Bayern unaufhaltsam - Rekorde für Darida, Wirtz und Gjasula

Auf Kurs Meistertitel: Lewandowski (l) jubelt über seinen Treffer zum 4:1 für die Bayern gegen Leverkusen mit Thomas Mueller und Leon Goretzka (r). Foto: Matthias Hangst/Getty Images Europe/Pool/dpa
© deutsche presse agentur

07. Juni 2020 - 7:24 Uhr

Die Meisterfrage scheint nach dem neunten Bayern-Sieg in Serie in der Fußball-Bundesliga endgültig geklärt. Die Münchner setzten sich am Samstag trotz eines frühen Rückstandes mit 4:2 bei Bayer Leverkusen durch.

Der große Gewinner unter den Verfolgern ist Borussia Dortmund, das nach dem 1:0 gegen Hertha BSC sieben Punkte Vorsprung auf den Fünften Leverkusen hat. Spannender geht es im Abstiegskampf zu, wo selbst der Tabellenletzte SC Paderborn noch hoffen darf. Außerdem in der Liga im Fokus: Drei Rekorde, ein Millionen-Transfer und das Ende einer jahrzehntelangen Ära.

SIEGESSERIE: Selbst ein früher Rückstand in Leverkusen kann den FC Bayern in dieser Saison nicht schocken. Am Ende lautete das Ergebnis 4:2 für die souveränen Münchner, die schon nächste Woche ihren achten Meistertitel in Serie feiern könnten. "Es war ganz gut, dass wir in Rückstand geraten sind, weil die Mannschaft sich dann aufgerappelt hat", sagte Trainer Hansi Flick. Einzig die je fünfte Gelbe Karte für Thomas Müller und Robert Lewandowski trübte die Stimmung - beide fehlen damit kommende Woche zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach.

NUTZNIEßER: Die Konkurrenten Gladbach, Leipzig und Leverkusen patzten - und der BVB nutze dies mit einem 1:0-Sieg gegen Hertha BSC. Der Vorsprung auf Platz drei beträgt nun vier Punkte. Doch in Dortmund stand nicht allein das Sportliche im Fokus, sondern auch der Wirbel um den Friseur-Besuch von Jadon Sancho und Co. "Bei solchen Sachen muss er einfach schlauer sein, erwachsener sein, erwachsener werden", sagte Torschütze Emre Can über den 20-Jährigen. "Wir sind als Mannschaft da auch verantwortlich." Sancho müsse in Zukunft aus den Fehlern lernen. Die Berliner mussten sich mit der Bestmarke für den besten Dauerläufer trösten: Vladimir Darida lief 14,65 Kilometer und damit so viel wie kein anderer Profi seit der Datenerfassung in der Saison 2013/14 (Quelle: Opta).

PROTESTE: Die Dortmunder und Berliner Profis setzten geschlossen ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Alle Spieler knieten vor dem Anpfiff um den Mittelkreis und schwiegen für einige Momente. Auch der Mainzer Pierre Kunde Malong war nach seinem Tor zum 2:0 gegen Eintracht Frankfurt am Nachmittag auf ein Knie gegangen. Die Bayern-Profis trugen Armbinden mit der Aufschrift: "Black Lives Matter". Die Bundesliga-Spieler solidarisierten sich mit den Demonstranten in den USA, die seit dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd nach einem brutalen Polizeieinsatz zu Tausenden auf die Straßen gehen. Eine Bestrafung dafür gibt es nach einer entsprechenden DFB-Entscheidung nicht.

YOUNGSTER: Der von zahlreichen Topclubs umworbene Kai Havertz fehlte verletzt, dafür glänzte bei der Niederlage von Bayer Leverkusen gegen den FC Bayern das nächste Toptalent. Florian Wirtz traf mit einem sehenswerten Schlenzer zum 2:4 und ist mit 17 Jahren und 34 Tagen nun jüngster Bundesliga-Torschütze. Die Partie gegen den Tabellenführer war der vierte Liga-Einsatz für den eingewechselten Mittelfeldspieler. Bayer-Trainer Peter Bosz lobte den Youngster als "Riesen-Talent. Er ist ein guter Spieler, ein intelligenter Spieler."

WECHSELGERÜCHTE: Timo Werner bereitete Leipzigs Führungstreffer vor, das enttäuschende 1:1 gegen den Tabellenletzten SC Paderborn konnte aber auch der Nationalspieler nicht verhindern. Nach dem Abpfiff war jedoch ohnehin der sich anbahnende Wechsel Werners zum FC Chelsea das Topthema. Der frühere Nationalspieler und Chelsea-Profi Michael Ballack hält den möglichen Transfer für eine "gute Entscheidung für beide Seiten". "Für Timo, weil er dorthin passt, weil die Art Fußball zu spielen für ihn passt", sagte er im TV-Sender Sky.

KARTENKÖNIG: Paderborns Klaus Gjasula sah gegen RB Leipzig seine 16. Gelbe Karte in dieser Bundesliga-Saison - so viele schaffte vorher nur Tomasz Hajto in der Saison 1998/99 für den MSV Duisburg. Mittelfeldspieler Gjasula ist zwar nicht glücklich über seine unrühmliche Bestmarke, macht sich aber auch nicht allzu große Gedanken. "Ich gehe damit um, wie ich es immer getan habe. Ich mache mein Spiel, manchmal sieht man dafür Karten", sagte der 30-Jährige.

ABSTIEGSKRIMI: Für Spannung sorgt in dieser Bundesliga-Saison vor allem die untere Tabellenhälfte. Selbst der Tabellenletzte Paderborn hat nach dem 1:1 in Leipzig trotz acht Zählern Rückstand auf den Relegationsplatz noch eine theoretische Chance auf die Rettung. Fortuna Düsseldorf verpasste beim 2:2 gegen Hoffenheim trotz früher Führung und langer Überzahl einen wichtigen Sieg. Werder Bremen könnte am Sonntag mit einem Sieg beim VfL Wolfsburg profitieren und nach Punkten gleichziehen. Nach dem Mainzer 2:0 in Frankfurt sind am Sonntag auch der nun punktgleiche 1. FC Union (31 Zähler) gegen den FC Schalke und der FC Augsburg (31) gegen den 1. FC Köln gefordert.

UMBRUCH: Aus vier Spielen nach der Corona-Pause holte der FC Schalke 04 keinen einzigen Punkt - und auch abseits des Platzes kommt der Club vor dem Duell in Berlin am Sonntag nicht zur Ruhe. Am Freitag gab Schalke den Abschied von Finanzvorstand Peter Peters nach insgesamt 27 Jahren zum 30. Juni bekannt. "Der Posten Finanzvorstand bei Schalke ist nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig", urteilte der frühere Schalke-Manager Christian Heidel. "Vielleicht ist irgendwann auch der Punkt gekommen, zu sagen, es reicht."

Quelle: DPA