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Ballspiel war ihm zu laut: Anwohner schießt mit Luftgewehr auf 13-Jährigen - drei Jahre Haft

Ballspiel war ihm zu laut: Anwohner schießt mit Luftgewehr auf 13-Jährigen - drei Jahre Haft

Prozess wegen Schüssen auf 13-Jährigen
Ein ehemaliger Bundeswehroffizier stand in Hamburg vor Gericht, weil er mit einem Luftgewehr auf einen 13-Jährigen geschossen hatte.
dan fgj, dpa, Daniel Reinhardt

Drei Jahre Haft für Angeklagten

Viele Streitigkeiten in der Nachbarschaft rühren vermutlich daher, dass die Streitparteien unterschiedliche Auffassungen von Lärm haben. Wenn Kinder spielen, kann es schon mal etwas lauter werden. In Hamburg hat ein verärgerter Nachbar aber zu besonders brachialen Methoden gegriffen, um für Ruhe zu sorgen. Ein 53-Jähriger fühlte sich durch einen lärmenden 13-Jährigen so sehr gestört, dass er mit einem Luftgewehr auf den Jungen schoss.

Das Amtsgericht Hamburg verurteilte den früheren Bundeswehroffizier nun zu drei Jahren Haft. Dieses Strafmaß hatte die Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz gefordert. Die Verteidigung hatte auf eine Bewährungsstrafe plädiert.

Das Geschoss verletzte den Jungen

Der 13-Jährige spielte auf einem benachbarten Spielplatz Fußball. Weil der Ball des Jungen immer wieder gegen das Tor und den Zaun des Spielplatzes knallte, brüllte der Anwohner irgendwann, dass der Junge mit dem Ballspielen aufhören solle. Der Junge ließ sich davon aber nicht beeindrucken, darum legte der wütende Mann auf ihn an. Vom seinem Balkon aus zielte er auf sein etwa 35 Meter entferntes Opfer und drückte ab. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft verfehlte der Schütze den Jungen zuerst. Doch auch davon ließ er sich nicht abhalten. Er lud seine Waffe nach und schoss erneut.

Dieses Mal traf das sogenannte Diabolo-Geschoss und riss dem Jungen eine klaffende Wunde in den Oberkörper. Zeugen beobachteten, dass der Junge sich plötzlich weinend auf dem Boden zusammenkrümmte. Der Teenager wurde ins Krankenhaus gebracht, wo ihm das Projektil operativ entfernt und die blutende Wunde versorgt werden musste. Lebensgefahr bestand glücklicherweise nicht.

Angeblich wollte er nur den Ball treffen

Der schießwütige Nachbar wurde verhaftet und angeklagt. Der heute 54-Jährige räumte vor Gericht ein, dass er im Juli 2016 Schüsse in Richtung des Jungen abgegeben hatte, erklärte ein Gerichtssprecher. Er bestritt aber den Vorwurf absichtlich auf den Jungen gezielt zu haben. Dass der Jugendliche getroffen wurde, sei ein Unfall gewesen. Eigentlich habe er auf den Ball geschossen.

In der Nachbarschaft war der Mann schon bekannt, wie der 'NDR' berichtete. Immer wieder soll er vom Balkon aus gepöbelt und sich über spielende Kinder beschwert haben, sogar Vogelgezwitscher störte ihn. Das Luftgewehr hatte er sich erst wenige Tage vor dem Vorfall gekauft, ursprünglich um Tauben damit abzuschießen. Die Geräusche vom Bolzplatz waren dann aber offenbar störender.