Lage in Bayern kritisch wie nie: Bald sind ALLE Intensivbetten voll!

Münchner Kliniken bereiten sich bereits auf die Triage vor

Viele Intensivbetten sind wieder mit Corona-Patienten belegt.
Viele Intensivbetten sind wieder mit Corona-Patienten belegt.
© dpa, Christophe Gateau, cgt

20. November 2021 - 12:18 Uhr

In Bayern spitzt sich die Lage dramatisch zu

Wer schwer an Corona erkrankt, muss auf einer Intensivstation betreut werden. Dafür bedarf es genügend freier Intensivbetten. In Bayern werden diese jedoch langsam knapp. Bislang könnten Intensivpatienten zwar noch innerhalb Bayerns verlegt werden, wenn vor Ort keine Betten frei seien - das werde aber nur noch "ein paar Tage" möglich sein, warnt Roland Engehausen, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft. In München bereiten sich die Kliniken sogar schon auf die Triage vor.

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Bald keine Chance mehr für Verlegungen innerhalb Bayerns

Die Lage in bayerischen Krankenhäusern ist nach Einschätzung der Krankenhausgesellschaft in Bayern in der vierten Corona-Welle so kritisch wie noch nie in der Pandemie. "Sie übertrifft die bisher schlimmste Phase zwischen Weihnachten und Neujahr letzten Jahres", so Engehausen in der "Augsburger Allgemeinen" vom Freitag.

Viele Intensivbetten sind belegt. Die Verlegung von Intensivpatienten werde immer schwieriger. "Wir haben bislang versucht, innerhalb Bayerns zu verlegen, beispielsweise aus Schwaben über hundert Kilometer nach Unterfranken. Aber das geht vielleicht noch wenige Tage gut", führt Engehausen aus.

Ohne harte Gegenmaßnahmen steige die Zahl der Corona-Intensivpatienten in Bayern pro Woche um rund 30 Prozent - "sodass wir bald keine Chance mehr für Verlegungen innerhalb des Freistaats haben".

Lese-Tipp: Wenn die Lage ernst ist: Was ist Triage?

In München sind nur noch 22 Intensivbetten frei

Besonders angespannt ist die Lage in der Landeshauptstadt München. Am Donnerstag meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) für München eine Inzidenz von 694,8.

Dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) nach waren am Donnerstagmittag von 455 Intensivbetten in der Landeshauptstadt München nur noch 22 frei. Das entspricht einer Auslastung von mehr als 95 Prozent.

Demnach werden 117 Covid-19-Fälle auf der Intensivstation behandelt, 62 von ihnen werden über einen Luftröhrenschnitt beatmet oder sind intubiert. Im Landkreis war keines der Intensivbetten mehr frei.

Daher bereiten sich die Münchner Kliniken bereits auf die Triage vor, damit man "rechtlich und ethisch richtig handeln könne", wenn es sein müsse, so Axel Fischer, Geschäftsführer der München Klinik. Doch im Moment "wenden wir die Triage noch nicht an".

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Ausweichen auf angrenzende Bundesländer keine Option

Auch das Verlegen von Patientinnen und Patienten in Kliniken außerhalb Bayerns sei nicht leicht: "Der Weg nach Baden-Württemberg ist eigentlich bereits geschlossen, weil sich die Kliniken dort der bayerischen Situation annähern", erklärt der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft.

"Ob wir in ein paar Wochen noch jemanden nach Hessen bringen können, wissen wir nicht. Nach Thüringen und Sachsen braucht man nicht zu fahren, und im Süden in Österreich ist die Lage nicht besser als bei uns."

Zwei Corona-Wellen deutlich zu sehen

Daten des Deutschen Intensivregisters (DIVI) liefern verschiedene Anhaltspunkte zur Lage in den deutschen Krankenhäusern. Im Frühjahr waren phasenweise mehr als 2.500 Intensivbetten mit Covid-19-Fällen belegt. Nach einer Entspannung im Sommer hat die Zahl ab August wieder zu genommen, ab Mitte Oktober sogar sehr rasant. Auf der Grafik ist der Anstieg gut zu sehen – sowohl der, der belegten Intensivbetten (grau) als auch der der Patienten, die beatmet werden müssen (rot).

Ein freies Bett auf der Intensivstation garantiert übrigens noch lange nicht die optimale Versorgung: Schon die Belegung mit wenigen Covid-19-Fällen kann ausreichen, das ohnehin bereits belastete Personal an die Kapazitätsgrenze zu bringen. Allein aufgrund der erforderlichen Schutzmaßnahmen für Fachkräfte und die übrigen Patienten im Krankenhaus ist die Betreuung sehr viel aufwändiger als im Regelbetrieb.

In diesen Landkreisen sind Intensivbetten ausgelastet

Die interaktive Karte zeigt, wie stark die Intensivstationen in Ihrem Landkreis ausgelastet sind. Besonders eng wird es in den rot eingefärbten Kreisen. Hier sind nur bis zu 10 Prozent aller Intensivbetten frei. Die Grafik zu der Auslastung der Intensivbetten bezieht sich auf ganz Deutschland. Sie zeigt einen Überblick, wie sich die Belegung der Betten in allen registrierten Krankenhäusern zum Vortag verändert hat.

Wie hoch die 7-Tage-Inzidenz in Ihrem Landkreis ist, also die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen, können Sie hier nachschauen!

Um die Zahl einmal umzudrehen: Wie viele freie Intensivbetten gibt es momentan in Deutschland? Das können Sie dieser Tabelle entnehmen. Beachten Sie jedoch, dass sich die Kapazitäten unterschiedlich auf die einzelnen Regionen verteilen. (lra/nri/dpa)