Barmer Arzneimittelreport deckt Lücken in Deutschland auf

Deutlich weniger Kinder geimpft als angenommen

© dpa, Karl-Josef Hildenbrand

9. August 2019 - 18:23 Uhr

Daten von 45.700 Kindern untersucht

Ohne Impfung können Infektionskrankheiten wie Masern, Mumps oder Röteln sehr gefährlich werden - doch gegen keine davon sind Kinder in Deutschland ausreichend geimpft. Das bestätigt jetzt der Barmer-Arzneimittelreport. Grundlage für den Bericht waren die Daten von rund 45.700 Schulanfängern, die 2017 bei der Krankenkasse versichert waren.

Gesellschaft nicht ausreichend geschützt

Laut Barmer lagen die Impfquoten in Deutschland durchweg unter 90 Prozent. Laut Barmer-Vorstandschef Christoph Straub alarmierend. Denn damit die Gesellschaft wirklich vor breiten Ausbrüchen der Krankheiten geschützt ist, seien mindestens 95 Prozent nötig.

​"Die Impflücken bei Kleinkindern in Deutschland sind größer als bisher bekannt", so Daniel Grandt, Mitautor des Barmer-Arzneimittelreports und Chefarzt am Klinikum Saarbrücken. So war unter den Barmer-Versicherten mehr als jedes fünfte Kind, das 2015 geboren wurde, in den ersten beiden Lebensjahren nicht oder nur unvollständig gegen Masern geimpft. Der Anteil der Kinder, die alle zwei der vorgesehenen Masernimpfungen bekommen hatten, lag bei nur 78,9 Prozent.

Rund drei Prozent der Kleinkinder hatten überhaupt keine der 13 empfohlenen Impfungen bekommen.

Im Video: Spricht wirklich etwas gegen Impfungen?

Bisherige Zahlen deutlich höher angesetzt

Bisherige Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) erweckten den Anschein, dass die Impfquote 2017 deutlich höher lag: 97 Prozent bei der ersten Masernimpfung, 93 Prozent bei der zweiten. Allerdings hatten rund neun Prozent der Schulanfänger keinen Impfausweis, weshalb das RKI bereits darauf hinwies, dass die Zahlen möglicherweise zu hoch angesetzt seien.

Impflücken auch noch im Erwachsenenalter

Laut Barmer-Report waren 2017 nur 88,7 Prozent der Sechsjährigen gegen Mumps und Röteln geimpft. Dies sei äußerst bedenklich, weil Kinder und Jugendliche ihre Impflücken auch im Erwachsenenalter behalten würden, so Christoph Straub.

Politik sieht sich bestätigt

Über eine Impfpflicht wird seit Jahren diskutiert - sowohl in der Bevölkerung als auch in der Politik. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht sich nach den neuen Zahlen bestätigt. "Egal, wie man es rechnet, es bleibt dabei: Zu viele Kinder in Deutschland sind unnötig gefährdet, denn zu wenige Kinder sind gegen Masern geimpft", Ab März 2020 soll ein Gesetz eingeführt werden, das die Impfung gegen Masern vor dem Eintritt in eine Kita oder Schule zur Pflicht macht. Der Bundestag muss noch zustimmen.


Quelle: DPA/RTL.de