Sollten sie auf den Weltuntergang warten?

In Verlies gefangen: Polizei befreit sechs Menschen aus Keller

16. Oktober 2019 - 9:29 Uhr

Der 58-jährige Verhaftete ist Österreicher

Ein junger Mann bittet in einer Kneipe um Hilfe. Neun Jahre lang habe er im Keller gelebt, erzählt der 25-Jährige. Daraufhin stürmt die Polizei einen abgelegenen Bauernhof in Ruinerwold in der Provinz Drenthe (Niederlande). Dort machen die Beamten eine furchtbare Entdeckung. Hinter einem Schrank im Wohnzimmer entdecken sie eine Treppe, die in den Keller führt. Dort finden die Polizisten sechs weitere Menschen, der Jüngste ist 18 Jahre alt. Einen 58 Jahre alten Österreicher, Josef B., nehmen sie fest.

Warten auf den Weltuntergang?

A view of a remote farm where a family spent years locked away in a cellar, according to Dutch broadcasters' reports, in Ruinerwold, Netherlands October 15, 2019. REUTERS/Piroschka van de Wouw
Auf diesem Bauernhof in Ruinerwold sollen die Menschen gewohnt haben.
© REUTERS, PIROSCHKA VAN DE WOUW, zuz/ata

Dass es sich um einen Mann mit österreichischer Nationalität handelt, hat der Sprecher des Außenministeriums in Wien, Peter Guschelbauer, am Dienstagabend bestätigt. Demnach handelt es sich bei dem Festgenommenen um einen gebürtigen Wiener, der Josef heißt und im Jahr 2010 von Österreich in die Niederlande ausgewandert ist.

Nach Berichten mehrerer niederländischer Medien soll der 58-Jährige mit den sechs Volljährigen völlig isoliert auf dem Bauernhof in Ruinerwold gewohnt haben. Sie sollen dort auf dem Hof auf den Weltuntergang gewartet haben, berichtet die Tageszeitung "AD". Ermittler wollten diese Darstellung zunächst nicht bestätigen. Der 58-Jährige wurde festgenommen, "weil er nicht an unserer Untersuchung mitarbeitete". Das sagte eine Sprecherin der Polizei.

Der Bürgermeister der Gemeinde De Wolden, Roger de Groot, sagte bei einer Pressekonferenz, dass es sich nicht um den Vater der jungen Erwachsenen handle. Warum die Behörden jahrenlang nicht informiert wurden, könne er sich nicht erklären, sagt er weiter. Einige der Kinder seien gar nicht erst beim Standesamt registriert gewesen: "Anscheinend können die Leute einfach unter dem Radar bleiben." Die Mutter der Kinder sei nach seinen Informationen bereits vor neun Jahren verstorben. "So etwas habe ich noch nie erlebt." Sofort werden Erinnerungen an den Fall Josef Fritzl aus Österreich wach.

Die Gruppe "lebte in sehr provisorischen Räumen", sagte der Bürgermeister Roger de Groot weiter. Er nannte keine Details der Wohnung.

Mann soll im Garten eine Ziege und Gänse gehalten haben

15.10.2019, Niederlande, Zuidwolde: Roger de Groot, Bürgermeister der Gemeinde De Wolden, spricht während einer Pressekonferenz über die im Keller eines Bauernhofes in Ruinerwold gefundene Famile. Total isoliert von der Außenwelt haben ein Mann und s
Der Bürgermeister sagt geschockt: "So etwas habe ich noch nie erlebt."
© dpa, Wilbert Bijzitter, stephan lix

Wie "AD" berichtet, ist die Farm seit mehreren Jahren von hohen Zäunen umgeben. Der Festgenommene sei jeden Tag dort gewesen, erzählt ein Anwohner. Der Mann berichtete zudem, dass jeden Tag ein Volvo auf die Farm kam. Auf dem Bauernhof soll der 58-Jährige eine Ziege und Gänse gehalten sowie Gemüse gepflanzt haben. Außerdem soll er laut 'rtv drenthe' von den Nachbarn "Josef, der Österreicher" genannt worden sein.

Einer der Söhne in Ruinerwold konnte offenbar flüchten

In dieses Lokal soll der 25-jährige Mann geflüchtet sein.
In dieses Lokal in Ruinerwold soll der 25-jährige Mann geflüchtet sein.
© PRO SHOTS

Der Wirt einer nahegelegen Kneipe hatte die Polizei am Montag alarmiert, nachdem sich ein verwirrter junger Mann bei ihm gemeldet hatte. Der 25-Jährige habe gesagt, dass er neun Jahre lang nicht draußen gewesen sei, erzählte der Wirt dem TV-Sender RTV Drenthe. "Er sagte, dass er weggelaufen war und Hilfe brauchte."

Die Polizei war daraufhin zu dem Bauernhof gefahren und hatte dort sechs Personen vorgefunden. Über die genauen Lebensumstände und den Gesundheitszustand der Gruppe wollte die Polizei vorerst keine Angaben machen. Die Untersuchungen seien noch in vollem Gange. "Alle Szenarien sind noch offen", sagte eine Sprecherin.