Bangkok: Hochwasser steigt stündlich

10. Februar 2016 - 10:45 Uhr

Einwohner sollten nachts besser nicht auf die Straße

In den Supermärkten werden nach Trinkwasser auch Fertiggerichte knapp, dafür schwimmen gefährliche Reptilien in den stündlich steigenden Fluten umher. Das Hochwasser bedroht in Thailands Hauptstadt Bangkok Millionen Menschen. Nur wenige hundert Meter vom Königspalast in der Altstadt entfernt schwappen die Fluten bereits bis zur Deichkante, die Anwohner des mächtigen Flusses Chao Phraya wurden aufgefordert, ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen und Notunterkünfte anzusteuern.

Hochwasser steigt stündlich
Mit kilometerlangen Notwällen aus Sandsäcken versucht Bangkok die Fluten von der Innenstadt abzuhalten.
© REUTERS, CHAIWAT SUBPRASOM

"Das Wasser dürfte (in einigen Bezirken) einen halben bis einen Meter steigen, und wir wissen nicht, wann es abfließt", sagte Regierungschefin Yingluck Shinawatra. Politiker warnten die Einwohner davor, nachts auf die Straßen zu gehen. Es seien zwei Krokodilfarmen mit 20 Tieren überschwemmt worden und mehrere der Reptilien entkommen. In der Povinz Nonthaburi nördlich von Bangkok fischten die Menschen ein zweieinhalb Meter langes Exemplar aus den Fluten.

Yingluck fürchtet, dass das Hochwasser mehr als vier Wochen anhalten könne. Strom- und Wasserversorger sowie andere wichtige Gebäude würden besonders geschützt. Das wirtschaftliche Zentrum Bangkoks mit unzähligen Firmensitzen und Hotels blieb trocken. Die Stadtverwaltung tut alles, um die Wassermassen umzuleiten. In der Monsunsaison in Thailand ist 30 bis 45 Prozent mehr Regen gefallen als in vergangenen Jahren. Die sintflutartigen Regengüsse sind so stark, dass man in weniger als einer Minute einen Kaffeebecher füllen kann. 20 Milliarden Kubikmeter Wasser müssen aus den Überschwemmungsgebieten in Zentralthailand in den Golf von Thailand abfließen. Bangkok liegt genau dazwischen. Bis zur Mündung des Chao Phraya im Golf von Thailand sind es rund 35 Kilometer.

720.000 Menschen sind wegen der Fluten erkrankt

Prekärer ist die Lage nördlich der Innenstadt. In der Umgebung des alten Flughafens Don Mueang standen zahlreiche Straßen unter Wasser, weil die Hochwassermassen aus Zentralthailand Richtung Süden drückten und die Kanäle durch Bangkok füllten. An zahlreichen Stellen brachen die Wälle aus Sandsäcken. Tausende Soldaten und Freiwillige waren teils mit Baggern rund um die Uhr im Einsatz, um Dämme zu verstärken.

Yingluck bezeichnete die Lage als besorgniserregend. In sieben Bezirken stand das Wasser bis 30 Zentimeter hoch. In den Straßen verkehrten Schlauchboote. Die Luftwaffe habe schwer kranke Patienten aus Krankenhäusern in weiter entfernte Spitäler in den Provinzen ausgeflogen, berichtete die Zeitung 'Nation'. Ein Campus der Thammasat-Universität sei 70 Zentimeter unter Wasser gestanden, berichtete der Rektor der Lokalpresse. In dem Gebäude hätten mehr als 4.000 Menschen Zuflucht gesucht. Er brauche Trinkwasser und Nahrung für die Menschen.

Ein Drittel der thailändischen Provinzen steht nach den verheerenden Monsunregen teilweise unter Wasser. 356 Menschen sind nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde ums Leben gekommen. 2,5 Millionen Menschen sind betroffen. 720.000 Menschen seien wegen der Überschwemmungen erkrankt, sagte der Gesundheitsminister. Sieben Industrieparks mit Hunderten Fabriken und mehr als 400.000 Angestellten sind überschwemmt.