Banker warnen vor Krise wie im Jahr 2008

Düstere Aussichten für unsere Konjunktur: Experten der Deutschen Bank gehen davon aus, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone kommendes Jahr ähnlich stark einbricht wie in der Finanzkrise 2008.
Düstere Aussichten für unsere Konjunktur: Experten der Deutschen Bank gehen davon aus, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone kommendes Jahr ähnlich stark einbricht wie in der Finanzkrise 2008.
© dpa, Boris Roessler

10. Februar 2016 - 11:36 Uhr

Die Börsen jubeln, aber nicht wegen politischer Beschlüsse zur Rettung des Euro. Der Applaus gilt den Notenbanken: Sie verschaffen den nervösen Finanzmärkten zumindest eine Atempause. Weil die Zentralbanken ihre Geldpressen angeworfen haben, zogen die Börsen-Kurse gestern kräftig an. Doch der schönen Bescherung folgt bald Ernüchterung, glaubt die Deutsche Bank. Wenn Europas Mächtige nicht endlich Lösungen für die Euro-Krise finden, geht die Wirtschaft auch bei uns in die Knie, heißt es in einem Beitrag der Zeitung 'Die Welt'.

Zum einen geben die Banker der Politik die Schuld. Alles, was Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy auf ihren zahllosen Krisengipfeln beschlossen haben, sei aus Sicht der Banker vergebens. Zum anderen habe die Krise ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Die Experten befürchten, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone im kommenden Jahr ähnlich stark einbricht wie in der Finanzkrise 2008.

Unterdessen geht in der Europäischen Union der Streit über Maßnahmen gegen die Krise weiter - die EU-Staats- und Regierungschefs wollen sich am 8. und 9. Dezember in Brüssel treffen. Dann soll ein neues Paket geschnürt werden, um die Krise endlich in den Griff zu bekommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: "Ich glaube, dass wir in einer schwierigen Situation sind und das wir politischen Mut brauchen in der Eurozone enger zusammenzurücken. Deshalb wollen wir begrenzte Vertragsänderungen."

Die Regierungschefin gibt am Freitag eine Regierungserklärung im Bundestag ab. Erwartet wird, dass sie darin Details zur geplanten Änderung der EU-Verträge nennt, gegen die es in der EU erhebliche Widerstände gibt.

Krisenfonds EFSF gestärkt

Mit der Änderung der Verträge soll die Haushaltspolitik in der Eurozone künftig stärker zentral gesteuert werden. Weitere Themen bei dem EU-Gipfel dürften stärkere Rollen von EZB und Internationalen Währungsfonds (IWF) bei der Lösung der Krise sein. Vor allem Deutschland lehnt eine geforderte Ausweitung der Staatsanleihekäufe durch die EZB strikt ab.

Mit der Aktion der Zentralbanken sollen dem globalen Finanzsystem mehr flüssige Mittel zur Verfügung gestellt werden, um eine Kreditklemme zu verhindern. Beteiligt waren auch die Zentralbanken Japans, Großbritanniens, Kanadas und der Schweiz. Bei den sogenannten Dollar-Tauschgeschäften geht es darum, anderen Notenbanken Finanzmittel in US-Dollar bereitzustellen. Die beteiligten Zentralbanken senkten jetzt die Zinsen für solche Geschäfte. Damit wird es zum Beispiel für europäische Banken leichter, an Dollar zu kommen.

Zuvor hatten die Euro-Finanzminister beschlossen, den Krisenfonds EFSF für klamme Eurostaaten mit einem Hebel erheblich zu stärken. Die Eurogruppe erklärte, sie erwarte eine Verdreifachung des Kreditvolumens von derzeit rund 250 Milliarden Euro, möglicherweise sogar eine Verfünffachung. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble meinte ebenso wie EFSF-Chef Klaus Regling, eine genaue Zahl gebe es nicht.