Passagiere teilweise ohne Strom in den Zügen

Bahnchaos wegen Unwettern in Norddeutschland

18. September 2019 - 10:11 Uhr

Chaos pur bei der Bahn

Ein Unwetter in Norddeutschland hat am Dienstagabend für erhebliches Chaos im Bahnverkehr gesorgt. Wie die Deutsche Bahn bekanntgab, liegen derzeit mehrere Bäume im Gleis und Oberleitungen sind beschädigt. Einige Strecken mussten deswegen gesperrt werden, darunter auch die Strecken Hannover-Bremen und Hamburg-Hannover. Die Leute steckten fest, manche auf offener Strecke, andere an Bahnhöfen wie in Verden. Was ein Passagier von der Lage vor Ort berichtet, zeigt unser Video. Auch auf Twitter zeigten sich einige Passagiere verärgert und beunruhigt.

Hunderte Menschen in Zügen und an Bahnhöfen gestrandet

Die Bahn informierte in mehreren Tweets über die Störungen. Insgesamt sind derzeit nach Bahnangaben fünf Züge betroffen, darunter drei ICEs und zwei ICs. Ein ICE wird nun evakuiert, zwei andere sind zurück zu ihrem Ausgangsort Hamburg. Ein anderer IC wird nach Nienburg geschleppt, dort soll es mit Bussen weitergehen. Für an Bahnhöfen gestrandete Menschen wollte die Bahn am Abend in Hannover, Kassel-Wilhelmshöhe und am Hamburger Hauptbahnhof Aufenthaltszüge bereitstellen, wie sie auf Twitter mitteilte.

Die Störungen könnten noch die ganze Nacht andauern. "Wir bitten Reisende, vor Beginn der Fahrt ihre Verbindung zu checken", sagte eine Bahnsprecherin. Räumungs- und Reparaturtrupps seien im Einsatz. "Es gibt noch den ganzen Abend lang Auswirkungen auf den ganzen Bahnverkehr, mit Schwerpunkt im Norden Deutschlands."

Großer Ärger auf Twitter

Bei den Passagieren in den betroffenen Zügen war der Ärger groß. Vor allem eine schlechte Kommunikationsstrategie der Bahn wurde beklagt. "Notbeleuchtung, kaum noch Sauerstoff im Zug, Toiletten außer Dienst, unterirdische Kommunikation. Wie geht es hier weiter? Wie kommen wir weg? Zahlt ihr die Taxifahrt nach Hamburg?" schrieb ein Passagier aus dem ICE1272, der zwischenzeitlich bei Nienburg zwischen Hannover und Bremen feststeckte und evakuiert werden musste.

Ein anderer User berichtete, dass sich sogar vor Ort schon der Notarzt um einige ältere Passagiere kümmern musste. 

Auch der ICE mit der Nummer 885 steckte stundenlang mitten im Nirgendwo fest. Twitter-Userin und Journalistin Joanna Kouzina berichtete von unzureichender Kommunikation im Zug. "Keiner weiß, wie und ob es weitergeht", schrieb sie.

Laut eines anderen Twitter-Nutzers soll der 885 nun wieder an seinen Ausgangsort Hamburg Harburg zurückfahren. Dies bestätigte auch die Bahn auf Twitter.

Schwerer Sturm auch an der Ostsee-Küste

Momentan also nichts als Chaos bei der Bahn. Doch auch andere Orte wurden von den Unwettern mehr oder weniger überrascht. Auf der ostfriesischen Insel Norderney wurden Urlauber von Wassermassen eingeschlossen. Die Gruppe war nach Angaben der Feuerwehr am Dienstag im Osten der Insel auf eine Düne geklettert und hatte einen Notruf abgesetzt. Das Hochwasser war wegen eines Sturms in der Nordsee deutlich höher als normal ausgefallen. Ein Rettungshubschrauber nahm die Urlauber an Bord und brachte sie zurück auf einen Parkplatz.