Ruinerwold-Anwohner erzählt: So habe ich Josef B. erlebt

"Er ist ausgerastet und hat gesagt: 'Du kommst in die Hölle'"

18. Oktober 2019 - 11:21 Uhr

Bekannter zu RTL: So tickte Josef B.

Im Bauernhof-Rätsel von Ruinerwold sind nach wie vor viele Fragen offen. Neun Jahre lang lebte eine Familie auf einem abgeschiedenen Grundstück in den Niederlanden isoliert von der Außenwelt. Versorgt wurde sie anscheinend von Josef B., gegen den am Donnerstag eine 14-tägige Untersuchungshaft verhängt wurde. Wie tickt dieser Mann? RTL-Reporterin Kerstin Brunn hat sich in seinem ehemaligen Wohnort auf Spurensuche gemacht: Waldhausen, eine kleine Gemeinde im oberösterreichischen Mühlviertel. Wo Josef B. genau wohnte und wie ihn ein Bekannter erlebte – im Video.

Er widersetzte sich seinem Willen – und lernte die andere Seite von Josef B. kennen

Josef B. lebte in einer kleinen Garagen-Hütte, arbeitete als Tischler, verkaufte Möbel und Holzspielzeug – ein grundsätzlich angenehmer Nachbar. "Ich habe ihn eigentlich ganz normal kennengelernt", sagt Manfred Brandstätter. "Am Anfang haben wir eigentlich ein sehr gutes Verhältnis gehabt. Man hat sich sehr gut verstanden."

Irgendwann schlug Josef B. dann eine Partnerschaft vor, wollte eine Geschäftsbeziehung aufbauen. Brandstätter lehnte dankend ab – plötzlich, ohne Provokation, ging Josef B. an die Decke. "Da ist er ausgerastet", erinnert sich der Rentner. "Er hat mir alles Böse gewünscht und gesagt: 'Du kommst in die Hölle. Du wirst nicht mehr lange leben und da wirst du schmoren.' Das hat er mir so ins Gesicht gesagt."

Nach dem Ausraster fror der Kontakt ein, die freundschaftliche Stimmung zwischen Brandstätter und Josef B. war gedrückt. Dann zog Josef B. auf einmal "mit Sack und Pack" aus Waldhausen fort. "Seitdem habe ich ihn nie wieder gesehen."

Bekannter von Josef B.: "Er war charmant, wenn er etwas wollte"

Auf diesem abgelegenen Hof soll Josef B. eine Familie seit 2010 festgehalten haben.
Auf diesem abgelegenen Hof in den Niederlanden soll Josef B. eine Familie seit 2010 festgehalten haben.
© imago images/Hollandse Hoogte, Vincent Jannink via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Jetzt, Jahre später, hat die schreckliche Nachricht aus den Niederlanden Brandstätter völlig unerwartet erwischt. Ja, sagt er, Josef B. sei ihm gegenüber einmal ausfallend geworden. Aber eine Familie neun Jahre lang in einem versteckten Raum einzusperren? "Ehrlich gesagt, das kann ich mir nicht vorstellen", so Brandstätter.

Josef B. habe manchmal seine anstrengenden Momente gehabt, aber: "Er hat nie jemanden zu irgendetwas gezwungen, um seinen Willen durchzusetzen. Er war charmant, wenn er etwas wollte. Und er hat gekriegt, was er wollte. So war der. Wenn er etwas erreichen wollte, er hat es immer auf charmante Art und Weise gemacht." Bloß wenn er nicht erreichte, was er sich in den Kopf gesetzt hatte, konnte es ungemütlich werden – das erfuhr Brandstätter am eigenen Leib, als er Josef B. die Partnerschaft verwehrte.

Die Geschehnisse in Ruinerwold in der niederländischen Provinz Drenthe belasten Brandstätter schwer. Dass sein ehemaliger Bekannter hinter all dem stecken soll, ist für den 60-Jährigen noch immer kaum vorstellbar. "Ich hab' jetzt ein paar Nächte nicht schlafen können, weil... Ich hab' den Menschen gekannt. Ich hab' ihn irgendwie trotzdem positiv erlebt. Und dass er sowas macht... Also, ich kann es mir nicht vorstellen."

Anwohner über Josef B.: "Wie ein Prophet ist mir das vorgekommen"

Medienberichte, denen zufolge Josef B. der pseudo-christlichen Moon-Sekte angehört habe, auch Vereinigungs-Kirche genannt, kann Brandstätter zumindest aus seiner eigenen Erfahrung nicht eindeutig bestätigen. Bei einem Stammtisch sei zwar einmal darüber geredet worden, dass Josef B. wohl in einer merkwürdigen Sekte sei. Aber "ansonsten hab' ich nie etwas gemerkt".

Ihm seien höchstens die einen oder anderen "komischen Andeutungen" aufgefallen, darunter der Ausraster samt Drohung, er werde "in der Hölle schmoren". "Wie ein Prophet ist mir das damals vorgekommen", meint Brandstätter. Sonst sei Josef B. unauffällig geblieben.