Balkan im Ausnahmezustand

21. Mai 2014 - 16:39 Uhr

Überflutungen, Chaos und Tote im Osten und Südosten Europas

Nach schweren Regenfällen auf dem Balkan wird allmählich das Ausmaß der Überschwemmungen deutlich. Mehr als 20 Tote sind zu beklagen, die Schäden sind riesig, die Überlebenden leiden Not. Am schlimmsten betroffen waren Regionen in Serbien, Bosnien-Herzegowina, Polen, Tschechien und der Slowakei. Geschätzte Schäden von einer Milliarde Euro allein in Serbien und 95 000 Haushalte ohne Strom: So lautet eine erste Bilanz der tagelangen Rekordregenfälle in den Balkanländern.

Zehn Menschen sterben in Unwettern
Das Tief 'Yvette' hat durch Überflutungen schlimme Schäden auf dem Balkan verursacht.
© dpa, Dragan Karadarevic

Nach tagelangem Dauerregen und großflächigen Überschwemmungen in Serbien sind die Evakuierungen am Samstag vielerorts fortgesetzt worden. Aus der praktisch komplett überfluteten Stadt Obrenovac südwestlich von Belgrad seien mehr als 4000 Menschen aus ihren Häusern gerettet worden, teilte die serbische Regierung mit. Für unzählige Bürger fielen Strom und Wasserversorgung aus. Zahlreiche Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten und warteten auf Hilfe aus der Luft. Russische Taucher und Bergungsexperten wurden nach Serbien geflogen, um die Retter zu unterstützen. Auch die EU und einige Mitgliedsländer - darunter Deutschland - kündigten Hilfe an.

Kritischer war die Lage im benachbarten Bosnien-Herzegowina. Die im Norden gelegene Stadt Bijeljina stand praktisch komplett unter Wasser. Eine Evakuierungsaktion für 10 000 Menschen sei angelaufen, berichteten die Behörden. Auch wenn der tagelange Regen am Samstag nachließ, sanken die Wasserstände der zu reißenden Strömen ausgewachsenen Flüsse im ganzen Land noch nicht nennenswert. Überall richteten große Erdrutsche neue Schäden an. In Serbien kamen fünf, in Bosnien 16 Menschen ums Leben.

Tausende Menschen ohne Strom

In der Slowakei richteten orkanartige Stürme und Dauerregen ein Verkehrschaos und schwere Schäden an. Im Dorf Dlhona fiel ein 83-jähriger Mann in einen überschwemmten Bach und ertrank, wie Innenminister Robert Kalinak mitteilte. Umgestürzte Bäume und von den Häusern gerissene Dächer beschädigten Autos und blockierten Straßen und Eisenbahnstrecken vor allem im Osten und Norden des Landes. In der Region Banska Bystrica waren mehr als 50.000 Haushalte schon den zweiten Tag ohne Strom.

Auch in Polen verursachten Unwetter Schäden und Überschwemmungen. In Warschau erschlug ein abgebrochener Ast eine Frau. In der Stadt Debica ertrank ein Mann, wie die Nachrichtenagentur PAP berichtete. Landesweit wurde in 51 Bezirken Hochwasseralarm ausgelöst - vor allem im Südosten des Landes. Umgestürzte Bäume und Hochwasser blockierten Straßen und kappten Stromleitungen - mehr als 60.000 Haushalte waren ohne Strom. Die Feuerwehr rückte zu mehr als 2000 Einsätzen aus. Am Samstag hat sich in den südpolnischen Hochwassergebieten die Situation an der Weichsel und ihren Zuflüssen leicht entspannt. «Die Lage stabilisiert sich», sagte ein Sprecher der Feuerwehr der polnischen Nachrichtenagentur PAP. In 34 Gemeinden herrschte weiterhin Hochwasseralarm, doch die Feuerwehr musste am Samstag deutlich weniger Keller auspumpen und überflutete Straßen sichern als an den vergangenen Tagen. Am Samstag sollte die Weichsel in Krakau, der größten Stadt Südpolens, ihren höchsten Stand erreichen. Der Alarm-Pegelstand war am Morgen um zwölf Zentimeter überschritten. Die Regenfälle dauerten unterdessen an.

Nach dem Dauerregen hat sich die Lage an den Flüssen im Osten Tschechiens vorübergehend entspannt. Die Pegelstände gingen fast überall zurück, wie das nationale Amt für Meteorologie und Hydrologie in Prag am Samstag mitteilte. Leichte Anstiege gab es nur an den Flüssen im Isergebirge, wo es intensiv regnete. In fünf der sieben Verwaltungsregionen des Landes blieben die Einsatzkräfte vorerst in erhöhter Bereitschaft. In den nächsten Tagen werden weitere Niederschläge erwartet. Unterdessen hat Tschechien dem schwer von Überschwemmungen betroffenen Serbien Hilfe angeboten. Ein tschechisches Feuerwehrteam soll demnächst mit einer Hochleistungspumpe zur Unterstützung eintreffen.

Quelle: dpa