Bundesagrarministerin Julia Klöckner stellt neuen Gesetzentwurf vor

Bald ist Schluss mit dem Kükenschreddern

10. September 2020 - 12:38 Uhr

Julia Klöckner will Töten beenden

Es ist noch immer grausame Praxis: Direkt nach dem Schlüpfen werden in Deutschland Millionen männliche Küken aus wirtschaftlichen Gründen getötet. Bundesagrarministerin Julia Klöckner will nun mit einem Gesetz dagegen vorgehen.

Jährlich müssen 45 Millionen Küken in Deutschland sterben

Weibliche Küken dürfen leben, für männliche geht's in den Schredder. Jährlich müssen 45 Millionen Küken in Deutschland sterben. Denn als Hähne können sie später keine Eier legen. Und: Durch die Zuchtart eignen sie sich auch weniger zum Verzehr, weil sie schlicht zu mager sind.

Ende 2021 soll mit dieser umstrittenen Praxis aber Schluss sein. "Deutschland wird mit einem gesetzlichen Verbot des Kükentötens weltweit Vorreiter sein", sagte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) heute bei der Vorstellung ihres Gesetzentwurfs. "Das ist ein Meilenstein für den Tierschutz und ein großer Erfolg, der auch Signalwirkung haben wird."

Bauernpräsident Joachim Rukwied befürwortet den Vorstoß: "Ich sehne den Tag herbei, an dem dieses Thema endlich Geschichte ist. Praxistaugliche Verfahren zur Geschlechtsbestimmung sollten schnellstmöglich flächendeckend zum Einsatz kommen." Wichtig sei aber, dass die gesetzliche Regelung nicht durch den Einkauf von Eiern im Ausland unterlaufen werde. Geflügelzüchter fordern deshalb auch eine Lösung auf EU-Ebene.

Klar, eine europaweite Regelung wäre vorzuziehen, sagte Klöckner heute, "aber es wäre naiv zu glauben, dass sich 27 Mitgliedsstaaten in der Ratspräsidentschaft Deutschland bis Ende des Jahres einigen, um flächendeckend aus dem Kükentöten auszusteigen – oder bis 2021." Sie wolle den Tierschutz nicht auf die lange Bank schieben. Gleichzeitig setze sie sich weiter für ein europaweites Verbot ein.

Marktreife Verfahren zur Geschlechtsbestimmung

Das Bundesverwaltungsgericht hatte 2019 entschieden: Küken dürfen noch so lange getötet werden, bis gut funktionierende Alternativen zur Verfügung stehen. Für Klöckner ist das Ende nächsten Jahres der Fall: Sie sieht dann marktreife Verfahren, um das Geschlecht im Ei zu bestimmen und männliche Küken gar nicht erst schlüpfen zu lassen.

Es gibt dafür verschiedene Methoden. Zum einen wird einige Tage lang bebrüteten Eiern durch ein winziges Loch etwas Flüssigkeit entnommen, um das Geschlecht zu bestimmen. Weibliche Küken werden ausgebrütet, männliche nicht. Bei einem anderen Verfahren wird ein spezieller Lichtstrahl ins Ei-Innere geschickt, wie das Ministerium erläutert. Das Geschlecht wird dann durch eine Analyse des reflektierten Lichts bestimmt.

Noch strengere Regeln ab 2024

Klöckners Gesetzentwurf beinhaltet neben dem Verbot des Kükenschredderns noch eine zweite Stufe: "Die jetzigen Verfahren sind Brückentechnologien. Die Geschlechterbestimmung bis zum 13. Tag muss Ende 2023 auslaufen." Heißt: Ab Januar 2024 müssen Methoden angewandt werden, die vor dem siebten Bruttag greifen. Denn ab dem siebten Tag empfänden Hühnerembryonen Schmerz.

Die Bundesregierung setzt mit ihrem geplanten Gesetz nun auf Pflicht – Freiwilligkeit wie bisher, das war leider nicht erfolgreich.

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