Bayer: Taktik-Abkehr beim "krassen Außenseiter" Monaco?

Bayer Leverkusen, Werder Bremen, Sebastian Prödl
Weil Sebastian Prödl spät traf, ließ Leverkusen gegen Bremen zwei Punkte liegen.
Bongarts/Getty Images, Bongarts

Wenn der Vollgas-Fußball zum Problem wird: Vor dem ersten Champions-League-Auftritt in dieser Saison bei der AS Monaco muss sich Bayer Leverkusen hinterfragen. Weil das Blitz-Pressing in der Bundesliga erstmals keine drei Punkte brachte, ist aber nicht alles schlecht. Sorgen bereiten neue Verletzungen - nicht aber der Gegner aus dem Fürstentum.

Wenn Bayer Leverkusen zum Gastspiel in Monaco antritt, bekommen die Freunde des runden Leders voraussichtlich ein Spektakel zu sehen - mal wieder. "Wir machen da weiter, wo wir am Freitag aufgehört haben", sagte Gonzalo Castro mit Blick auf die Partie in der Bundesliga gegen Werder Bremen. Über 90 Minuten hatte Bayer die Gäste förmlich an die Wand gespielt, hätte Werder laut Torjäger Stefan Kießling "mit sechs Stück nach Hause schicken" können. Weil Bremen zwei Mal eiskalt konterte und Bayer kurz vor Schluss pennte, hieß es am Ende nur 3:3 - und der neutrale Beobachter stellt sich die Frage: Muss Bayer seinen Spielstil anpassen, um in der Champions League zu bestehen?

Dass Leverkusen in dieser Saison erstmals Punkte liegen ließ, "ist keine Frage der Taktik", antwortet Bernd Leno. "Wir gehen hohes Risiko, aber wenn es alle gut machen, funktioniert es auch", so der Keeper, der aber auch einräumt: "Auf dem Platz denken wir aber manchmal zu offensiv" - wohl wahr. In den sechs Pflichtspielen der Saison hat Leverkusen im Schnitt fast fünf Tore erzielt, schenkte der Defensive aber oft herzlich wenig Beachtung, auch gegen Bremen rannten Kießling & Co. trotzdem immer wieder unermüdlich an. "Das zeigt, dass sie weiter an die Art und Weise unseres Fußballs glaubt und überzeugt ist von dem, was wir da spielen", findet Trainer Roger Schmidt.

Manch Kritiker hält dagegen, dass die offensive Marschroute der 'Werkself' in der 'Königsklasse' bitter bestraft werden könnte, denn dort warten andere Kaliber als Kopenhagen, Hertha oder Bremen - zum Beispiel die AS Monaco. Der französische Verein aus dem Fürstentum galt als die härteste Nuss aus dem Lostopf 4. Nach zwei Jahren in der Zweitklassigkeit läutete der Verein im vergangenen Sommer eine neue Ära ein. Der russische Besitzer und AS-Präsident Dmitri Rybolowlew nahm 170 Millionen Euro in die Hand, um Spieler wie Radamel Falcao, James Rodriguez oder Joao Moutinho zu holen. Weil Monaco gleich in der ersten Saison nach dem Wiederaufstieg Vizemeister wurde, blies Rybolowlew zum Großangriff auf die europäische Krone - doch die Aufbruchstimmung ist genauso schnell verpufft wie sie entfacht worden war.

Castro: Wir sind in der Favoritenrolle

Dimitar Berbatov, AS Monaco
Spielte lange in Leverkusen, geht jetzt auf Torejagd für Monaco: Dimitar Berbatov.
imago/PanoramiC, imago sportfotodienst

Die Vorgaben des Financial Fairplay im Hinterkopf, verscherbelte Rybolowlew in diesem Sommer sein Tafelsilber. Der bei der WM in den Fokus gerückte Kolumbianer Rodriguez wechselte für 80 Millionen Euro zu Real Madrid, Falcao wurde für eine Gebühr von 10 Millionen Euro an Manchester United ausgeliehen. "Sie haben doch gesehen, was mit Paris Saint Germain oder Manchester City passiert ist. Sie wurden von der UEFA hart bestraft und in ihrem Handeln eingeschränkt", rechtfertigte Vize-Präsident Vadim Vailyew die Transfers: "Mein Präsident sagte: Es macht keinen Sinn, eine höhere Strafe zu zahlen, als wir investiert haben, nur um Champions League zu spielen."

Das große Zittern vor den Monegassen ist bei Bayer deshalb nicht angesagt. So wie die Mannschaft zuletzt gespielt habe, sei man in der Favoritenrolle, sagte Gonzalo Castro. Während Leverkusen in der Bundesliga von ganz oben grüßt, hat die AS in Frankreich einen Fehlstart hingelegt. Mit vier Punkten aus fünf Spielen rangiert Monaco auf dem vorletzten Platz. Beim 1:2 am vergangenen Freitag bei Olympique Lyon offenbarte die Mannschaft von Trainer Leonardo Jardim praktisch Schwächen in jedem Bereich, vor allem die Defensive um den in die Jahre gekommenen Ricardo Carvallho wirkt alles andere als sattelfest.

Die Hoffnungen der Monaco-Fans ruhen auf den Schultern des Mannes, der in Leverkusen allzu gut bekannt ist: Dimitar Berbatov. Der Bulgare hatte zwischen 2001 und 2006 seine Fußball-Schuhe für Bayer geschnürt, war nach 69 Toren in 154 Spielen nach England gewechselt. Erst bei Tottenham Hotspur, dann bei Manchester United und dem FC Fulham, in der vergangenen Winterpause ging es dann ins Fürstentum. Berbatov akklimatisierte sich schnell und stellte seinen Torriecher sofort unter Beweis. Dass der Nationalspieler mit seinen 33 Jahren und Alt-Stars wie Moutinho und Jeremy Toulalan eine neue Ära prägen können, von diesem Gedanken haben sich die AS-Fans allerdings schon verabschiedet.

Ganz andere Vorzeichen in Leverkusen: Nach den Verpflichtungen von Coach Schmidt und dem neuen Hoffnungsträger Hakan Calhanoglu träumt die 'Werkself' davon, endlich mal wieder um Titel zu spielen. Kleine Wermutstropfen auf den Höhenflug aus den ersten Wochen sind die Verletzungen. Nach Simon Rolfes (Syndesmosebandanriss) und Julian Brandt (Außenbandriss im Sprunggelenk) fällt auch Kyrikaos Papadopoulos (Schulterverletzung) für das Spiel in Frankreich aus. Monaco-Trainer Jardim, der Platz 3 in der CL-Gruppenphase als Ziel ausgegeben haben soll, wähnt Leverkusen trotzdem in der Favoritenrolle: "Bayer hat mehr Erfahrung, wir sind krasser Außenseiter."