Bayers Top-Talent Brandt auf den Spuren von Marco Reus

Mit 17 Jahren schon das Champions-League-Debüt: Julian Brandt im Spiel gegen Paris St. Germain.
© dpa, Jonas Güttler

27. November 2015 - 15:06 Uhr

Erst das Debüt in der Bundesliga, dann in der Champions League - und das mit 17 Jahren: Julian Brandt hat bei Bayer Leverkusen den nächsten Schritt in seiner Karriere gemacht. Obwohl die internationalen Top-Clubs bei ihm Schlange standen, entschied sich der Youngster im Sommer für die 'Werkself'. Seine Einsatzzeiten geben ihm Recht. Und so lebt der Traum, vielleicht ein zweiter Marco Reus zu werden.

Brandt dürfte vom Glauben abgefallen sein, als ihm zu Ohren kam, wer da so an ihm interessiert war: Bayern und Dortmund, der FC Chelsea und Manchester United - das Top-Talent hätte fast zu jedem europäischen Schwergewicht gehen können. Warum es dann Bayer wurde? Die Perspektive, erklärt Brandt im sport.de-Interview: "Viele sehr junge Spieler haben sich in Leverkusen extrem gut weiter entwickelt", sagt er und spielt auf Profis wie Michael Ballack oder Toni Kroos an "Hier bekommt man die Chance, die man bei anderen Vereinen so früh vielleicht nicht bekommt."

Das Argument klingt schlüssig, der gebürtige Bremer wird sich dieser Tage dennoch wie in einem Traum vorkommen. In der Winterpause von der Wolfsburger U19 gekommen, und nun blickt er schon auf vier Einsätze in der Bundesliga zurück. "Zu diesem Zeitpunkt schon so regelmäßig bei den Profis dabei zu sein - damit habe ich nicht unbedingt gerechnet."

Dass Sportchef Rudi Völler ihn bei seiner Verpflichtung als einen "der talentiertesten Nachwuchsspieler im deutschen Fußball" bezeichnete, sporne ihn zusätzlich an. "Ich laufe nicht über den Platz und denke an Druck, der auf mir lasten könnte. Ich will Spaß haben, ich will Fußball spielen", sagt der Rechtsfuß, der den großen Vereinen mit der gleichen Unbekümmertheit die lange Nase drehte.

"Meiner Entwicklung kann das nur gut tun"

Und so ist Brandt nun mittendrin statt nur dabei. Während andere in seinem Alter noch mit den Reservemannschaften in der Regionalliga kicken, darf er Bundesliga und sogar Champions League spielen. In den Achtelfinal-Spielen gegen Paris St. Germain stand er gemeinsam mit Top-Stars wie Zlatan Ibrahimovic oder Thiago Silva auf dem Platz. "Ich genieße die Zeit und versuche, davon zu profitieren. Meiner Entwicklung kann das nur gut tun."

Bei seinem Werdegang konnte man nicht unbedingt davon ausgehen, dass aus Brandt ein richtig guter Fußballer wird. Bis zu seinem 14. Lebensjahr kickte er noch für den Bremer Vorortverein FC Oberneuland. Danach folgte der Wechsel zum VfL Wolfsburg und die Karriere nahm Fahrt auf. "Wir hatten dort Spitzenmannschaften, mit tollen Trainern und Verantwortlichen. Ich bin dem Verein wirklich sehr dankbar. Dass es so schnell gehen würde mit meiner Entwicklung, hätte ich selbst nicht gedacht", blickt der Senkrechtstarter zurück.

Ein großer Vorteil dabei war, dass der DFB schon früh auf das Talent von Brandt aufmerksam wurde. Er durchlief seit der U15 alle Jugend-Auswahlmannschaften der Nationalelf und ist mittlerweile trotz seines jungen Alters schon eine zentrale Figur in der U19. Weil Brandt ein Jahr jünger als die meisten seiner DFB-Kollegen ist, sieht er sich nicht als Führungsspieler. "Wenn allerdings Fragen kommen zur Bundesliga, dann erzähle ich den anderen gerne von."

Trotz seiner rasanten Entwicklung in den letzten zwei Jahren ist Brandt auf dem Boden geblieben. Über seine Stärken wolle er nicht reden, das sollen andere machen. Luft nach oben sei noch in allen Bereichen, schließlich sei er erst 17 Jahre alt. Fragt man ihn nach seinem Vorbild, merkt man aber, dass er hoch hinaus will: "Marco Reus ist für mich ein Vorzeigespieler", sagt Brandt, der sich selbst eigentlich nicht mit dem Dortmunder vergleichen will. "Wir spielen halt auf der gleichen Position. Er ist einfach ein sehr guter Spieler - ja, deshalb kann ich ihn mir durchaus auch als Vorbild vorstellen."

Daniel Grochow