einfaches Mittel: Blätter sammeln und entsorgen. Der Experte Rullmann erklärt, worauf es dabei ankommt und wie jeder etwas für den deutschen Lieblingsbaum tun kann.
Christoph Rullmann: Die Lage für die weißblühenden Rosskastanien ist ernst, hat sich aber in den beiden letzten Jahren auf hohem Niveau stabilisiert. Die Miniermotte befällt die Bäume deutschlandweit, führt aber nicht zum Absterben des Baumes. Schlimmer ist, dass durch den jahrelangen Befall das Immunsystem der Bäume geschwächt wird, wodurch das Pseudomonas-Bakterium leichter eindringen und zum Absterben führen kann.
Rullmann: Ein Befall zeigt sich vor allem an den Blättern. Die Larven der Miniermotte fressen Gänge in das Blatt, die wir von außen als braune Striche erkennen können. Häufig werden die Blätter schon im Sommer braun und welk. Das Pseudomonas-Bakterium greift die Rinde und den Baumstamm an - dunkle, fast blutend aussehende Stellen oder auch Risse im Stamm sind ein klares Symptom.
Rullmann: Gegen die Miniermotte hilft vor allem ein simples Mittel: Laubsammeln. Durch das Beseitigen des Herbstlaubes wird verhindert, dass die letzte Mottengeneration darin überwintert und den Baum im folgenden Frühling sofort wieder befällt. Dazu sammelt man das Laub möglichst schnell nach dem Abfallen auf und bringt es zum örtlichen Entsorgungsbetrieb, der es dann verbrennt. Bei der Entsorgung sollten unbedingt die örtlichen Vorschriften berücksichtigt werden. Dazu informiert man sich am besten bei der eigenen Stadt- oder Gemeindeverwaltung.
Rullmann: Der kann sich auf der SWD-Webseite informieren, wo und wann die nächste regionale Laubsammelaktion stattfindet. Wir freuen uns immer über fleißige Helferinnen und Helfer! Auch andere Aktionen wie kürzlich die Kastaniensammelaktion unseres Partners Haribo tragen dazu bei, mehr Bewusstsein für das Krankheitsbild zu schaffen.
Rullmann: Ja, keine Sorge! Die Kastanienfrüchte können weiterhin problemlos gesammelt und zum Dekorieren, Spielen und Basteln verwendet werden. Sie sind selbst nicht von der Miniermotte oder dem Bakterium befallen. Auch bei Sammelaktionen wie der von Haribo oder örtlichen Sammelstellen können sie abgegeben werden, um dann im Winter an die Tiere in Wildparks oder -gehegen verfüttert zu werden.
Rullmann: Es stimmt, dass noch kein Gegenmittel speziell gegen das Bakterium bekannt ist. Aus unserer Sicht ist das Laubsammeln bisher die beste Lösung zur Vorbeugung. Denn wenn wir die Ausbreitung der Miniermotte eindämmen, sorgen wir dafür, dass die Kastanienbäume gesünder sind und damit widerstandsfähiger gegen einen Bakterienbefall werden.
Außerdem ist es wichtig, insgesamt möglichst gesunde Lebensbedingungen für die Kastanienbäume zu schaffen. Dazu gehört etwa der richtige pH-Wert, eine gute Durchlüftung und der Nährstoffgehalt des Bodens. Wird der Baum zur Pflege beschnitten, sollte sauberes Schnittwerkzeug verwendet werden, damit sich die Krankheit nicht von Baum zu Baum überträgt.
Gleichzeitig ist es wichtig, dass man sich auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Thema beschäftigt. Es sind bereits Ansätze wie das "Impfen" von Kastanien oder die Züchtung resistenter Sorten im Gespräch - hier heißt es dranbleiben und die Forschung unterstützen.
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