Bald Christstollen aus Florida: Stoppt TTIP den Schutz regionaler Produkte?

18. April 2015 - 19:43 Uhr

Freihandelsabkommen macht das laut Agrarminister Schmidt möglich

Dresdner Stollen aus Kalifornien oder eine gute alte Thüringer Bratwurst mit Senf aus Florida? Ein Szenario, dass für Agrarminister Christian Schmidt laut nach einem Bericht des 'Spiegels' denkbar ist. Denn durch das geplante Handelsabkommen Transatlantic Trade and Investment Partnership, kurz TTIP, könnten viele europäischen Hersteller die Vorrechte an ihren regionalen Gaumenfreuden verlieren. Noch ist es nach EU-Recht so geregelt, dass Produkte wie zum Beispiel der Schwarzwälder Schinken auch aus dem Schwarzwald, also der namengebenden Region kommen müssen.

Wird Christstollen, eine deutsche Spezialität, bald in den USA hergestellt?
Wenn TTIP durchkommt, könnte Christstollen schon bald in den USA produziert werden.
© Stephanie Eckgold - Fotolia, Stephanie Eckgold

Schmidt erklärt, dass es nicht möglich sei, einen freien Handel mit den USA und den Schutz der hiesigen Spezialitäten wie Wurst oder Käse zu vereinen. Zudem seien die geltenden EU-Regeln für regionale Lebensmittel seiner Meinung nach "sehr bürokratisch". Man könne schließlich "nicht mehr jede Wurst und jeden Käse als Spezialität schützen", erklärte der Minister dem 'Spiegel'.

Ausnahme für Chlorhühnchen?

Die EU schütze auch solche Spezialitäten, "deren Grundstoffe längst nicht mehr nur in ihren Heimatregionen hergestellt werden." Daher sei es den US-Amerikanern "schwer vermittelbar, dass sie keinen Tiroler Speck oder Holländischen Gouda zu uns exportieren dürften, wenn wir in Europa selbst den Schutz nicht konsequent durchsetzen würden ", so Schmidt im Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel'. Ein Erfolg lässt sich immerhin vermelden. So seien die US-Amerikaner offen für Ausnahmen bezüglich des Chlorhuhns und auch die Kennzeichnung von Lebensmittel, die genetisch verändert wurden, sei denkbar.

Gegenwind bekommt Schmidt von den Grünen. "Mit seinen freimütigen Äußerungen lässt Landwirtschaftsminister Schmidt die Katze aus dem Sack. Er räumt ein, was die Bundesregierung bisher immer bestritten hat: TTIP wird europäische Verbraucherschutzstandards aushebeln", so Bundesvorsitzende Simone Peters. Daraufhin widersprach der Agrarminister. Er wolle, dass die deutschen Standards hier eingehalten werden, damit sie den Amerikanern als Lösungsvorschlag präsentiert werden könnten. Dafür müsse die EU-Kommission in den Verhandlungen Sorge tragen. Wenn der Missbrauch aber in Europa selbst stattfinde und in die USA überschwappe, "werden unsere Argumente dünn. Und das will ich auf jeden Fall verhindern", unterstrich der Minister.

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