Bayer Leverkusen will Samba-Truppe Donezk "den Nerv rauben"

© dpa, Marius Becker

13. März 2014 - 9:01 Uhr

Die Blamage von Braunschweig ist abgehakt, die volle Konzentration liegt wieder auf der Champions League: Vor dem Spiel bei Schachtjor Donezk (heute Abend ab 20.45 Uhr im Live-Ticker) schwört sich Bayer Leverkusen auf das womöglich vorentscheidende Spiel um das Weiterkommen ein. Zwar hat man vor dem ukrainischen Vertreter mit seinen exzellenten Einzelspielern den nötigen Respekt, doch das Hinspiel hat gezeigt, wie die Samba-Truppe aus der Industriestadt zu knacken ist.

Nimmt man nur die Partie vor zwei Wochen, Bayer müsste eigentlich als haushoher Favorit in das zweite Kräftemessen mit dem Traditionsteam aus der Ukraine gehen. 4:0 hieß es am Ende für die 'Werkself', die das Geschehen über 90 Minuten weitestgehend dominierte und nur wenig zuließ - ein Spielverlauf, den die meisten Experten wohl so nicht vorausgesagt hätten.

Denn obwohl Schachtjor mal wieder einen Umbruch hinter sich hat, galt die Mannschaft von Trainer Mircea Lucescu vorher mindestens auf Augenhöhe. Schmerzhafte Abgänge wie von Fernandinho (Manchester City) oder Henrikh Mkhitaryan (Borussia Dortmund) wurden mehr als nur kompensiert. Fast schon traditionell bediente sich Donezk in den Talentschmieden Südamerikas und gewann das Rennen um drei Brasilianer, die auch andere europäische Schwergewichte auf dem Zettel hatten: Fernando, Wellington und Top-Star Bernard.

Letztgenannter ist zwar erst 21 Jahre jung, zählt aber zu den größten Hoffnungen im Land des WM-Gastgebers. "Es ist toll, den Moment mitzuerleben, wenn ein Star geboren wird", urteilt Ex-Star Ronaldinho über seinen Landsmann, den sich Schachtjor 25 Millionen Euro kosten ließ. Mit seinem unglaublichen Tempospiel und seiner Wendigkeit ist er sowohl auf den offensiven Außenbahnen als auch in der Zentrale einsetzbar.

Dass ein Spieler wie Bernard im Hinspiel aber nur eingewechselt wurde, spricht für die unglaubliche Qualität, die Donezk in der Offensive hat. Douglas Costa auf rechts, Taison auf links, dazu Alex Teixeira als Spielgestalter und Luiz Adriano als eiskalten Torjäger - die Abteilung Attacke kann es mit den besten Mannschaften Europas aufnehmen. Torwart Bernd Leno glaubt allerdings, dass das Leverkusen in die Karten spielen könnte: "Donezk muss gewinnen, deshalb erwarten wir sie sehr offensiv. Das kommt uns eher entgegen, weil wir dann unser Umkehrspiel durchsetzen können. Ich bin sehr zuversichtlich."

Hyypiä lässt "das beste Team auflaufen"

Die Defensive von Schachtjor ist nicht mit den ganz großen Stars gespickt und offenbart immer mal wieder Schwächen. Der Abwehrverbund um die routinierten Yaroslav Rakitsky und Oleksandr Kucher, die seit fünf Jahren das Innenverteidiger-Duo des Traditionsvereins bilden, ließ in der Premier Liga schon 14 Gegentore zu und präsentierte sich auch vor zwei Wochen teils vogelwild. Während Kapitän Darijo Srna als Rechtsverteidiger gesetzt ist, streiten sich Vyacheslav Shevchuk und der Brasilianer Ismaili auf der Gegenseite um einen Platz in der ersten Elf, die es für Lucescu in der Offensive so eigentlich gar nicht gibt.

Weil der Trainerfuchs vorne die Qual der Wahl hat, passt er das taktische System und die Aufstellung immer dem Gegner an. Das klassische 4-2-3-1 ist durch die Offensiv-Power variabel. Der technisch versierte Brasilien-Verbund hält wenig von Positionstreue und ist deshalb schwer zu verteidigen. "Die werden mit viel Spielfreude und den Zuschauern im Rücken versuchen, richtig aufzuziehen. Es wird darauf ankommen, gegenzuhalten und denen den Nerv zu rauben. Wir müssen deren Spiel brechen", meint Simon Rolfes, der die Partie zum Endspiel ausruft: "Die Ausgangslage ist gut und wird besser, wenn wir gewinnen. Das wäre eine Vorentscheidung."

Ein Blick auf die Tabelle der Vorrundengruppe A gibt dem Leverkusener Kapitän Recht: Mit sechs Punkten liegt die 'Werkself' einen Punkt hinter Tabellenführer Manchester United und vor Schachtjor (4). Sollte die Mannschaft von Trainer Sami Hyypiä heute drei Punkte holen, hätte man wohl das Ticket für das Achtelfinale gebucht.

Was für Bayer spricht, ist nicht nur die Ausgangslage, sondern auch die Formkurve der Ukrainer: Bei Wolyn Luzk setzte es vergangenen Freitag eine peinliche 0:2-Schlappe. Dabei schonte Lusescu seine Top-Stars im Gegensatz zu Hyypiä nicht. Dass Leistungsträger wie Stefan Kießling oder Sidney Sam heute wie am Samstag in Braunschweig auf der Bank sitzen, ist ausgeschlossen: "Mit einem Sieg wären wir ganz nah dran am Achtelfinale", sagte Hyypiä: "Da muss man das beste Team auflaufen lassen" - was gegen Schachtjor allerdings auch mehr als ratsam ist.