Keine Strafe für Proteste in der Basketball-Bundesliga

Ärger um Aussage des Liga-Chefs

Dr. Stefan Holz, Geschäftsführer der easycredit BBL , beim Allstar Day 2017 in Bonn Foto: Jörn Wolter MR:N
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03. Juni 2020 - 18:18 Uhr

BBL-Chef: Es gibt keine Strafen

Kehrtwende in der Basketball-Bundesliga: Liga-Chef Stefan Holz sagt, dass es seitens der Liga keinerlei Sanktionen geben wird, sollte es beim Finalturnier in München Solidaritätsbekundungen oder Aktionen gegen Rassismus von Spielern wie zuletzt beim Fußball geben. In einem Interview, das er zuvor gegeben hatte, klang das noch anders. Die Reaktionen ließen nicht lange auf die warten.

Holz: "BBL steht für Weltoffenheit"

"Da die BBL seit jeher für Weltoffenheit und Vielfalt steht, braucht es also eine hohe Sensibilität. Den Sportlern geht es vor allem um ein Statement gegen Rassismus und nicht um eine individuelle politische Meinungsäußerung. Daher werden wir selbstverständlich in diesem Zusammenhang von Sanktionierungen absehen", erklärte Geschäftsführer Holz am Mittwoch in einer Mitteilung.

"Als Liga habe man die Aufgabe, auf Statuten hinzuweisen und deren Einhaltung zu überprüfen", sagte Holz. "Das sagt aber nichts über unsere persönliche Betroffenheit und Bestürzung aus angesichts der Lage in den USA." Gerade jetzt empfinde man große Solidarität insbesondere mit den Profis der Liga, "die aus Nordamerika kommen und denjenigen, die ein selbstverständliches Zeichen setzen wollen."

Zuvor hatte es Irritationen darüber gegeben, ob die Liga Spieler bei dem am Samstag in München startenden Event ihre Haltung bei Thema Rassismus zeigen lassen würde.

Der BBL-Geschäftsführer hatte der Deutschen Presse-Agentur auf die Frage, ob Spieler mit Slogans auf Shirts oder Ausrüstungsgegenständen gegen Rassismus protestieren dürfen, wie dies zuletzt von Fußballprofis zu sehen war, gesagt: "Grundsätzlich ist es so, dass politische Äußerungen im Ligabetrieb verbal oder non-verbal nicht gestattet sind."

Per Günther: "Die ersten Strafen gehen auf mich"

Per Günther vom Bundesligisten aus Ulm ermutigte seine Kollegen am Mittwoch mit Blick auf das Turnier zu politischen Botschaften. "Liebe BBL-Spieler, wenn ihr euch im kommenden Turnier ausdrücken und eure Haltung gegen Rassismus vertreten wollt, fühlt euch frei dies zu tun. Die ersten 10.000 Euro an Strafen gehen auf mich", schrieb der Aufbauspieler bei Twitter.

Kein Verfahren in der Fußball-Bundesliga

In der Fußball-Bundesliga hatten am vergangenen Wochenende Profis wie der Schalker Weston McKennie, die Dortmunder Jadon Sancho und Achraf Hakimi und der Gladbacher Marcus Thuram auf dem Feld Solidarität mit dem Afroamerikaner George Floyd bekundet.

Die Proteste der Fußballer hatten für eine Debatte über derartige Bekundungen gesorgt, weil die Liga den Spielern auf dem Feld keine politischen Botschaften gestattet. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sah jedoch von einem Verfahren gegen die betroffenen Spieler ab.

rtl.de/sid/dpa