RTL News>News>

Bayern: Bamf will Dreijährige abschieben – ohne ihre Familie

Bayern: Bamf will Dreijährige abschieben – ohne ihre Familie

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg (Bayern). Foto: Armin Weigel/Archiv
Eine Entscheidung des Bamf sorgt im bayrischen Bad Abbach für Aufregung.
DPA

Bamf fordert Kind auf, "Deutschland innerhalb von 30 Tagen zu verlassen"

Es klingt unglaublich, doch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) soll eine in Bad Abbach (Bayern) lebende Dreijährige zur Ausreise aufgefordert haben. Das Kind müsse "die Bundesrepublik Deutschland innerhalb von 30 Tagen nach Bekanntgabe dieser Entscheidung verlassen", heißt es in einem Bescheid, über den die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Besonders brisant: Die Mutter des Mädchens, die aus Nigeria stammt, und die vierjährige Schwester haben ein Bleiberecht für ein Jahr.

Keine Abschiebung ohne die Familie

Asylhelfer aus dem niederbayerischen Landkreis sind über den Bescheid entgeistert. "Ich kümmere mich um die Familie, seit sie in Bad Abbach ankam. Und sie hatte es oft nicht leicht", wird Waltraud Brombierstäudl aus Regensburg in der "Süddeutschen Zeitung" zitiert. Zwar dürfen Kinder in Deutschland nicht ohne ihre Familie abgeschoben werden, doch der Fall sorgt für Irritationen.

Über eine "unsägliche und gedankenlose" Entscheidung empört sich etwa Christine Kamm, die asylpolitische Sprecherin der Grünen im bayerischen Landtag. Für die Mutter, die Geschwister und Helfer der Dreijährigen bedeute der Bescheid in jedem Fall viel Stress. Das Bamf habe sich laut "Süddeutscher Zeitung" aus "datenschutzrechtlichen Gründen" nicht konkreter zu dem Fall geäußert. Zwar werde das Kind sicher nicht ausgewiesen, doch welche rechtlichen Konsequenzen der negative Bescheid haben wird, ist nicht bekannt.

Gegen die Entscheidung muss die Mutter nun wohl gerichtlich vorgehen. Waltraud Brombierstäudl fürchtet "unnütze Kosten" für die finanziell klamme Familie. Die Asylhelferin hofft deshalb, dass das Bundesamt die Entscheidung zurückzieht. Gleichzeitig äußert die Frau auch ihr Verständnis für die Mitarbeiter des Bamf. Sie erlebe selbst mit, wie hoch der Arbeitsdruck sei. "Dann kann das auch nicht mehr funktionieren", sagt Brombierstäudl.