Baustelleninfos online abrufbar

Illustration einer virtuellen Tastatur. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild
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27. Februar 2020 - 12:30 Uhr

Online abrufbare Daten zu Baustellen und möglichen Umfahrungen sollen Verkehrsteilnehmern in Rheinland-Pfalz das Leben erleichtern. Konkret stellt der Landesbetrieb Mobilität (LBM) seit Donnerstag digitale, auch mit Geoinformationen versehene Daten zu den von der Behörde betreuten Baustellen auf Autobahnen, Landes- und Kreisstraßen zur Verfügung. Möglich macht das eine Software, in der Baustellendaten LBM-intern standardisiert erfasst werden. Einzusehen sind die Informationen auf dem Mobilitätsportal verkehr.rlp.de im Internet. Außerdem gehen sie an den sogenannten Mobilitätsdatenmarktplatz des Bundes und können dort auch kostenlos von Navigationsanbietern oder App-Entwicklern abgerufen werden.

Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) und LBM-Geschäftsführer Arno Trauden schalteten das Projekt namens "Baustelleninfo digital" am Donnerstag in Mainz frei. Der Minister berichtete dabei von seinem ersten Arbeitstag in der Landesregierung. Ein Navigationsgerät habe damals seinen Dienstwagen auf dem Weg nach Mainz in eine Baustelle gelotst. Für solche Probleme sei nun in Rheinland-Pfalz eine Lösung gefunden. "Wir demokratisieren damit öffentliche Verkehrsdaten."

Entscheidend für "Baustelleninfo digital" ist, dass beim LBM ab jetzt sogenannte verkehrsbehördliche Anordnungen nur noch einheitlich und digital erfasst werden. Diese Anordnungen, die laut LBM in der Regel vier Wochen bis 14 Tage vor dem Start von Arbeiten herausgehen, enthalten wichtige Informationen beispielsweise zu Tempolimits, Dauer und Länge einer Baustelle. Früher sei all das in unterschiedlichen Formaten, teils auf Papier erfasst worden, außerhalb der jeweiligen Behörde habe kaum jemand davon gewusst, erklärte Wissing. "Das hat in der analogen Welt gereicht, in der digitalen Welt bleiben so Chancen ungenutzt." Für diese neue Erfassung wurden beim LBM Mitarbeiter geschult, viereinhalb Stellen wurden Trauden zufolge neu geschaffen.

Am Donnerstag waren nach der Freischaltung des Systems zunächst rund 190 LBM-Baustellen dargestellt. Auf das ganze Jahr betrachtet kämen im Land hunderte Baustellen zusammen, sagte Trauden, 2019 seien es insgesamt etwa 500 gewesen. Damit in Zukunft auch Baustellen und Sperrungen in kommunaler Verantwortung online einsehbar und in Navis nutzbar werden, setzen Wissing und Trauden auf die Städte und Kreise im Land. Auch sie könnten die Lizenz für die Software kostenlos nutzen. Es habe schon Gespräche gegeben.

Die im Zusammenhang mit den Baustellen empfohlenen Umleitungen, sind Trauden zufolge vom LBM vorab gecheckt. Damit werde gewährleistet, dass sich Lastwagen nicht festfahren, zum Beispiel wegen einer zu niedrigen Brücke oder an einem Engpass. Die für "Baustelleninfo digital" zentrale Software sowie die Anbindung an den Mobilitätsdatenmarktplatz hat sich das Land Rheinland-Pfalz rund 300.000 Euro kosten lassen. Die EU gab für das Projekt gut 90.000 Euro.

Der ADAC Mittelrhein begrüßt das Projekt. Bei dem Automobilclub gingen immer wieder Anrufe von Mitgliedern ein, die sich nach der Lage auf Straßen erkundigen wollten, erzählte Herbert Fuss, Abteilungsleiter Verkehr und Technik. Für sie dürfte das neue Angebot hilfreich sein, sei es für den Arbeitsweg oder die Urlaubsfahrt.

LBM-Vertreter Trauden sagte: "Wir sind noch nicht perfekt und gehen jetzt in den Realbetrieb." Das Angebot solle weiter optimiert werden. Abzuwarten bleibt, wieviele Kartendienstleister oder Navi-Anbieter die Daten aus Rheinland-Pfalz nutzen. Trauden sagte, vermutlich schauten sie nach dem Start die Qualität der Daten an und griffen dann hoffentlich zu. Der Geschäftsführer des Karten- und Geodaten-Anbieters Here in Deutschland, Michael Bültmann, wurde in einer Mitteilung des Ministeriums mit den Worten zitiert, die Mobilität der Zukunft sei nur mit einem offenen Austausch und einer Zusammenarbeit von Unternehmen, Individuen und öffentlichen Institutionen möglich.

Quelle: DPA