Bestattung mit Sicherheitsabstand

Beerdigungen in Corona-Zeiten: Einsamer Abschied

02. April 2020 - 19:15 Uhr

Trauer ohne Trost und Nähe - Beerdigungen ohne Umarmungen

Der Abschied von einem geliebten Menschen ist nie einfach. Durch die Corona-Krise wird den Hinterbliebenen das Trauern aktuell sogar noch schwerer gemacht. Denn auch bei Beerdigungen sind große Menschengruppen aufgrund der Ansteckungsgefahr untersagt. Wie einsam Beerdigungen momentan ablaufen, beschreibt Beata Lange nach dem Tod ihres Vaters - im Video.

Wer darf noch Abschied nehmen?

Ob und wie viele Angehörige an den Trauerfeiern ihrer verstorbenen Liebsten teilnehmen dürfen, ist deutschlandweit nicht einheitlich geregelt. In den verschiedenen Bundesländern werden Beerdigungen zurzeit noch unterschiedlich gehandhabt.

"Knapp gesagt kann man sagen, dass es gewünscht ist, dass nur die allerengsten Familienmitglieder mitgehen", erzählt Bestatterin Nicola Föhring aus Hamburg. Besonders für die Freunde der Verstorbenen ist das dann sehr traurig - aber die Gefahr, dass sie sich mit dem Corona-Virus infizieren könnten, ist einfach zu groß.

Beerdigungen laufen anders ab

Die Beerdigungen dürfen fortan nur noch unter freiem Himmel abgehalten werden. Zusätzlich müssen sich die Trauergäste jetzt in eine Liste eintragen, statt in einem Kondolenzbuch ihre Anteilnahme für die Familien auszudrücken. Damit können im Fall einer Corona-Infektion innerhalb der Trauergesellschaft dann anschließend die Kontaktpersonen schneller ermittelt werden.

Sicherheitsabstand auf dem Friedhof

Beim Trauern um einen Angehörigen möchte man sich eigentlich gegenseitig in den Arm nehmen und so Trost spenden. Aber auch das ist leider momentan nicht mehr möglich, so Nicola Föhring: "Eine Witwe muss alleine an der Grabstätte stehen, die normalerweise umringt wäre von ihren Lieben, weil jeder sie stützen möchte". Schlimm genug, sagt sie, denn eigentlich bräuchten die Trauernden gerade in dieser Situation die Nähe und Wärme ihrer Engsten.

Wie werden Corona-Infizierte vor der Bestattung behandelt?

29.03.2020, Niedersachsen, Wolfsburg: Ein Sarg wird vom Hanns-Lilje-Heim in Wolfsburg abtransportiert. Im Hanns-Lilje-Heim in Wolfsburg sind zwölf Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Foto: Peter Steffen/dpa +++ dpa-Bildfunk +
An einem Wolfsburger Altenheim wird ein Sarg nach mehreren Coronavirus-Todesfällen abtransportiert.
© dpa, Peter Steffen, pst gfh

Stellt sich heraus, dass eine Person an Corona verstorben ist, müssen die Bestatter unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen arbeiten. Dazu zählen ein Mundschutz, der zuvor in Desinfektionsmittel getaucht wurde, doppelte Handschuhe und auch ein Augenschutz. Das ist so wichtig, weil der Tote auch nach dem Ableben noch hoch ansteckend ist. Denn Verstorbene entwickeln Gase und diese Gase treten durch verschiedene Körperöffnungen aus. Wird der Leichnam bewegt, kann es dann zu einer Tröpfcheninfektion kommen.

Eine Abschiednahme am offenen Sarg ist bei einem Corona-Toten nicht möglich. Der Leichensack und der Sarg dürfen nicht mehr geöffnet werden und werden zusätzlich versiegelt. Abschließend kommt dann ein Aufkleber auf den Sarg mit dem Warnhinweis, dass die Leiche infektiös ist.

TV NOW Dokumentation "Stunde Null" - Teil zwei

Welcher Weg führt am schnellsten Aus der Krise? Wie können wir das Corona-Virus bekämpfen? Damit beschäftigt sich der zweite Teil der TV NOW-Dokumentation "Stunde Null – Wettlauf mit dem Virus".